Affären - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 73 / 92

Affären

• aus DER SPIEGEL 6/1972
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Hamburger Kunsthändler Hans Hoeppner hat zahlreiche Kunden irregeführt, als er ihnen die Graphiken der Mappe »Fun City« von Richard Lindner als Original-Lithographien verkaufte. Denn tatsächlich wurden die Blätter von Druckstöcken abgezogen. die von Kopisten und photomechanisch im »Lichtdruck« nach Gouachen des Künstlers hergestellt worden waren. Lindner hatte sich auf Korrekturen und die Signatur beschränkt. Händler Hoeppner verlangte und erhielt pro Mappe 30 000 Mark; für die letzten vierzig Exemplare der limitierten Auflage wollte er »auf ausdrückliche Anweisung des Malers« sogar 40 000 Mark kassieren. Zwar hatte Hoeppner dem SPIEGEL schon zugegeben, was er seinen Kunden verheimlicht hatte: daß »die Untergrundfarben einiger Motive im Lichtdruck gearbeitet« worden waren. Aber nach der Veröffentlichung (SPIEGEL 43/1971) wollte er -- um den »irren Erfolg« des Geschäfts bangend -- nichts mehr davon wissen. Seinen Kunden versicherte er daher erneut, daß es sich bei den vierzehn Lindner-Blättern um Lithos »ohne fotomechanische Vorgänge« handle. Hoeppners Dementi kam freilich schon zu spät. Zahlreiche Käufer hatten bereits »betroffen«, »bestürzt« oder »verstört« reagiert. Eine Kundin indes behielt klaren Kopf und nahm sich einen Rechtsbei. stand: die Hamburger Kunsthalle. Graphik-Kustos Eckhard Schaar. dem der Händler ausdrücklich den Kauf von Originalen bestätigt hatte, fand jetzt den Preis »für solche Reproduktionen viel zu hoch« und forderte »das zuviel gezahlte Geld« zurück. Ein Brief des »Fun City«-Druckers Wolfensberger bestätigte endgültig, daß »Hilfsplatten im Lichtdruck« verwendet worden waren. Der überführte Hoeppner, vor die Wahl gestellt, entweder die Mappe gegen Erlegung des vollen Kaufpreises zurückzunehmen oder dem Museum einen ansehnlichen Betrag rückzuerstatten, entschied sich für die zweite, immer noch lukrative Möglichkeit: Mitte letzter Woche überwies er der Hamburger Kunsthalle 16 000 Mark. Reeller Kaufpreis der vierzehn Luststadt-Lithos demnach: 14 000 Mark.

Zur Ausgabe
Artikel 73 / 92