Affären
»In der Folge eines Konflikts« so formulierte er es für die Öffentlichkeit, kündigte der Luchterhand-Verlag in der letzten Woche dem angesehenen Cheflektor seines soziologischen Programms, Frank Benseler -- was gleich einen größeren Konflikt zur Folge hatte: Acht andere Luchterhand-Mitarbeiter kündigten ihrerseits aus Solidarität mit Benseler. dessen Kündigung (nach 14jähriger Firmenzugehörigkeit) nicht fristgerecht erfolgt sei. Kündigungs-Anlaß laut Geschäftsführer Otto F. Walter ("Aber das war nur die Krone auf dem Faß"): Benseler habe eine Anthologie »Soziologie und Marxismus in der DDR« zum Druck gegeben. obwohl für mehrere der darin aufgenommenen Beiträge aus der DDR kein Nachdruckrecht erteilt worden war; wenn der Verlag (der in seinem Belletristik-Programm auch auf DDR-Autoren wie Anna Seghers und Hermann Kant Wert legt) das Buch nicht ausliefern könne, sei ihm ein Schaden von etwa 50000 Mark entstanden. Benseler. als Wortführer der linken »Literaturproduzenten« bekannt, aber (wohl auch im Hause Luchterhand) nicht durchweg beliebt, sieht sich eher als politisches Opfer: »Es geht im Grunde um ganz weitgehende politische Differenzen.« Walter: »Das Ganze spielt im Grunde auf einer banalen Ebene, aber es wird natürlich von linksaußen her politisch interpretiert werden.«