BELEIDIGUNGEN Blitz für Briten
Der Kampf beginnt schon auf dem Bahnhof. »I asked for a porter, not a pigmy«, knarrt der britische Tourist wenn es sich um einen deutschen Bahnhof handelt: »Ich brauche einen Gepäckträger, keinen Zwerg.«
Im Hotel wird weitergeschossen. »Is that smell from dead customers?« - frei deutsch: »Hier stinkt es wie nach toten Gästen.«
Und in die dritte Runde geht's im Restaurant: »That fly looks extremely well-cooked« - »Diese Fliege haben Sie sehr gut gekocht.«
Derlei feine Anspielungen und auch gröbere Verbalinjurien hält ein jetzt in London erschienenes »Beleidigungs -Wörterbuch« bereit, das sich als »völlig neue Waffe für den englisch-sprechenden Touristen im Ausland« und im Kampf mit Ausländern empfiehlt. Untertitel: »Wie man in fünf Sprachen beschimpft - Englisch, Französisch. Deutsch, Italienisch, Spanisch"*.
Die üblichen Sprachführer, erklären die Herausgeber, versorgten den Reisenden nur mit »Harmlosigkeiten wie: 'Würden Sie bitte so nett sein und mir den Weg zum Bahnhof zeigen'«; was aber nütze es - etwa dem britischen Deutschland-Besucher -, nur »mit dem einen Wort 'Ober' ausgerüstet zu sein. wenn er den Kellner einen abstoßenden, übelriechenden Rumtreiber (,repulsive evil-smelling layabout') nennen will«. Das Beleidigungs-Wörterbuch sei »dazu da, solche Lücken zu füllen«.
Die angebotenen Lückenfüller lassen den Tourismus als ein Pandämonium möglicher Streit- und Unglücksfälle, als Dauerkatastrophe erscheinen - auch zwischen Rhein und Elbe.
So beispielsweise soll der reisende Brite auf einem deutschen Dampfer beleidigen: »Würden Sie Ihre Suppe freundlicherweise über jemand anderen schütten.«
So im deutschen Taxi: »Wie viele Menschen haben Sie denn heute schon überfahren?«
So beim Schneider: »Sie arbeiten wohl hauptsächlich für Krüppel.«
Im Lebensmittelgeschäft: »Geräucherten Lachs wollte ich haben, nicht Zigarrenasche.«
In der Autowerkstatt: »Das ist nicht die Reparaturrechnung, das ist Ihre Steuererklärung.«
Beim Friseur: Maniküren sollen Sie, nicht amputieren«
Und im Verkehr zwischen den Geschlechtern »Deine Lippen sind wie nasse Leber.«
Ein Schimpfthema - mit Variationen - schlägt das Beleidigungs-Wörterbuch für fast alle Lebenslagen an: »Nehmen Sie Ihre ungewaschenen Hände weg« (in der U-Bahn); »Nehmen Sie Ihre klebrigen Hände weg« (im Theater); »Nehmen Sie Ihre schmierigen Hände weg« (am Strand). »Nehmen Sie Ihre widerliche Hand von meinem Hintern weg« (im Bus); »Hören Sie mit der Fummelei auf« (bei der Party).
Die Schimpf-Formeln des »Insult Dictionary«, so empfehlen seine Editoren, sollten tunlichst schon vor Eintritt der einschlägigen Situation memoriert werden. Denn: »Die Beleidigung muß einschlagen wie der Blitz.«
Auch eine Warnung hielten die freundlichen Ratgeber allerdings für angebracht. »Für irgendwelche Konsequenzen«, schrieben sie, »die sich aus dem Gebrauch der in diesem Buch enthaltenen Ausdrücke ergeben könnten, wird keine Haftung übernommen«; dagegen wären sie »mächtig neugierig, hin und wieder etwas von den Erlebnissen zufriedener Käufer zu erfahren«.
* The Insult Dictionary«, Wolfe Publishing Ltd. London, 128 Seiten; 5 Shilling.
R. Searle