TOURISMUS Black and whith
Hoch geht es her an Kenias Küste:
Da tanzen, »in weißen BHs und winzigen Röcken«, Giriama-Girls zwischen neun und zwölf »mit erotisierendem Becken-Zucken« vor gierigen Touristen. Hübsche Zehnjährige gehen mit »großen, furchtbar schwitzenden Deutschen« für rund 60 Shilling los.
Etliche Touristen »mieten« sich zwecks Gruppensex gleich ein halbes Dutzend Girls. Andere wieder, denen eine »Auktion von Jungfrauen« kein Bedürfnis stillt, ordern für sich schwarze Strichjungen: So, als »ein modernes Sodom und Gomorrha«, schildert die Kenia-Ausgabe des afrikanischen Magazins »Drum« neuerdings die »leichtlebige Küste Ostafrikas«.
Noch vor einem Jahr, als einige europäische Illustrierte ihren Leserinnen verrieten, daß die Beachboys zwischen Malindi und Mombasa williger und wohl auch billiger sind als die Skilehrer in St. Moritz, hatte sieh Kenias Presse aufgeregt: »Sex-Storys stören die Ruhe der Küste«, klagten Schlagzeilen danach, oder: »Sex-Skandal gefährdet Fremdenverkehr.«
Inzwischen aber sind Bars und Mädchen aus dem touristischen Angebot Kenias ebensowenig wegzudenken wie Strände und Nationalparks: »Die Leute gehen erst auf die richtige Safari und dann auf die andere«, sagt Neckermanns Ostafrika-Chef Werner Freismidl, 35, der auch andere erogene Zonen der Welt kennt. »Ich schätze, daß in diesem Winter schon annähernd ein Viertel unserer Gäste deswegen kommt.«
Obwohl die Preise in den letzten zwei Jahren angezogen haben, ist Kenia noch immer ein billiges Reiseland: Selbst die erstklassigen Strandhotels in teils bemerkenswerter Architektur (so das »Serena Beach« in maurischem Stil, das »Nyali Beach« und die in deutschem Besitz befindliche »Severin Sea Lodge") kosten nicht mehr als mittelmäßige Hotels in Deutschland; die gastronomischen Spitzenpreise betragen kaum jemals mehr als die Hälfte der in Westdeutschland üblichen. (Ein Kilo Filet kostet im Laden preisgebunden rund fünf Mark.)
Erst recht auf Preisbrecher-Niveau sind die erotischen Ferien-Freiheiten zu haben. Ein frisch angereister Neckermann-Berliner unter dem Kopfnicken einer größeren Freundesrunde, die auch den Fernen Osten schon bereiste, meinte: »So billig wie hier kriegt man das nie wieder. In Berlin kann man dafür höchstens eine Kinokarte kaufen.«
Auch auf dem Kenia-Strich sind es wie in Bangkok überwiegend die Deutschen, die das Geschäft florieren lassen: »Most guests arc always German boys«, sagt Farida, die schöne schwarze Tänzerin im schummrig-schwülen »New Florida De Luxe Nightclub« in Mombasa, »and German boys are nice boys.«
Farida (Verhandlungsbasis: 300 Shilling, etwa 105 Mark) ist eines der kostspieligsten Mädchen auf dem Markt; sie unterhält, zusammen mit einer Kollegin, einen Bungalow im Garten des »New Florida« und ein Zimmer im fashionablen »Reef Hotel«, der Herberge von Airlinern und besseren Individual-Touristen; sie hat den Aufstieg zur Luxusklasse geschafft.
Die meisten Mädchen an der Küste sind bescheidener. Im »Sunshine Night and Day« auf der zentralen Kilindini Road von Mombasa beginnen die Verkaufsgespräche mit den perückenbewehrten, vorzugsweise im »Indian Style« frisierten Giriama- und Kikuju-Mädchen bei ungefähr 100, zwei Häuser weiter, in der »Nelson Bar«, wo die von der Natur weniger begünstigten Damen warten, schon bei 50 Schilling (rund 18 Mark).
Und all diese Preise ermäßigen sich mit der Zeit, denn das Prostituierten-Ethos der Afrikanerinnen ist sehr viel weniger orthodox als in Europa: »Sehr häufig wird daraus ja bei den Mädchen eine richtige Zuneigung«, hat Jochen Christoph Bene, der bundesrepublikanische Wahlkonsul in Mombasa, beobachtet, »und ich habe immer wieder Touristen erlebt, die dann hier zu den Mädchen ziehen und mit ihnen während ihres Urlaubs zusammenleben. Oft gibt es da noch Kinder von früheren Männern -- das geht dann alles sehr familiär zu.«
Viele Urlauber wechseln auch deshalb in die ärmlichen, insbesondere sanitär meist mangelhaft ausgestatteten Kämmerchen ihrer Freundinnen über, weil die meisten Strandhotels, anders als in Thailand, die Damen offiziell nicht dulden wollen; in anderen ist der volle Bettpreis zu entrichten, der häufig höher ist als das eigentliche Honorar, oder aber ein größeres Trinkgeld für den Nachtportier.
Konsequenzen aus dieser etwas unbefriedigenden Situation haben bislang nur einige der Schweizerinnen gezogen, die dem Dorf Watamu einige Kilometer südlich von Malindi den Ruf eines rustikalen Männerbordells einbrachten: Mitten im Dorf ließen sie, für ihre bevorzugten Georges oder Aus, sieben schmucke weiße Steinhäuser errichten
wahre Lustschlösser zwischen den Eingeborenen-Hütten.
Zur kommerziell verbogenen Karikatur eines Eingeborenendorfes aber wurde Watamu erst durch das »Watamu-Beach-Hotel«, das direkt neben der Siedlung erbaut worden ist und dem kenianisch-schweizerischen Touristik-Unternehmen »African Safari Club« gehört. Zweimal die Woche fliegt eine clubeigene DC 8 aus Basel Touristen herbei, und für sie ist das Dorf offenbar eine Art hoteleigenes Disney-Land, wo afrikanisches Leben ausgestellt ist.
Doch nur die staubige Dorfstraße und die windschiefen Makuti-Hütten sind noch original Watamu, alles andere hat sich den touristischen Bedürfnissen angepaßt. Fast jeder Mann in Watamu verkauft Souvenirs, die Zugezogenen (aus 600 wurden über 2000 Einwohner) arbeiten im Hotel oder bieten ("It makes only 40 Shillings, please!") den Damen am Strand ihre Papagalli-Dienste an.
Im beziehungsvoll »Black and White« genannten »Day and Night Club«, der wie eine Kathedrale das Dorf dominiert, gibt es auch Mädchen und ein paar wenige Zimmer zu mieten. Die Ladenschilder zeigen das auch sprachliche Anpassungsvermögen der Einwohner: »Klein Neckaman macht alles moglich. Da zu krieskste Du ein Geschanke.«
Manch einer auch ein unwillkommenes: Geschlechtskrankheiten sind verbreitet und wohl auch schwer zu bekämpfen. »Das ist ein ewiger Kreislauf«, sagt der indische Geschäftsführer von Malindis einschlägigem Nightclub, »die Touristinnen mit den Beachboys, die mit den afrikanischen Mädchen, die mit den Touristen und die schließlich mit den weißen Mädchen -- wo soll man da anfangen?«