Gestorben Beverly Willis, 95
Library of Congress
Die amerikanische Designerin und Architektin nahm die Dinge gern selbst in die Hand. Das hatte sie früh gelernt, denn einen Teil ihrer Kindheit musste Beverly Willis in einem Waisenhaus verbringen, weil ihre alleinstehende Mutter nicht für sie und ihren jüngeren Bruder aufkommen konnte. Die Tochter einer Krankenschwester und eines Ölunternehmers, der pleiteging und früh aus ihrem Leben verschwand, arbeitete als Teenager in den Vierzigerjahren in einer Schweißerei, lernte, eine Propellermaschine zu fliegen, studierte erst Ingenieurwesen und später Kunst. In San Francisco eröffnete sie 1958 ein Designbüro; 1965 wandelte sie drei viktorianische Wohnhäuser in einen Geschäfts- und Restaurantkomplex um. Das Projekt gilt als eines der Vorbilder für die Nutzung von historischen Gebäuden im modernen Stadtleben. Ab 1966 arbeitete Willis als staatlich anerkannte Architektin. Sie stand neuen Technologien wie Computern aufgeschlossen gegenüber, leitete Wohnungsgroßprojekte und vollendete 1984 ihr bekanntestes Bauwerk, das elegante San Francisco Ballet Building, bei dessen Entwicklung sie die Tänzerinnen und Tänzer mit einbezog. Es habe sie geärgert, sagte sie einmal, dass die Arbeit von Frauen im Städtebau so gut wie unsichtbar sei. Also gründete sie in New York die Beverly Willis Architecture Foundation, um Frauen in der Baubranche eine Bühne zu geben – für »die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft«. Beverly Willis starb am 1. Oktober in Branford, Connecticut.