Kunst Austausch der Sitzkultur
Sonntags nie? Von wegen. In Kamerun, so hat der Frankfurter Künstler Tobias Rehberger erfahren, sind die Leute rund um die Woche fleißig, behaupten aber redensartlich, der Sonntag sei frei - im Dialekt der Hauptstadt Jaunde: »Peue See e Faagck Sunday Paae«. Mit einer Studio-Ausstellung dieses Titels beim Kölnischen Kunstverein (bis 21. April) umspielt Rehberger, 29, nun auf hintersinnige Kolonialherrenart das Thema des Kulturaustauschs. Gezeigt werden sechs Sitzgelegenheiten von edlem Entwurf, aber oft unbeholfener Ausführung; afrikanische Handwerker haben sie im Auftrag des deutschen Künstlers nach westlichen Design-Vorbildern angefertigt. Als Gast des Goethe-Instituts Jaunde hatte Rehberger im vorigen Winter bei örtlichen Tischlern und Klempnern vorgesprochen und ihnen aus dem Gedächtnis Stuhl-Klassiker von Gerrit Rietveld bis Donald Judd aufgezeichnet. Emsig erschufen sie die Pionierwerke mit eigenem Material und Werkzeug nach, einen Marcel-Breuer-Stuhl zum Beispiel aus Abflußrohr und Ziegenleder. Kultureller Export und Re-Import als stille Post der Formen: Weil schon Rehberger die Möbel nur ungenau im Kopf hatte, kann er selbst kaum noch unterscheiden, wer bei der visuellen Übersetzung »welchen Fehler gemacht hat«.