BALLETT »Blöd und unprofessionell«
SPIEGEL: Herr Zanella, »Die Presse« hat in einer umstrittenen »Analyse« behauptet, Ihre Solisten könnten bei renommierten Ensembles wie dem niederländischen Introdans »höchstens in der letzten Reihe« mittanzen, das Aufwärmtraining sei mit »grundlegenden Fehlern gespickt, die schon Schülern im ersten Jahr ausgebessert werden müssten«. Halten Sie ein Gerichtsverfahren wegen dieser Polemik wirklich für angemessen?
Zanella: Ich finde das korrekt. Wir sind Kritik gewohnt, aber diese so genannte Analyse ist absolut unqualifiziert und außerdem ehrverletzend.
SPIEGEL: Ihre eigene Ehre als Ensemble-Chef ist auch gekränkt?
Zanella: Nein, ich halte den Artikel für blöd und unprofessionell. Zum Beispiel haben meine Solisten schon als Gäste bei Introdans getanzt und wurden zu internationalen Galas eingeladen.
SPIEGEL: Wie erklären Sie sich dann die harte Kritik?
Zanella: Vielleicht stecken theaterpolitische Ziele dahinter. Die Artikelschreiberin hatte die Leistungen derselben Solisten in unseren letzten Produktionen sehr gelobt. Ich selbst bin dagegen seit meinem Amtsantritt kritisiert worden, habe darauf aber nicht weiter reagiert. Vielleicht sollte diese Analyse das Ensemble spalten.
SPIEGEL: Wenn dies das Ziel wäre - wurde es erreicht?
Zanella: Das Gegenteil ist eingetreten: Wir halten umso mehr zusammen.