Borstige Eierbecher - DER SPIEGEL
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DESIGN Borstige Eierbecher

• aus DER SPIEGEL 52/1998
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bislang waren die Produkte der Berliner Blindenanstalt von so zeitloser Schönheit, daß sie nicht mehr in die Zeit paßten. Nun haben die Designer Oliver Vogt und Hermann Weizenegger für die Werkstatt in der Oranienstraße 26 (Kreuzberg) eine Palette nicht ganz alltäglicher Alltagsgegenstände entworfen: einen Bilderrahmen aus Ziegenhaar etwa, der an die Pelztasse der Surrealistin Meret Oppenheim erinnert. An Kunst haben die Designer bei diesem Projekt, das sie »Imaginäre Manufaktur« nennen, allerdings nicht gedacht. Statt dessen wollten sie einen alten Handwerksbetrieb wiederbeleben, in dem seit 120 Jahren Sehbehinderte arbeiten. Der Witz von Vogts und Weizeneggers Entwürfen liegt in minimalen Abweichungen, die einen maximalen Unterschied markieren: So wurden aus Spülbürstenköpfen lustige Eierbecher, aus drahtverstärkten Kokosfasermatten rustikale Weinregale und aus Flaschenreinigern dekorative Obstschalen.

Die »Imaginäre Manufaktur« ist für die Berliner Blindenanstalt nicht nur wirtschaftlich ein voller Erfolg, auch atmosphärisch hat sich etwas verändert: »Seit wir die ausgeflippten Sachen machen«, sagt Bernd Busse, der seit 24 Jahren in der Werkstatt arbeitet, »ist die Stimmung bei uns richtig locker.«

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