Bücher Absolute Waffe
Auch der Rückzug ist eine Form des Mutes«, sagt, Napoleon zitierend, Willy Brandt. Dann befiehlt er, am 29. Oktober 1972, die Freilassung der palästinensischen Geiselmnörder von München: Fedajin haben eine Lufthansa-Boeing gekapert und drohen, sie und sich andernfalls in die Luft zu sprengen.
Soweit, so authentisch, oder doch halbwegs: Denn im Buch von Paul Bonnecarrère und der Hemingway-Enkelin Joan ist die Erpressung eine gemeinsame Inszenierung des »Schwarzen September« und des westdeutschen Geheimdienstes -- Bonn wollte die München-Attentäter loswerden, »um ein peinliches politisches Gerichtsverfahren zu vermeiden«.
Doch der plausibel wirkende Roman-Anfang (die These vom Komplott fand sich derzeit auch in der Presse) ist nur ein Vorspiel, dann entschwebt das Werk zügig in die abenteuerliche Polit-Fiction. Es tritt ein, was dem Helden, einem französischen 007-Kissinger. der den Tauschhandel arrangierte, schon anfangs geschwant hat: »An dem Tag, da ein wirklich intelligenter Mann merkt. daß die Erpressung die absolute Waffe des 20. Jahrhunderts ist, werden wir alle beschissen dastehen.« Denn diesmal fordern, nach der Entführung von fünf Jet-set-Mädchen, die Täter weder Geld noch Genossen, sondern Macht über die Massenmedien.
Die Horrorvision von einer Palästinenser-Aktion, die politischen Druck nicht gegen, sondern durch die Weltöffentlichkeit ausübt, haben die Autoren in anspruchslosem Stil beschrieben; die Spannung ergibt sich da vornehmlich aus der Sache, weniger aus der Machart. Weniger schlicht sind hier die politischen Implikationen: Sympathische Figuren, die sich gegen den Terror zur Wehr setzen, sind scheinbar ohne Ideologie, einfach nur auf der rechten Seite
Linke allesamt ungewaschene Fanatiker, denen ein Menschenleben einen Dreck gilt, bestenfalls »verfassen sie unermüdlich hochtrabende Aufrufe«.
Für einen Roman, der fast pausenlos nur auf allerfeinstem Niveau, auf diplomatischen Parketts und Luxus-Jachten spielt, wäre es natürlich etwas billig gewesen, wenn Palästinenser einfach nur Palästinenser wären.
Der geniale Kopf und »gemeingefährliche Irre« hinter den Handelnden nämlich ist einer vom ganz harten Kern der Baader-Meinhof-Gruppe. Er, Wilhelm Scheidemann, hat sich mit zwei Genossen und einer gemeinsamen Nymphomanin während der Nahost-Exkursion der RAF abgesetzt und dirigiert nun die Fedajin. Erst hat er das Blutbad von Lod inszeniert, jetzt das »Unternehmen Rosebud«. Das hätte »Quick« auch nicht besser erfinden können.