KULTURPOLITIK Artenschutz für Künstler?
SPIEGEL: Frau Griefahn, bisher waren Sie vor allem als Umweltpolitikerin bekannt. Was qualifiziert Sie für Ihren neuen Posten als Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundestags?
Griefahn: Umwelt- und Kulturpolitik haben sehr viel gemeinsam. In beiden Bereichen geht es um die Erhaltung der Vielfalt. Im Prinzip verfolgen wir mit einem Dialog der Kulturen, wie er nächstes Jahr Uno-Motto sein wird, ähnliche Ziele wie mit einer Artenschutzkonferenz.
SPIEGEL: Sie möchten den Artenschutz für Künstler einführen?
Griefahn: Nicht nur für Künstler, sondern überhaupt für kulturelle Identitäten der verschiedensten Art. Wer keine Rücksicht nimmt auf die Kultur der Indianer, wird auch die Amazonas-Wälder nicht retten.
SPIEGEL: Mit welchen Themen wollen Sie sich als Kulturpolitikerin profilieren?
Griefahn: Ich denke bei Kultur nicht nur an Sparten wie Theater, Oper oder Museen. Mir ist wichtig, welches Bild Deutschland in der Welt abgibt. Wie können wir weltoffen sein und zugleich unsere Identität bewahren?
SPIEGEL: Haben Sie konkrete Projekte?
Griefahn: Auf dem Programm des Ausschusses stehen die Novellierung der Künstlersozialkasse, die zivilrechtliche Novellierung des Stiftungsrechts, die Neuen Medien und ihre kulturellen Folgen.
SPIEGEL: Das klingt mehr nach Paragrafenlese im Rechtsausschuss als nach einem Kulturkonzept.
Griefahn: Der Kulturausschuss lebt davon, dass er sich einmischt und eine Lobby für Kultur schafft. Deshalb müssen wir auch in diesen juristischen Debatten, deren Federführung in anderen Ausschüssen liegt, mitreden. Aber ich muss natürlich auch Debatten organisieren, etwa über die Zukunft des Berliner Schlossplatzes.