Aber ach - DER SPIEGEL
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Aber ach

Maud Sacquard de Belleroche: »Geständnisse«. Desch; 300 Seiten; 30 Mark.
• aus DER SPIEGEL 23/1969
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am Anfang schwingt Schwester M., die hübsche Nonne, über der kleinen kecken Maud die lustspendende Brennesselrute ("Ach Der erste Verführer war eine Verführerin). Dann hat Maud, die narzißtisch-geständnisfrohe, einen braven Bräutigam, drei Ehemänner und viele weitere Herren und Damen aus tout-Paris, darunter gar »Ein Linksintellektueller, ein Priester und ein Wüstling« (Kapitelüberschrift).

Doch damit nicht genug: Frau Wüstling hat auch einen Minister und einen Marquis, einen Künstler und einen Kollaborateur. sie hat auch Männer und Mädchen gleichzeitig, und fast immer setzt es Hiebe zur Liebe, mal haut Madame, mal wird sie versohlt. mal mit einem Zweig vom nächsten Baum, mal mit der »köstlichsten Fransenpeitsche der Welt«, Und einmal wird sie sogar im Pferdesattel glücklich, beim Galopp, ganz einfach so.

Kurz, es ist alles drin in diesen sadosnobistischen »Memoiren einer Frau von vierzig Jahren« (Untertitel), die 1968 in Paris ihren Skandalerfolg hatten und sich nun auch in Deschland gut und teuer verkaufen (siehe Bestsellerliste): Laster und Luxus, Adel und Klerus, Hochfinanz und Haute Couture, der Moschusduft der eleganten Welt, wie sie in den Klatschspalten steht, und die ganze Blut-und-Hoden-Mystik de Sades wie der »O« und überhaupt fast alle Muster der »galanten«, der klassischen Pornographie.

Und einiges mag sogar wirklich autobiographisch sein: 1944 in Baden-Baden, an der Seite ihres geflüchteten Vichy-Geliebten, will die Autorin Céline gesehen, später will sie Mussolini und Franco getroffen haben, und sie nennt den surrealistischen Zeichner Hans Bellmer mit vollem Namen, weil wir Freunde wurden, aber nie ein Liebespaar«

Momentweise vermag die verruchte Plaudertasche mit Sarkasmus und arrogantem Spott zu amüsieren, größtenteils jedoch triefen ihre Renommier- »Geständnisse« von schlechthin ungenießbarem Schwulst: »Aber ach! Die Minuten vergehen, die Sanduhr meiner Lust hat sich bereits geleert, und mein Turteltäubchen gurrt noch immer ...«

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