Alte Freunde - DER SPIEGEL
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AUTOREN Alte Freunde

• aus DER SPIEGEL 36/2004
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Längst schon war es legendär: das Zerwürfnis zwischen den Literaturkritikern Marcel Reich-Ranicki, 84, und Walter Jens, 81. Seit 1959 kannten sie sich, vor allem durch die Teilnahme an den Tagungen der Schriftsteller-»Gruppe 47«. Die Freundschaft, die zuletzt in Martin Walsers Roman »Tod eines Kritikers« (2002) satirisch gespiegelt wurde, war 1994 nicht, wie Reich-Ranicki-Biograf Uwe Wittstock vergangenen Freitag in der »Welt« meldete, am Streit über »einige DDR-Schriftsteller« zerbrochen, sondern am Streit über Reich-Ranickis Vergangenheit: Jens-Sohn Tilman hatte im WDR-Fernsehen Reich-Ranickis Wirken als polnischer Geheimdienst-Offizier (Deckname: »Albin") in den Jahren 1947 bis 1949 öffentlich gemacht. Vergebens hatte Reich-Ranicki damals Freund Jens gedrängt, sich von seinem Sohn zu distanzieren. Am vorvergangenen Montag nun haben sich die beiden in Reich-Ranickis Frankfurter Wohnung versöhnt - nachdem Reich-Ranicki Jens angeboten hatte, den gesundheitlich angeschlagenen Freund in Tübingen zu besuchen. Zu den Differenzen von ehedem sagt Reich-Ranicki heute: »Das ist vorbei.« Als Friedenszeichen veröffentlichte er in der jüngsten »Frankfurter Anthologie« der »FAZ« Jens' Interpretation des Fontane-Gedichts »Summa Summarum«. Dessen letzter Vers lautet: »Alles in allem - es war nicht viel«.

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