Breite Brummer - DER SPIEGEL
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Herrenmode Breite Brummer

Nach der superbreiten Krawatte mit »romantischer Falte« kommt ein altes Accessoire der Herrenmode wieder: die Fliege.
• aus DER SPIEGEL 4/1973
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Als Karl-Heinz Köpcke, Schwarm der deutschen Muttis, an einem Dezembersonnabend die Nachrichten verlas. überraschte er die Zuschauer mit einem ungewohnten Zubehör -- vor seinem Kragenknopf prangte ein Riesenfalter. Es war keine Eintagsfliege.

Köpcke zeigte sich als Vorbote eines Trends, der sich seit einigen Wochen in Ausstattungsläden für modebewußte, vor allem jüngere Herren abzeichnet: Die Fliege kommt wieder.

Während der dreißiger Jahre war sie bei Hollywood-Helden wie Humphrey Bogart und Clark Gable zu einer Art Markenzeichen geworden. Dann führte sie jahrzehntelang ein Kümmerdasein an der Brust von Architekten und Stimmungsmusikanten, von Clowns und Kellnern oder zum Frack bei Diplomaten-Treffen.

Nun fliegt sie wieder, allerdings unter neuem Gattungsnamen: »Butterfly«. Im Gegensatz zu den Mini-Brummern vergangener Tage müssen die neuen Quer-Binder am äußersten Ende mindestens siebeneinhalb bis neun Zentimeter in der Höhe messen, »frech in der Dessinierung« sein (so die Krefelder Krawattenfirma »Alpi") und »aus edler Seide« (so der Herrenausstatter Selbach).

Noch vorwiegend zum Anzug, aber auch schon zum Sportsakko und sogar zur Strickjacke binden oder schnallen die Herren sich die bunten, gepunkteten, gestreiften, karierten Propeller vor den Hals. »Was von der Abendkleidung als breite Samtschleife ausging«, urteilte der West-Berliner Binder-Macher Dr. Joachim Hofmann, Chef der Krawatten-Fabrik »Pellens & Loick«, »überträgt sich nun auf die normale Montur täglicher Kleidung.«

Jedoch soll, wer sich Schleifen bindet. vorher prüfen: »Längliches Gesicht und lange, gerade Nase« sind nach Ansicht des Berliner Herstellers eine Vorbedingung für den neuen Mode-Gag. Hofmann: »Unter einem viereckigen Kopp wirkt die Schleife verheerend.«

Vorüber, so hoffen die Krawattenhersteller, sei nun auch die Epoche, in der sich viele Männer fragten, wozu Binder -- ob längs oder quer -- überhaupt gut sein sollen, und in der sogar zum Smoking schon der Rollkragenpullover etabliert war. Mit einer aufwendigen Werbekampagne ("Man trägt wieder Schlips") suchte die Branche seit Ende der 60er Jahre diese schreckliche, die krawattenlose Zeit zu überwinden.

»Starke Nachfrage« registrieren nun beispielsweise Selbach-Verkäufer auch bei der Schleifen-Neuheit. Und Kurt Geisler vom Deutschen Institut für Herrenmode bestätigt: »Da bahnt sich was an?

Doch die Fachkundigen, so im West-Berliner Ausstattungsgeschäft Braun KG, meinen auch, daß der Aufstieg der Brummer von der Industrie »gesteuert und forciert« werde.

Nach dem Boom der breiten Binder und der romantischen Falte, so deuten die Braun-Ausstatter den Richtungswechsel der Industrie, »ließ sich mit Krawatten nicht mehr viel Neues machen«.

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