FILM »Alles oder Nichts«
Nicht einmal als (meist unfreiwillig) komisches Beispiel für kulturelle Spätzündung vermag diese -- hierzulande freundlich vorausgelobte
DDR-Love-Story zu amüsieren. Allzu sehr findet man sich in der Rolle des Zaungastes, der den angestrengt munteren Lockerungsübungen einiger Filmleute von »drüben« mit halbherzigem Wohlwollen zusieht.
Denn was in der DDR mit bloßen Busen, frechen Dialogen, Ehebruch und viel heftigem Geknutsche als Befreiungsstreich Eindruck gemacht hat, wirkt hier im Kino als vorgestrig-freisinniges Kuriosum, das, wäre es eine westdeutsche Produktion, nur müdes Lächeln hervorriefe.
Erzählt wird eine melancholisch-turbulente Romanze aus dem alten bürgerlichen Kolportage-Fundus, selbstverständlich mit etwas Ironie durchsetzt, aber die Botschaft bleibt heil: Liebe kennt keine Grenzen. Damit das funktioniert und glaubhaft wirkt, ist die Geschichte im kleinsten alltäglichen Bereich angesiedelt.
Paula, Verkäuferin, zwei uneheliche Kinder. trifft nach einer Affäre mit einem flötenspielenden Hippie und nach einer Zeit der Einsamkeit auf den ehemüden Staatsbeamten Paul. Besorgt um seine Karriere, läßt er sich zunächst nur abwehrend mit der stürmischen. »Alles oder Nichts« fordernden Paula ein.
Doch als diese sich dann nach dem Unfalltod eines ihrer Kinder in ihre Wohnung einschließt, zeigt Paul, was Liebe vermag. Er kampiert im Treppenhaus, schwänzt die Arbeit und bricht schließlich mit der Axt die Tür ein. Das Melodram ist in Fahrt gekommen und endet entsprechend: Obwohl Paula weiß, daß eine weitere Schwangerschaft für sie lebensgefährlich sein kann, will sie von Paul ein Kind -- und stirbt nach dessen Geburt.