Auf der Flucht - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 73 / 113

LITERATUR Auf der Flucht

• aus DER SPIEGEL 26/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Harry ist ein Mann ohne Leidenschaften - alles, woran sein Herz einst hing, hat er verloren. Stumpf lebt er vor sich hin, bis die schöne Sonja sein Taxi besteigt und sich nach Luxemburg kutschieren lässt. Bald hat Harry ernsthafte Probleme am Hals: Er hat vier Millionen Dollar und ein Mädchen im Wagen, beides will die russische Mafia zurück. Und Harrys Tod wollen sie obendrein. So rasant beginnt der Münchner Schriftsteller Günter Ohnemus, 56, seinen Roman »Reise in die Angst«, ein Buch wie ein abenteuerliches Roadmovie, ein spannender Thriller und gleichzeitig eine bewegende Liebesgeschichte. Während Harry und Sonja durch Europa und Amerika gehetzt werden, entwickelt Harry in wehmütigen Erinnerungsrückblenden das Drama seiner Vergangenheit: Er erzählt, was vor mehr als 20 Jahren mit seiner Frau Ellen und seiner Tochter Jessie passierte, warum er seine Arbeit als Schriftsteller aufgab, wie er seine sexuellen und sozialen Kontakte auf Puffbesuche beschränkte. Der preisgekrönte Autor Ohnemus erlaubt sich amüsante Schlenker, etwa Betrachtungen über die russische Seele und ostdeutsche Skins, und verhindert so jegliche Gefühlsduselei. Sein elegant geschriebener Roman ist auch eine poetisch-zärtliche Hymne auf einen romantischen Melancholiker.

Günter Ohnemus: »Reise in die Angst«. Droemer Verlag, München;304 Seiten; 18,90 Euro.

Zur Ausgabe
Artikel 73 / 113