meinung •Nach der Wahl Bayern matters!
Der Himmel über Bayern tickt anders (Symbolbild)
Foto: Westend61 / Getty ImagesIch weiß nicht, ob Sie’s wussten – aber ich komme aus Bayern. Wenn mich ab und zu Menschen als Reaktion auf diese Kolumne anonym oder unverfroren persönlich auffordern, ich solle doch dahin zurückgehen, wo ich hergekommen bin, dann kann ich nur antworten: Aber do bin i doch scho! Dahoam! Denn gebürtig bin ich ein Münchner Kindl. Etymologisch kommt mein Name Samira tatsächlich vom berühmten »Mia san mia«, nämlich von der altbayerischen weiblichen Form »Mia sa mira«.
In meiner Funktion als selbst berufene Botschafterin mache ich bei jeder Gelegenheit Werbung für mein wunderschönes Land und seine einzigartige Kultur, denn selbstverständlich trage auch ich zu festlichen Anlässen ein Trachtenkleid und Blumen im Haar, singe und schunkle ausgelassen in Zelten und trinke sogar Bier, wenn es sein muss. Als Corona begann, bunkerte ich nicht Klopapier und Nudeln, sondern vor allem Obatzter und Brezeln. In meiner Abiturprüfung (ja, es war die schwierigste des Landes!) habe ich aus steuerrechtlicher Perspektive den Satz des Pythagoras widerlegt. Und wie jede gute Bayerin, die etwas auf sich hält, sehe auch ich die Beziehungen des FC Bayern zu unseren Freunden in Katar rein sportlich.
Leider werde ich nicht immer als Urmünchnerin erkannt, sondern regelmäßig nach meiner »eigentlichen« Herkunft gefragt. Aufgrund dieser Verkennung meiner bajuwarischen Wurzeln weiß ich, wie es sich anfühlt, von einer deutschen Mehrheitsgesellschaft nicht richtig wahrgenommen oder gar abgewertet zu werden. Was sich nun allerdings im Zuge der Bildung der neuen Regierung da in Berlin ereignet hat, zog mir wirklich mit einem herben Schlag die Haferlschuhe aus und ließ mein Lebkuchenherz heftig pulsieren. Denn ja: Als Oberbayerin fühle ich mich vom jüngsten politischen Foul der preußischen Politik, von dieser unfair parteiischen wie offensiven Kabinettsaufstellung von Kanzler Scholz und Konsorten diskriminiert.
Unser christlich-sozial interessierter Generalsekretär Markus Blume brachte es in seiner unverwechselbaren heimatliebenden Art auf den Punkt: 16 Prozent der Deutschen sind Bayern, aber bayerische Minister: Fehlanzeige! @BayernSPD, @fdpbay und @Gruene_Bayern haben in Berlin nichts zu melden. #Bayern sitzt im Kabinett #Scholz nur auf der Ersatzbank. Die CSU ist und bleibt die einzige starke bayerische Stimme auf Bundesebene!
16 % der Deutschen sind Bayern, aber bayerische Minister: Fehlanzeige! @BayernSPD, @fdpbay und @Gruene_Bayern haben in Berlin nichts zu melden. #Bayern sitzt im Kabinett #Scholz nur auf der Ersatzbank. Die CSU ist und bleibt die einzige starke bayerische Stimme auf Bundesebene!
— Markus Blume (@MarkusBlume) December 6, 2021
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»Mia san di 16 Prozent!« – und somit sicherlich mehr als die Wähler dieser 16 Bundesminister. Auch wenn es die Frauen und Herren nicht wahrhaben wollen: Bayern ist und bleibt auch in der Opposition eine Mehrheit in allen Bundesländern, selbst in den nicht-bayerischen. Oder in julianreichelnd: Bayern ist Deutschland, und Deutschland tickt bayerisch. Da ist es mehr als ein Fauxpas, wenn man uns nicht nur aus den wichtigen Ämtern drängen, sondern augenscheinlich wie eine Minderheit behandeln und bestenfalls die Stimmen aller Bayern in- und außerhalb Bayerns mundtot machen möchte.
Rechts vor links ist hier eine Lebenseinstellung
Völlig zu Recht verurteilte auch der Landesvorsitzende der Jungen Union Christian Doleschal diese antibayerischen Umtriebe scharf und bezeichnete die verfahrene Hampelei als das, was sie ist: eine Anti-Bayern-Koalition!
»Kein einziger Bundesminister kommt aus Bayern. 13 Millionen Bürgerinnen und Bürger aus dem Freistaat haben damit keinen direkten Ansprechpartner in der Bundesregierung! Das ist ein Armutszeugnis der neuen Bundesregierung und zeigt, was sie von Bayern hält: nämlich gar nichts!«
Kein einziger Bundesminister kommt aus Bayern. 13 Millionen Bürgerinnen und Bürger aus dem Freistaat haben damit keinen direkten Ansprechpartner in der Bundesregierung! Das ist ein Armutszeugnis der neuen Bundesregierung und zeigt, was sie von Bayern hält: nämlich gar nichts! pic.twitter.com/OYL1nb9PN0
— Junge Union Bayern (@jubayern) December 6, 2021
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(Die Augsburgerin Claudia Roth zählt da schon mal gar nicht, viel zu viel Berlin im Habitus, außerdem steht im Tweet ja eben auch »Bundesminister«.)
Auch mir scheint, dass für einen Großteil der Bürger die direkte Verbindung zu Deutschland verloren geht – wenn sie nicht bereits unwiederbringlich zerstört wurde. Dabei hätte doch selbst jeder noch so ideologisch verblendete Sozi erkennen müssen, dass das Licht einer Ampel nur vor einem hell leuchtenden weiß-blauen Himmel erstrahlen kann. Jeder noch so grüne Liberale müsste einsehen: You can’t write Freiheit without Freistaat. In Berlin hat man nun eine Ampel – in Bayern fußt die gesamte Verfassung, ja das ganze Mindset der Bevölkerung auf der Straßenverkehrsordnung. Rechts vor links ist hier nicht nur Programm, sondern eine Lebenseinstellung. The sky is the Tempolimit!
Ob Karl-Theodor zu Guttenberg, Andreas Scheuer, Christian Schmidt, Horst Seehofer – um nur wenige Galionsfiguren zu nennen: Vor allem bayerische Minister haben in den vergangenen Legislaturperioden gezeigt, dass es sich nicht ausschließen muss, zum einen innovative Politik für ein bayerisches Deutschland zu betreiben und dabei zum anderen auch die Belange von Minderheiten im Auge zu behalten – auch wenn es manchmal nur um sehr wenige Einzelinteressen geht.
Flexibler als jede Genderitis
Ob Bildung, Gaming, Maut, Breitband, Raumfahrt, Flugtaxi oder die »letzte Meile«: die Projekte bayerischer Minister haben stets eine besondere Strahlkraft entfaltet – weit über das Maximilianeum hinaus! Mit einem Kabinett ohne bayerische Beteiligung ist nicht nur der gesamte Existenzstandort Deutschland in Gefahr, sondern auch die Vision einer Politik, die auch morgen noch zielstrebig in die Zukunft schaut.
Christian Doleschal, Landesvorsitzender der Jungen Union: »Armutszeugnis der neuen Bundesregierung«
Foto: Matthias Balk / picture alliance/dpaBayern ist das einzige Bundesland, in dem Nachnamen und Vornamen ganz offiziell Plätze tauschen dürfen: Söder Markus, Dobrindt Alexander, Aigner Ilse – die bayerische Sprache ist viel flexibler als jede Genderitis. Auch das Tanzverbot, das nun sogar in Berliner Klubs zur Coronabekämpfung eingesetzt werden soll, ist eine der vielen eigenwilligen hiesigen Ideen. Ohne die traditionellen Ladenschlusszeiten (bis 20 Uhr und keine Sekunde weiter!) wäre zu Beginn der Pandemie eine Versorgung aller Einwohner nicht kontrollierbar gewesen, hätte sich ein Leerkaufen der Regale vermutlich nicht verhindern lassen. Auch hier war Bayern vielen Bundesländern weit voraus. Jeder Sonntag und Feiertag hier: ein christlich abgesegneter Lockdown.
Wunsch nach der Bayernquote
Und dass unser lieber Herrgott die bayerische Politik so viel besser findet als die neuesten Sperenzchen aus der nördlichen Hauptstadt, erkennt man ja schon allein daran, dass in bayerischen Amtsstuben viel mehr Kreuze hängen.
Dementsprechend halte ich die identitätspolitischen Forderungen der CSU für genau den richtigen Schritt, und genau das progressive Moment, das schon immer in dieser Partei schlummerte, irgendwie aber unbemerkt blieb. Natürlich könnte die CSU ihren Wunsch nach einer Bayernquote und die Bewerbung von Toni Hofreiter auch etwas verständlicher formulieren, aber dass wir im Rest der Republik schwer verstanden werden, zeichnet uns schließlich ja auch aus.
Der Seehofer Horst war der Erste, der Deutschland mit der Gründung eines Heimatministeriums beschenkte – nun liegt es eben an dieser deutschen Heimat, Bayern auch mal etwas zurückzugeben. Das neue Kabinett entspricht mit seiner paritätischen Besetzung dem Berliner Zeitgeist, und auch die Benennung eines Ministers mit schwäbischen Wurzeln ist ein schönes Zeichen für mehr Vielfalt – daher wäre es neben all dem Kampf gegen Sexismus, Rassismus oder Rechtsextremismus nun auch an der Zeit, einem der weniger wahrgenommenen gesellschaftlichen Probleme entschieden entgegenzutreten: dem Anti-Bavarismus.