Gestorben Bert Papenfuß, 67
Jens Rötzsch / OSTKREUZ
Er sehe sich nicht als Experimentator an der Sprache, sagte der Lyriker 1988 in einem Interview, »das ist mein Leben, mit dem ich experimentiere«. In jenem Jahr erschien unter dem Motto »außer der Reihe« im DDR-Verlag Aufbau sein Gedichtband »dreizehntanz«, im folgenden Jahr kam er bei Luchterhand auch im Westen heraus. Bert Papenfuß-Gorek (der Namenszusatz ging später verloren) galt da als wichtiger Vertreter der »Prenzlauer-Berg-Connection«, die versuchte, in ihrer Kunst für die staatlichen Institutionen unkontrollierbar zu sein. Der 1956 im mecklenburgischen Stavenhagen geborene Papenfuß hatte da schon mit seinem Vater, einem NVA-Offizier, gebrochen und schrieb seine »Arkdichtung« in spezieller Orthografie, ohne Großbuchstaben, mit »f« statt »v« und anderen Eigensinnigkeiten. Für manche gehörte er damit »zu den Spaßvögeln«, andere fanden ihn rebellisch. Nachdem ihm der DDR-Schriftstellerverband 1980 die Aufnahme verweigert hatte, trug Papenfuß seine Gedichte in der Ost-Berliner Szene zur Musik von Punkbands vor. Den Geist des alten Prenzlauer Bergs bewahrte er sich in der neuen Zeit: Auch kapitalistischen Umständen begegnete er in seiner Dichtung mit Wut und Witz. Der Schriftsteller Volker Braun würdigte ihn als »unerhörten Wortverstörer und Sinnentsteller«. Papenfuß gab Literaturzeitschriften wie »Sklaven« und »Gegner« heraus. Und er betrieb Gaststätten wie das Kaffee Burger oder die Kulturspelunke Rumbalotte continua, die sich dem Gentrifizierungsdruck entgegenzustellen versuchten: »Wenn viel Bier gezapft wird, ist das Publikum aus dem Osten, Westler trinken eher Cocktails«, erkannte der »schreibende Trinker und trinkende Dichter« (so der SPIEGEL 1998) feine Unterschiede. Bert Papenfuß starb am 26. August in Berlin.