»Ägypten getäuscht« - DER SPIEGEL
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KULTURPOLITIK »Ägypten getäuscht«

Sahi Hawas, 59, Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung, über den neuen Streit um die 3000 Jahre alte Nofretete-Büste
• aus DER SPIEGEL 17/2007
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SPIEGEL: Herr Hawas, es gibt Zoff um die berühmte Büste der altägyptischen Pharaonengattin Nofretete, die im Jahr 1913 nach Berlin gelangte. Kulturstaatsminister Bernd Neumann und der Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin, Dietrich Wildung, haben Ihren Wunsch abgelehnt, die Büste nach Kairo auszuleihen. Geben Sie jetzt auf?

Hawas: Nein. Ich kann nicht glauben, dass ein verantwortungsbewusster Entscheidungsträger wie Minister Neumann solch unfreundliche und unverantwortliche Ansichten von sich gibt und damit die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Ägypten gefährdet - unter dem fadenscheinigen Vorwand, die Büste würde durch die Reise Schaden nehmen.

SPIEGEL: Ist die Sorge der Deutschen um die Unversehrtheit der Büste wirklich völlig unbegründet?

Hawas: Sie hat den Transport von Kairo nach Deutschland 1913 gut überstanden. Und heutzutage sind die Sicherheitsvorkehrungen für zerbrechliche Objekte viel ausgereifter. Ich glaube, es ist wesentlich gefährlicher, wenn Wildung die Büste eigenhändig in ein Auto trägt. So etwas dürften nur Restauratoren.

SPIEGEL: Wie soll es jetzt weitergehen?

Hawas: Wir sollten verhandeln. Ich entwerfe gerade einen Brief an Staatsminister Neumann, in dem ich offiziell darum bitte, die Nofretete-Büste für drei Monate auszuleihen - und zwar in fünf Jahren, zur Eröffnung des neuen Ägyptischen Museums an den Pyramiden.

SPIEGEL: Und wenn Berlin weiter stur bleibt?

Hawas: Falls Berlin mir diesen Wunsch verweigert, werde ich andere Saiten aufziehen. Dann werde ich nämlich die Altertümerverwalter anderer Länder - China, Türkei, Griechenland, Italien, Mexiko, Palästina, Syrien, Irak - einladen, mit Ägypten zusammen eine Wunschliste von Kulturgütern aufzustellen, die wir aus dem Ausland zurückfordern.

SPIEGEL: Machen Sie keinen Unterschied zwischen legal erworbenen und gestohlenen Kulturgütern?

Hawas: Deutschland hat die Nofretete-Büste nicht legal erworben. Ägypten wurde bei der Aufteilung des Fundes getäuscht. Die Büste wurde gezielt mit Lehm verschmiert, nach Deutschland verschifft und dort restauriert. Ägypten hat schon damals die Herausgabe der Büste verlangt. Selbst Adolf Hitler stand diesem Rückführungsgesuch anfangs nicht im Weg. Aber egal ob Nofretetes Berlin-Aufenthalt legal oder illegal ist, das ägyptische Volk hat das Recht, seine alte Königin im Original bewundern zu können.

SPIEGEL: Viele Deutsche befürchten, dass Sie die prominente Büste, sollte Sie einmal in Ägypten sein, nie wieder herausrücken.

Hawas: Diese Furcht kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wir respektieren all unsere Verträge und Abmachungen, schließlich leben wir nicht mehr im 12. Jahrhundert. Natürlich geht die Büste nach drei Monaten zurück nach Deutschland.

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