Björk: Lieber Schwan - DER SPIEGEL
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Björk Lieber Schwan

• aus DER SPIEGEL 35/2023
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Laura Rauch / AP

Sängerin Björk, 57, darf sich über spätes Lob für eine einst gewagte Kleiderwahl freuen. Als der Musikstar aus Island 2001 bei der Verleihung der Oscars in einem Tüllkleid mit künstlichem Schwanenhals auftauchte, lästerten viele Menschen und Medien weltweit über das Outfit – und hörten im Grunde jahrelang nicht mehr auf: Auf diversen Listen modischer Fehltritte stand das langhalsige Exemplar fortan weit oben. Dass Björk an jenem Abend (ebenso unechte) Schwaneneier auf dem roten Teppich drapierte, half nicht. Selbst für eine Exzentrikerin wie sie schien der Aufzug übertrieben. Oder? Manchmal heilt die Zeit alle Wunden – oder verkehrt kritische Urteile ins Gegenteil. Demnächst versuchen sich die Experten des Londoner Design Museums jedenfalls an einer radikalen Umdeutung des Kleids. In einer im September beginnenden Ausstellung wollen sie Björks Tüllrobe als Beispiel für bahnbrechende Mode made in London feiern. Dabei sollen in der Schau vor allem solche Designer aus der britischen Hauptstadt gewürdigt werden, die bereits zu Beginn ihrer Karriere mit ästhetischen Rebellionen auffielen. Wie eben mit dem Schwanendress, der allerdings bis heute berühmter ist als sein Schöpfer, der in London lebende Mazedonier Marjan Pejoski. Mit Tüllkleidern (ohne Schwanenhals) gelang vor ein paar Jahren wiederum der jungen und ebenfalls in der Ausstellung vertretenen Designerin Molly Goddard der Durchbruch. Auch sie hatte das Glück, den Geschmack eines weltbekannten Fashion Victim zu treffen. Mut war in diesem Fall aber nicht erforderlich. Superstar Rihanna zeigte sich schon mehrmals in Goddards mädchenhaft fluffigen Kreationen. Jedoch wirken die an ihr höchstens provozierend brav.

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