PSYCHOLOGIE Balzverhalten im Feldversuch
Stuttgarter Singles sollten derzeit auf der Hut sein: Sie könnten unter Beobachtung stehen. Unter Anleitung des Sozialpädagogen Jörg Stimpfig, 46, untersuchen Universitätsstudenten in Kneipen und Biergärten Stuttgarts das Flirtverhalten geschlechtsreifer Anwohner. Vor kurzem wurden erste Ergebnisse der Feldforschung veröffentlicht. Demnach ist das Flirten nach wie vor eine eher nonverbale Angelegenheit, die, so Stimpfig, »am besten auf eine gewisse Distanz« funktioniert. Auch an der Wahl des Flirt-Objekts hat sich wenig geändert: Männer orientieren sich nach wie vor an Schönheit, Frauen an Status. Neu ist dafür die erschreckende Erkenntnis der Seminarteilnehmer, dass die Techniken der Flirtkunst dramatisch verarmen. Anscheinend wissen beide Geschlechter nicht mehr, was der andere sich wünscht oder was man selbst vom anderen erwartet. »Die handlungsweisende Rollenverteilung der Geschlechter«, so Stimpfig, »ist aufgeweicht, Männer und Frauen sind verunsichert.« Nicht gesehen wurde in Stuttgart bislang: Auf-die-Knie-Sinken, Minnesang, Briefchen-Zustellen oder Rosen-an-Unbekannte-Verschenken.