wünscht Fräulein, in den 30er J., kath., v. tadelloser Vergangenheit, angen. Aeuß., mit etw. Erspartem, bess. dienend. Standes, Herrn in guten Verhältnissen kennenzulernen« - so oder so ähnlich lauteten die Heiratsanzeigen in der Kaiserzeit. Wie sich deutsche Frauen und deutsche Männer sonst noch freiten und entzweiten, wie sie Familien gründeten und ihre Kinder erzogen, dokumentiert eine Ausstellung im Münchner Stadtmuseum - gleichsam eine kollektive Familienchronik, in der die Entwicklung des familiären Zusammenlebens von der Idylle des Biedermeier bis zur Beziehungskiste der Neuzeit beschrieben wird. 1600 Objekte - Bilder, Kleidungsstücke, Möbel, häusliche und medizinische Gerätschaften, Bücher und Spielsachen - sind zu lebenden Bildern und Environments gefügt, an denen sich die Veränderung von Rollen und Institutionen ablesen läßt. Im Mittelpunkt der bis Ende Februar 1988 laufenden Ausstellung (Titel: »Vater, Mutter Kind - Bilder und Zeugnisse aus zwei Jahrhunderten") steht das Kind, dessen Überleben quer durch die Zeit nicht nur durch Krankheit gefährdet war. »Himmeln« oder »Engeln« hießen etwa auf dem Land jene Maßnahmen, die einen hungrigen Kindermund für immer verschlossen. »Illegal«, also außerhalb der Ehe Geborene, endeten oft in Waisenhäusern, deren »Kostordnungen« in dem (exzellenten) Katalog zur Ausstellung wiedergegeben sind: _(Münchner Stadtmuseum (Hrsg.): ) _("Vater, Mutter, Kind- Bilder und ) _(Zeugnisse aus zwei Jahrhunderten«; 440 ) _(Seiten; 42 Mark. )
»Sonn- und Feiertage gesottene Erdäpfel und 1 Quart Bier für den Kopf, an den übrigen Tagen aufgeschmalzene Brodsuppe«.
Münchner Stadtmuseum (Hrsg.): »Vater, Mutter, Kind- Bilder undZeugnisse aus zwei Jahrhunderten«; 440 Seiten; 42 Mark.