Alain Delon, 88 - Nachruf - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 126 / 126

Gestorben Alain Delon, 88

• aus SPIEGEL Chronik 1/2024
Foto:

Mary Evans / IMAGO

Vielleicht war er der schönste aller männlichen Filmstars. Gerade am Anfang seiner Karriere umschmeichelten ihn die Regisseure mit der Kamera, so etwa in dem Boxerdrama »Rocco und seine Brüder« oder dem Thriller »Nur die Sonne war Zeuge« (beide 1960). Sie schienen betört von seinen aufreizend arroganten Blicken und seinen geschmeidigen Bewegungen. Doch hinter dem blendenden Aussehen verbargen sich nicht selten miese Charaktere – wie der Profikiller, den Delon in Jean-Pierre Melvilles Meisterwerk »Der eiskalte Engel« (1967) verkörperte. Spielte Delon mal einen Polizisten wie in »Der Chef« (1972), dann mit solcher Härte, dass man sich als Zuschauer lieber auf die Seite der Verbrecher schlug. Während Jean-Paul Belmondo, mit dem Delon zeitweise um die Gunst des Kinopublikums wetteiferte, den Charmebolzen gab, wirkte der Frauenheld Delon oft unnahbar und lächelte ziemlich selten. Seiner Popularität tat dies keinen Abbruch, bis in die Achtzigerjahre waren seine Filme große Kassenerfolge. Später machte er eher durch politische Äußerungen von sich reden, als er seine Sympathien für die französische Rechte und seine Abneigung gegenüber Homosexuellen kundtat. Alain Delon starb im französischen Douchy-Montcorbon.

Mehr zum Thema
lob
Zur Ausgabe
Artikel 126 / 126

Mehr lesen über