Alles ist Hirn - DER SPIEGEL
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AUTOREN Alles ist Hirn

• aus DER SPIEGEL 17/2000
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Einer der Gedichtbände, für die Durs Grünbein 1995 den renommierten Büchnerpreis erhielt, trägt den Titel »Schädelbasislektion« (1991) - das Gehirn und seine Arbeit haben den Lyriker von jeher fasziniert. Grünbein, 37, heute in Berlin ansässig, stammt aus Dresden, das Elternhaus weckte sein für deutsche Dichter, trotz Goethe, ungewöhnliches Interesse an den Naturwissenschaften. Kein Wunder, dass er die Entwicklung des Deutschen Hygiene-Museums Dresden nach der Wende mit Faszination verfolgte: Das Institut - das er selbst zu DDR-Zeiten noch als Hort der »Volksaufklärung über Hygienefragen« erlebte - hat sich in knapp zehn Jahren zu einer Bühne für »auffällige« (Grünbein) Ausstellungen gemausert. Nun hat der Dichter mittun dürfen: Das Konzept der soeben eröffneten Schau »Kosmos im Kopf« (bis 25. Oktober) hat Grünbein zusammen mit der Projektleiterin Susanne Hahn und dem Künstler Via Lewandowsky entwickelt: »Lewandowsky hat die 17 thematischen Räume der Ausstellung als künstlerische Installation entworfen, ich habe Texte dazu geliefert - einer ist eingeritzt in einer Schulbank im Raum ,Klassenzimmer', wo es um den Aspekt des Lernens geht.« Andere Räume heißen »Sektionssaal« (Anatomie), »Uhrenladen« (zur Frage: »Wie tickt das Gehirn?") oder »Ballettstudio« (Raumgefühl). Rund 730 Objekte zur Gehirnforschung sind zu sehen, dokumentiert in einem umfangreichen Katalog ("Gehirn und Denken«; Hatje Cantz-Verlag; 38 Mark). »Jeder spricht übers Internet«, so Grünbein, »ich würde gern mehr über das Gehirn sprechen. Alles ist nur im Hirn: Es ist für jeden von uns der eigentliche Schauplatz, fundamental wie Raum und Zeit.«

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