Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Unfair abqualifiziert
Heft 19/2024 Titel: Die Dämonen des Friedrich Merz
In diesem Psychogramm wird Friedrich Merz zu einer fragwürdigen Figur herabgestuft, die keinen klar definierten Kurs erkennen lässt und sich nicht im Griff hat. Wie die Titelseite plakativ verkündet, ist er eine innerlich gespaltene, mit sich selbst hadernde Faust-Figur. Beim Lesen des Artikels schält sich nach und ein schillerndes Bild heraus von einem narzisstischen, wankelmütigen, krankhaft ehrgeizigen und auf jeden Fall für ein führendes politisches Amt ungeeigneten Menschen.
Hans-Georg Wendland, HannoverAlles Unken des SPIEGEL ändert nichts daran, dass Friedrich Merz zurzeit die besten Chancen hat, spätestens im Herbst 2025 Bundeskanzler zu werden. Er würde sich einer langen Reihe von Kanzlern anschließen, die man im Vorfeld für unmöglich oder ungeeignet gehalten hat und die dann doch an die Spitze gelangten.
Dr. Carsten Strey, Hamburg»Die Dämonen des Friedrich Merz« – das klingt nach Mittelalter und Teufelsaustreibung. Geht’s nicht eine Nummer kleiner? Macken, Schwächen – Ausdrücke, die für Friedrich Merz wohl passender gewesen wären. Erinnert sei da an deutsche Kanzler, die auch nicht ohne waren: Helmut Schmidt hatte ein Herz-, Willy Brandt ein Alkoholproblem, Helmut Kohl lavierte mit schwarzen Kassen, und Schröder macht Geschäfte mit Putin. Dagegen wirkt Kandidat Merz doch fast schon normal. Übrigens ist der Artikel gut recherchiert und geschrieben.
Mareile d’Hommée, ErlangenEhrlich jetzt, »Die Dämonen des Friedrich Merz«? Ich lese seit
41 Jahren gerne den SPIEGEL und bin jede Woche gespannt, welches Thema auf dem Titelbild landet und wie es visuell umgesetzt wird. Zu 99 Prozent finde ich es sehr gelungen, aber dieses Mal überhaupt nicht. Das Bild, die Titelzeile und der Artikel sind deplatziert und Friedrich Merz gegenüber nicht angemessen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie so einen tendenziösen Artikel zu unserem Bundeskanzler Scholz schreiben würden. Ich finde es auch deshalb nicht gut, da es Menschen gibt, die krank sind und es wirklich mit »Dämonen« zu tun haben.
Jens-Uwe Gehrke, Bad Breisig (Rhld.-Pf.)Der Beitrag offenbart weniger die Dämonen des Politikers als die des Redakteurs, der durch selektive, aber episch breite Wiedergabe von Küchen- und Parteitagsklatsch eine hautnahe Charakterisierung und Qualifizierung des CDU-Parteivorsitzenden nahelegt. Das sind keine Nachrichten, sondern gekaperte Bewertungen. Auch durch Struktur, Diktion, Bildkomposition und Timing des Artikels ist die deutlich beabsichtigte negative Beeinflussung unverkennbar.
Burkhard Homburg, Eutin (Schl.-Holst.)Voller Erwartung – aufgrund des sehr gelungenen Titelbildes – habe ich die Titelgeschichte gelesen. Sie hat mich enttäuscht. Dieser Mann ist noch gefährlicher und unberechenbarer, als der Autor es herausarbeitet. Seine Auftritte sind gekennzeichnet von einem fundamentaloppositionellen Habitus und einem zutiefst antisozialen, neoliberalen Sendungsbewusstsein. Die CDU, deren Anhänger ich absolut nicht bin, wäre gut beraten, ihn als Kanzlerkandidaten schon jetzt auszubremsen und sich stattdessen für Daniel Günther oder Hendrik Wüst zu entscheiden.
Dieter Hooge, Frankfurt am MainErinnern Sie mich bitte nochmals: Ist die Rolle des seriösen Journalisten Meinungsmache oder Information kommunizieren? Denn das Bild, das Sie für den Merz-Artikel gewählt haben, ist alles andere als neutral.
Lena Stefanescu, MünchenNichts schreiben Sie davon, dass wir eine inkompetente Regierungsmannschaft haben, Deutschland als Wirtschaftsstandort abschmiert, die Gesellschaft massiv gespalten wird. Die Zuwächse der AfD sind extrem besorgniserregend. Dass Sie dennoch versuchen, Merz »niederzuschreiben«, zeigt, welch Geistes Kind Sie sind.
Ulla Bengs, Bad HomburgDieser Politiker kommt mir vor wie ein windiger Kochtopfverkäufer auf einer Kaffeefahrt. Da frage ich mich, ob er von seinem Praktikum bei einem Geldhai wirklich nicht mehr mitgebracht hat. Die Demagogen aus der Schublade unten rechts scheinen sich besser profilieren zu können. Armselig für Deutschland!
Winfreid Ade, Oberndorf (Bad.-Württ.)In der Vorwoche habe ich mit großer Freude die »Landesverräter«-Ausgabe gelesen, aber den Merz-Artikel jetzt fand ich unfair, weil seine Persönlichkeit zu sehr an den Emotionen festgemacht wurde. Sicherlich ist er erzkonservativ, aber er hat die CDU wieder in die Spur gebracht und ist in seiner Abgrenzung zur AfD eindeutig. Ich finde sein Comeback erstaunlich, nachdem ihn einst Merkel abserviert hatte. Diese Hartnäckigkeit ist eine Qualität, die einen Kanzler ausmachen kann. Oder glauben Sie, ein Söder wäre für Deutschland besser?
Jürgen Winnikes, Freiburg im BreisgauWer das Titelbild sieht, kann sich die fünf Seiten Text sparen: Die CDU hat wieder Tritt gefasst, das passt dem SPIEGEL nicht!
Sebastian Bauer, München
Selbst wenn er wollte
Heft 19/2024 Leitartikel: Kanzler Scholz sollte endlich Führung zeigen
Glückwunsch! Der vielleicht beste Leitartikel des SPIEGEL in diesem Jahr. Dirk Kurbjuweit spricht Klartext. Zeile für Zeile. Er demaskiert den blassen Kanzler geradezu. Es wurde aber auch höchste Zeit, dass das einer mal so deutlich schreibt.
Hans-Jürgen Kroggel, HamelnEs ist inständig zu hoffen, dass Bundeskanzler Scholz wöchentlich den SPIEGEL liest. Vor allem Beiträge wie diesen. Berater, die ihm das eine oder andere Wichtige zustecken, scheint er ja nicht zu haben. Nach den vielen verlorenen Merkel-Jahren hätte er ab Tag eins seiner Kanzlerschaft mit aller Kraft versuchen müssen, den riesigen Scherbenhaufen zusammenzukehren. Leider tat er das mitnichten, sondern manifestiert noch viel zusätzlichen Murks, den seine jetzigen Koalitionspartner verzapfen. Die Ampel jedenfalls ist als grandios gescheitertes Experiment zu verbuchen.
Ullrich Herzau, BerlinDieser Herr Scholz kann es einfach nicht – keinerlei Führungsstärke und diesbezüglich der mit Abstand schwächste Kanzler, den wir je hatten. Aber auch die Ampel versagt grandios – die FDP ist destruktiv, und die Grünen sind in Teilen unprofessionell. Und die, die sich heute als »Retter« Deutschlands darstellen, haben große Teile der aktuellen Probleme durch eine völlig überschätzte Kanzlerin zu verantworten. Herr Merz als Kanzler? – Ein Albtraum!
Gunter Kalinka, Jüchen (NRW)Führung unter Kanzler Scholz, das hat doch von Anfang nicht gepasst. Er wirkte schon immer wie aus der Zeit gefallen und wundert sich wahrscheinlich jeden Tag selbst, warum er plötzlich gestalten soll, wo doch in seiner gesamten Politikkarriere ein Verwalten immer ausgereicht hat. Also, selbst wenn er wollte, er könnte es gar nicht anders. Bleibt nur die Frage, wann er daraus die richtigen Konsequenzen zieht.
Dietmar Hammer, Ammerbuch (Bad.-Württ.)Ich finde Ihre Forderungen an Olaf Scholz zu anspruchsvoll und Ihr Fazit zu hart. Man muss fairerweise sagen, dass Scholz die erste Dreierkoalition in der Bundesrepublik anführt. Dass es da noch mehr Streit gibt als ohnehin üblich, liegt doch auf der Hand. Im Übrigen: Es ist genau dieses Unaufgeregte, Ruhige und Nüchterne, was seinen Führungsstil ausmacht. Das schmeckt nicht jedem, ist aber der Grund, warum ich SPD wählen werde.
Farid Bouy, Rüsselsheim (Hessen)Dieser Leitartikel über die Arbeit und das Auftreten von Olaf Scholz ist herausragend. Er bringt die fehlende politische Führung des Kanzlers und die daraus resultierenden Folgen für unser Land klar und überzeugend auf den Punkt.
Dr. Hubert Hofmann, Immenstaad (Bad.-Württ.)
Kompromisse, die keiner will
Heft 18/2024 Alle gegen Finanzminister Lindner
Mich hat das Foto in diesem Artikel überrascht und ein Stirnrunzeln bewirkt. Zeigt es doch, dass in der ersten Reihe der Regierungsbank alle drei Spitzenpolitiker der Ampelkoalition einschließlich des Bundeskanzlers mit ihren Smartphones beschäftigt waren, anstatt ohne Ablenkung die Debatten im Bundestag zu verfolgen. Dabei würde eine solche Hinwendung der Bundesregierung zur Diskussion im Parlament auch unter den Bürgern die Bedeutung einer bewussten Unterstützung der Demokratie unterstreichen. Demokratie geht uns alle an.
Dr. Fritz Fischer, KielVielen Dank an Ihre Bildredaktion für die Auswahl – ich habe mich sehr amüsiert. Einen Ausweg findet man bestimmt nicht im Netz. Für mich ist dieses Foto ein Beispiel für den Gipfel des schlechten Benehmens und der Missachtung des Bundestages. Ich fordere ein Smartphone-Verbot für den Bundestag.
Jürgen Koritz, PaderbornDie Sozialdemokraten und die Grünen provozieren seit dem Anfang, sei es durch Unfähigkeit, Ignoranz oder ideologische Verblendung. Kommt dann die FDP mit guten Vorschlägen, wird man weinerlich. Die Ampel war von Anfang an ein Fehler, allerdings macht es das Wahlvolk den Parteien auch nicht leicht. Regierungen mit Parteien, die sich eigentlich nichts zu sagen haben, wird es in der Zukunft leider immer häufiger geben, und dann kommt eben nichts Gutes dabei raus, sondern Kompromisse, die keine Partei eigentlich will.
Chris Dasch, Landau in der Pfalz (Rhld.-Pf.)Wir haben die letzten beiden Jahrzehnte viel zu wenig in die Infrastruktur, die Bildung, die Digitalisierung, den Klimaschutz und die Verteidigung investiert. Anstatt dass die Regierung hierfür Lösungswege aufzeigt, verheddert sich die Ampel in parteipolitischen Dogmen – keine höheren Steuern, keine Neukonzeption der Schuldenbremse, kein Hinterfragen des Sozialbereiches, stoisches Beharren auf dem Renteneintrittsalter. Die Opposition schreibt Papierchen und liefert kein ausgegorenes Konzept. Sie betreibt Ampel-Bashing, wohl, um von der Verantwortung für die strukturellen Probleme aus 16 Jahren CDU-geführter Regierung abzulenken. Als ob der Wähler das faktische Nichtstun honorieren würde. Das stärkt nur die politischen Ränder.
Heinz Essling, Bodenheim (Rhld.-Pf.)
Fehlentscheidungen gehören dazu
Heft 19/2024 Fußballprofi Mats Hummels und Schiedsrichter Patrick Ittrich diskutieren im SPIEGEL-Streitgespräch über den VAR
Die Unzufriedenheit mit dem VAR (Video Assistant Referee) und dem Schiedsrichterwesen in Deutschland ist nicht allein mit der emotionalen Vereinsbrille
der Fans zu erklären. Tatsächlich herrscht zu viel Unklarheit in der Auslegung der Regeln, zum Beispiel über die Eingriffsschwelle für den VAR. Und es werden Beweise angeführt, die keine sind, vor allem die »kalibrierte Linie« bei Abseitsüberprüfung, die in Wahrheit eine von Hand gezogene Linie auf einem von Hand gewählten Video-Einzelbild ist. Die Schiedsrichterkommission unter Lutz Michael Fröhlich erinnert an die katholische Kirche: Egal, wie eindeutig eine Fehlentscheidung für jedermann sichtbar war, stets wird im Nachhinein auch der offensichtlichste Fehler gerechtfertigt und so an der Unfehlbarkeit aller Schiedsrichter festgehalten.
Peter Schrage, Bobingen (Bayern)Den VAR-Einsatz sollte man aus zwei Perspektiven betrachten: Im Stadion ist die Warterei hochgradig nervig. Der Ball landet im Tor, der Schiri zeigt zur Mitte, und das Drama beginnt – fasst sich der Schiri ans Ohr, wird die Sache im Kölner Keller entschieden. Das dauert dann mindestens zwei Minuten, in denen die Spieler wie doof auf dem Platz stehen und den hilflosen Schiri belabern. Nach einiger Zeit kommt das nicht immer eindeutige Ergebnis aus Köln. Seltsames Handspiel, ein Kontakt, der eher kein Foul, sondern Erdanziehungskraft war, oder jemand stand mit einem Viertel des großen Zehs im Abseits. Warum werden Fehlentscheidungen nicht einfach akzeptiert? Über eine Saison gleichen sich Fehlerentscheidungen pro und kontra nach meinem Empfinden aus. Fehlerhafte Entscheidungen der Schiris gehören für mich zu Fußball wie der Schuss des Stürmers aus drei Metern über das Tor.
Ralf Albers, Osnabrück
Unvoreingenommen erzählt
Heft 18/2024 Johannes Volkmann, Enkel von Helmut Kohl, könnte in den Bundesvorstand der CDU einziehen
Ganz toller Artikel. Unvoreingenommen und sehr gut erzählt. Respekt!
Mario Moschel, Zweibrücken (Rhld.-Pf.)
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