Kino in Kürze »Artemisia«
Die Malerin Artemisia Gentileschi (1593 bis etwa 1652), lange vergessen, wurde in den siebziger Jahren zur Heldin der Frauenbewegung: eine begabte Italienerin, die sich im Barock eine Karriere an der Leinwand erkämpfte, obwohl Frauen sogar das Zeichnen eines männlichen Akts verwehrt war. Dieser emanzipatorisch-idealisierten Lesart von Gentileschis Geschichte folgt weitgehend Agnès Merlets schwelgerischer Spielfilm, angelegt als Porträt der stürmischen jungen Malerin (Valentina Cervi). Um eine filmtaugliche Geschichte aus Artemisias Biographie herauszumeißeln, erfindet Merlet allerdings eine tragische Liebesaffäre, die aus dem unbeschwerten Mädchen eine reife Malerin macht: ein Effekt, der Tiefe vortäuscht, wo dramaturgische Flachheit herrscht, und überdies eine gewagte Verdrehung der Tatsachen. Historisch bezeugt ist keine Liebe, sondern eine Reihe von Vergewaltigungen.