Oscar Bart ab
Der Star selbst verweigerte sich und schickte eine Vertretung, die Apachin Shasheen Little Feather. Die »Kleine Feder« verlas einen Protestbrief, mit dem Marlon Brando die Annahme des »Oscars« für seine Darstellung des Paten in Francis Ford Coppolas gleichnamigem Film ablehnte.
Im Namen seiner roten Brüder klagte Brando die Amerikaner des Völkermords an: »Als die Indianer sich ergaben, haben wir sie umgebracht. Wir haben sie belogen, sie um ihr Land betrogen.« Brandos harsche Worte wurden alles andere als begeistert aufgenommen.
18 Jahre später hat sich alles wunderbar verwandelt. Mit dem Film »Der mit dem Wolf tanzt« wurde bei der diesjährigen Oscar-Verleihung zum erstenmal seit 1931 wieder ein Western zum besten Film des Jahres gekürt. Das Regiedebüt des 36jährigen Schauspielers Kevin Costner erhielt insgesamt sieben Oscars, wurde nicht nur als bester Film, sondern auch für die Regie, für Drehbuch und Kamera ausgezeichnet.
Dieser Erfolg ist auch mit der ewiggültigen Analyse nicht restlos zu erklären, mit der sich der Ex-Cowboy-Darsteller Ronald Reagan in die Verleihzeremonie im Shrine Auditorium in Los Angeles einblendete: daß im Western wenigstens Gut und Böse noch fein säuberlich getrennt seien. Vielmehr hat sich seit 1973, als Brando seinen Oscar ablehnte, das Verhältnis der weißen Amerikaner zu ihren roten Landsleuten erheblich verändert. Die Öko-Bewegung erkannte im indianischen Leben das einzig wahre, weil die »eingeborenen Amerikaner« (wie sie in der Bürokratensprache genannt werden) keinen Raubbau an der Natur betrieben und im verherrlichenden Rückblick fast wie Landschaftsgärtner über die großen Weiten zogen.
Kevin Costners Film zeigt mit Costner als Hauptdarsteller einen amerikanischen Offizier, der genug hat vom Bürgerkrieg und die einsame Bewährung im Wilden Westen sucht. Allein hält er einen weit in die Prärie vorgeschobenen Posten, freundet sich mit einem friedliebenden Indianerstamm der Sioux an und heiratet eine Frau, die, reiner Zufall, eine verschleppte Weiße ist. Als der längst zum Indianer geläuterte Offizier weißen Soldaten in die Hände fällt, befreien ihn seine neuen Brüder; die besseren Menschen veranstalten ein wahres Massaker unter den Soldaten.
Im Alleingang möchte Kevin Costner die Verbrechen der weißen Eroberer wiedergutmachen, und für diese in drei Stunden erledigte Entlastung fand sich der wagemutige Star ("Die Unbestechlichen") reichlich ausgezeichnet. Hier hatte es nicht nur ein einzelner geschafft, seinem »Jungen-Enthusiasmus« zu folgen und die Indianer als lauter friedliche Winnetous vorzuführen, hier erfüllt sich auch der amerikanische _(* Mary McDonnell, Kevin Costner. ) Traum vom neuen Mann. Schritt für Schritt wird im Film der Weiße zum Roten: Er rasiert sich den Bart ab, legt Schminke auf (Kriegsbemalung), bekommt neue handgefertigte Anziehsachen. Zum Abschluß seiner Initiation darf er an einer Büffeljagd teilnehmen und in sich den Wilden entdecken, der allerdings nur für seinen Lebensunterhalt jagt.
Mit viel Indianerweisheit angereichert, kehrt er am Ende des Films den gastfreundlichen Rothäuten den Rücken. Im Abspann heißt es zwar, die Indianer seien bis zur Jahrhundertwende fast vollständig ausgerottet worden, aber ein sensibler Weißer, eben Costner, ist in der Lage, den Erfahrungsschatz der Indianer aus seinem verlängerten Selbsterfahrungswochenende mitzunehmen und in die materialistische Welt der Weißen zu tragen.
Was für ein guter Mensch Kevin Costner selbst ist, wird sein nächster Film zeigen: Derzeit steht er als edler Robin Hood im Wald von Sherwood Forest.
* Mary McDonnell, Kevin Costner.