Ad acta - DER SPIEGEL
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HITLER Ad acta

• aus DER SPIEGEL 38/1961
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Zwei Jahre lang igelten sich der Hamburger Realfilm-Produzent Walter Koppel und seine Mitarbeiter ein. Mit branchenwidriger Geheimniskrämerei machten sich die Realfilm-Leute an ein anspruchsvolles Vorhaben: Sie wollten die NS-Epoche filmdokumentarisch aufarbeiten.

Die Ziele, die sich Koppel gesetzt hatte, waren verheißungsvoll. In einem

abendfüllenden Dokumentarfilm mit dem Titel »Das Leben von Adolf Hitler« gedachte er,

- die Biographie des deutschen Diktators zu erzählen;

- die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe seines Aufstiegs zu erhellen;

- diejenigen vorzuführen, die am deutschen Debakel haupt- und mitschuldig waren.

Kaum ein anderes Dokumentarfilm -Projekt schien günstigere Voraussetzungen zu haben. Produzent Koppel hatte den renommierten Schriftsteller Robert Neumann als Drehbuchautor und den Dokumentarfilm-Pionier Paul Rotha als Regisseur verpflichtet; er hatte Dutzende in- und ausländischer Filmarchive durchstöbern und zwei Millionen Meter Dokumentarfilm-Material sichten lassen.

Der Premierentermin sollte die Bedeutsamkeit des Films hervorheben: Koppel bestimmte den 1. September, den Jahrestag des Kriegsausbruchs.

Doch das Ergebnis zweijährigen Mühens ist enttäuschend. Eindringlicher und aufschlußreicher waren der schwedische Dokumentarfilm »Mein Kampf« (SPIEGEL 32/1960) und die Fernsehserie »Das Dritte Reich« (SPIEGEL 45/1960).

Walter Koppel bietet vertraute und bislang in der Bundesrepublik ungezeigte Aufnahmen - Bilder von NSKundgebungen, von einem geifernden Führer, von ekstatischen Massen, brennenden Panzern, sterbenden Landsern und gemarterten Juden. Er zeigt einen schwadronierenden Ernst Röhm, eine badende Eva Braun, einen tapernden Hindenburg, einen stolzierenden Streicher, einen handküssenden Hitler und sogar den Reichskriegsopferführer Oberlindober.

Darauf bedacht, möglichst keine Person, keine Episode, keinen Kriegsschauplatz auszusparen, überschütten die Realfilmer den Kinogast mit Bildern doch ein verstandnisförderndes Bild der Hitler-Epoche, das Koppel verheißen hatte, präsentiert sich dem Zuschauer nicht. Die Frage, die der Film beantworten sollte - »Wie kam es dazu, wie konnte es geschehen?« -, bleibt offen, die NS-Gläubigkeit von Millionen Deutschen rätselhaft.

Aber auch das zentrale biographische Thema, das der Titel - »Das Leben von Adolf Hitler« - verspricht, ist bei der Herstellung des Films offenbar ad acta gelegt worden. In dem 102-Minuten-Lichtspiel erscheint Hitler genau 24 Minuten auf der Leinwand. Knapp zwei Film-Minuten berichten über Herkunft und Privatleben des Diktators.

Hitlerfilm-Produzent Koppel Zwei Minuten aus dem Privatleben

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