Aus dem Nähkästchen
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DER SPIEGEL 49/1991
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
»Das Kleid für die deutsche Frau muß fest genäht sein«, befand die Zeitung für Modekunst 1930. Denn die deutsche Frau neige, anders als die Französin, nicht zur Kühnheit. Keine Chance also für den »munteren Kobold Schick«, den ein anderer Autor zum Angriff gegen die »heuchlerische Prüderie« rief. Wie vielfältig die Schnitt- und Lebensmuster aus dem Modejournal sein konnten, das dokumentiert nun, zusammengestellt von der Literaturwissenschaftlerin Michaela Röhrs, ein Bändchen aus dem Berliner Transit-Verlag: »Musterleben«. Die Sammlung von Modezeichnungen und -schriften glänzt auch mit Zierat aus dem Nähkästchen der Philosophie: »Die Weiber haben wenigstens Toiletten«, sagt Karl Kraus, »aber womit decken die Männer ihre Leere?«