Ästhetik des Grauens - DER SPIEGEL
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Am Rande Ästhetik des Grauens

• aus DER SPIEGEL 36/2000
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Das wahre Danaer-Geschenk, das die untergegangene DDR zur (Wieder-)Vereinigung vor zehn Jahren mitbrachte, war die Auffrischung ethnologischer Klischees. Da war er plötzlich wieder, der hässliche Deutsche - ganz wie im Bilderbuch: vollgesabberte Trainingshosen, weiße Socken, Gummilatschen, links die Bierdose, rechts die Hand frei fürs Fernglas (oder den deutschen Gruß). Doch die Ästhetik des reinen Grauens macht vor keinen Grenzen halt. Dies lehrt, am Ende des Sommers 2000, ein völkerkundlicher Blick nach Südfrankreich. Jenes wunderbare Fleckchen Erde haben seit einiger Zeit die Niederländer während ihrer schier endlosen Ferien zum besetzten Territorium erklärt und es in einer Weise in Beschlag genommen, die an frühe, außereuropäische Kolonialzeiten erinnert. Wohnwagen für Wohnwagen, Kanu für Kanu, Kühlbox für Kühlbox wird die Provence zum platten Land gemacht, in dem die herrlich wildwachsenden Thymian- und Rosmarinsträucher unter Unmengen abgenagter Goudareste und Heineken-Bierdosen begraben werden. In den berühmten Schluchten der Ardèche (Pont d'Arc) etwa breiten sich die niederländischen Landnehmer aus wie sonst nur die heimische Rotterdamer Treibhaustomate: feuerrot, riesengroß und stets im praktischen Gruppengebinde auftretend. Der Extremismus der Masse gebiert Ungeheuer. Der hässliche Deutsche ist überall. Selbst wenn er ein Niederländer ist.

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