Action mit MG - DER SPIEGEL
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SPIELZEUG Action mit MG

»Man trägt wieder Hakenkreuz« -- Kriegsspielzeug war der große Hit auf der diesjährigen Nürnberger Spielwarenmesse.
• aus DER SPIEGEL 8/1976
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In den Vereinigten Staaten«, frohlockt das Branchen-Fachblatt »Spielzeug-Markt« in seiner neuesten Ausgabe, »steigt der Absatz von Kriegsspielzeug wieder stetig an.« Der Schock des Vietnamkriegs ist vorbei, und Nostalgie ist immer noch in Mode.

In der Bundesrepublik knickte kein Krieg die Absatzkurve, hier geht es mit Spielzeugpanzern und -soldaten seit Jahren steil bergauf. Die -Internationale Spielwarenmesse, als »größte der Welt« letzte Woche wieder in Nürnberg begangen, zeigte mehr schimmernde Wehr und brutaleren Military-Look als jemals zuvor.

»Man trägt wieder Hakenkreuz«, klagten sogar die »Nürnberger Nachrichten«, ein auch im Zweifelsfalle nicht linkes Blatt, angesichts der »explosionsartig sich vermehrenden Bastelkästen für naturgetreue Modelle von Weltkriegsflugzeugen, -panzern und -schlachtschiffen«.

Die Bündener Firma Reyell Plastics, die in ihrem »Hobby Katalog »76« auf 128 Seiten zwischen »Jagdpanzer Tiger (p) Elefant« (Maßstab 1:35, 18,50 Mark) und »Deutscher Panzergrenadier der Division Großdeutschland« (1:9. 19,75 Mark) Weltkriegserinnerungen in mancherlei Formaten aufgearbeitet hat, setzte im letzten Jahr rund 30 Millionen um.

Und der Nürnberger Ex-Panzersoldat Heinz Behringer (Modelle von Weltkrieg-II-Waffen zwischen 5,95 und 400 Mark) hat seinen Umsatz wieder um fast 25 Prozent gesteigert: »Hier auf der Messe«, sagt er, »kamen zu mir noch um die Hälfte mehr Interessenten als 1975.«

Während es bei den Kriegs-Kameraden aufwärts geht, mußte die Spielwarenzunft sonst 1975 erstmals zurückstecken: Die Produktion sank um zwölf Prozent, der Importüberhang stieg auf 58 Millionen Mark, »so mancher wird noch zumachen müssen«, orakelten in Nürnberg die Branchenfunktionäre.

Guter Absatz wird vorwiegend bei Erwachsenen-Spielen registriert, so etwa bei Hobby-Kits, mit denen Tüftler (aus mitunter mehr als 1000 Teilen) Modelle von Schiffen. Autos und natürlich auch Kriegsgerät zusammenbauen, oder bei Kreativ-Ausrüstungen zum Keramikbrennen. Goldschmieden und Edelsteinschleifen.

Flott verkauft werden teure Modell-Flugzeuge, -Schiffe und -Bahnen mit aufwendiger Elektronik, aber auch edle Puppen im bleichen Nostalgie-Look mit Flatterkleidchen von 1890, aus Porzellan und Pappmaché -- also für Kinderspiel ganz ungeeignet.

Erfolge mit neuem kindersamem Spielzeug sind dagegen rar: Eine Puppe mit der Konfektionsgröße einer Dreijährigen (Zapf, 49 Mark), ein neues Austauschfederwerk für Modellautos (Darda) und -- als einer der größten Spielzeug-Hits der letzten 20 Jahre -- die vielfach nachgeahmten Playmobil-Figuren.

Deren größere Kollegen, die männlichen Aktionspuppen (Action Team, Big Jim, Action Man), bislang nur mit schwellendem Bizeps oder Karateschlag ausgerüstet, sind fast alle der Armee beigetreten: Sie hantieren 1976 nicht mehr nur mit Harpune, Funkgerät und Rennauto, sondern mit Flammenwerfer, MG und Panzerspähwagen.

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