Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 74 / 77

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Krebs überleben, die Wiederein­setzung der Wehrpflicht, der gesunde Menschenverstand, Restitution – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 7/2024

Dem Ziel nicht näher

Nr. 6/2024 Titel: Krebs überleben 

  • Vielen Dank für den umsichtigen und sachlichen Artikel. Ohne vereinfachende Pauschalierungen, wie sonst oft, wird die Breite der Probleme beschrieben. Sogar König Zufall bekommt seinen Platz.
    Wolfgang Kouker, Landau (Rhld.-Pf.)

  • Sie versuchen, Krebskranken Hoffnung zu machen. Ich sehe die letzten 30 Jahre kaum messbare Erfolge der Therapie von Krebs. Um es mit Ihren eigenen Worten zu sagen: Sie kommt voran, ihrem großen Ziel aber nicht näher.
    Gregor Negulescu, Augsburg

  • Ihren Bericht zur Dresdner Krebsklinik kann ich bestätigen. Nach der Diagnose schickte mein Arzt meine Unterlagen und mich zur Uniklinik in Dresden. Der dortige Professor untersuchte mich sehr gründlich und machte den Therapievorschlag, den mein behandelnder Arzt umsetzte. Für meinen sehr weit fortgeschrittenen Krebs bekam ich dann die sehr belastende Chemo und eine Immuntherapie mit Obintuzumab. Mittlerweile bin ich krebsfrei.
    Name und Wohnort sind der Redaktion bekannt

  • Der Fokus auf Fünf-Jahres-Überlebensraten sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Quoten nach 10, 15 oder 20 Jahren deutlich schlechter sind, da Betroffene durch Risiken für Spätfolgen – gänzlich ignoriert im Artikel – und Zweitmalignome auch danach mit größerer Wahrscheinlichkeit sterben als nicht an Krebs erkrankte Personen. Im Übrigen frage ich mich, wie weit man eine Statistik dehnen muss, dass man es als medizinischen Fortschritt ansieht, mit personalisierter Therapie bei Lungenkrebs grade mal zwei Monate länger zu leben als mit der Standardtherapie.
    Christian Müller, Wuppertal

  • Eine großartige Titelgeschichte über sich abzeichnende epochale Fortschritte in der individuali-sierten Krebs-therapie, die allen Patienten Hoffnung geben möge, dass sie mit dem Leben davonkommen.
    Hans Schinke, Offenbach

Ultrapeinlich

Nr. 5/2024 Leitartikel: Die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht ist unvermeidlich 

  • Ihre Panikmache ist unangebracht. Putin wird nicht wagen, die Nato anzugreifen, weil er damit keine Erfolgschancen hätte. Der Mann ist zwar Kriegsverbrecher, aber kein Selbstmörder. Die Wehrpflicht brauchen wir nicht.
    Thomas Walter, Köln

  • Die Kriegsrhetorik, die Forderungen nach massiver Aufrüstung und Wehrpflicht sind beängstigend. Kurios aber ist, wenn Sebastian Fischer die Frauenwehrpflicht ausschließt. Gleichberechtigung ja, aber dann doch nicht in jedem Bereich? Das geht nicht!
    Dr. Ralph Detzel Ph. D., Ehingen (Bad.-Württ.)

  • Als ehemaliger Berufssoldat und Reservist 2022 kann ich mit meinen Kenntnissen nur sagen: Die Bundeswehr ist für eine schnelle Praktizierung der Grundwehrpflicht materiell und personell nicht in der Lage. Es fehlt an Kasernen, in denen dann die zum Dienst verpflichteten Männer ausgebildet werden. Es fehlt an Bekleidung, Ausrüstung und Waffen. Es fehlt an Personal des Lehr- und Ausbildungsdienstes.
    Bernd Henn, Mannheim

  • Ich finde jedoch, dass es ultrapeinlich ist, dass alte Männer über das Leben von jungen Menschen entscheiden und diese »kriegstüchtig« machen wollen, weil sie selbst es politisch nicht hinbekommen, eine andere Lösung zu finden. Dass der russische Präsident offensichtlich unberechenbar ist und man sich mit der Gefahr auseinandersetzen muss – absolut verständlich. Aber junge Menschen, die nichts für die Krisen auf der Welt können, in die Pflicht zu nehmen, sich im Kriegsfall umbringen zu lassen oder andere Menschen zu töten, die ebenfalls nur die Schachfiguren von anderen alten Männern sind, ist doch unglaublich absurd. Dann bauen wir für die 100 Milliarden doch lieber KI-Roboter, die uns verteidigen. Oder schicken alle Männer über 40 in den Krieg. Aber lasst doch mal die jungen Menschen junge Menschen sein.
    Patrick Schramm, Berlin

  • Ich wusste nicht, dass die Wehrpflicht nur ausgesetzt, nicht abgeschafft ist! Dass es Frieden und Demokratie nicht zum Nulltarif gibt, sollten wir wirklich schnell lernen. Was aber zu wenig beachtet wird, ist, dass sich der Nachwuchsmangel in den Pflegeberufen durch den Wegfall des Ersatzdienstes in schlimmer Weise verstärkt hat. Manch einer der jungen Männer, der sich vorher überhaupt nicht dafür interessiert hatte, blieb zum Nutzen beider Seiten in diesem Berufsfeld »hängen«. Alle diese fehlen nun seit Jahren.
    Anne Jakob-Bissem, Ötisheim (Bad.-Württ.)

Zum Heulen

Nr. 5/2024 Kolumne: Der gesunde Menschenverstand 

  • Wenn sich schon der linkeste Redakteur unter den linken Redakteuren des SPIEGEL, Markus Feldenkirchen, von der Ampelregierung abwendet, muss es wirklich schlimm um die so­genannte Fortschrittskoalition stehen.
    Heinz Weinert, Marlow (Meckl.-Vorp.)

  • Ja, es ist einfach nur zum Heulen. So viel hätte diese Ampelregierung bewegen können, wären die Liberalen noch Sozialliberale statt Neoliberale. Dass die FDP in den Umfragen so schlecht abschneidet, liegt daran, dass sie auf Gedeih und Verderb an der Schuldenbremse festhält, gegen Ratschläge von Wirtschaftsexperten aus aller Welt. Sie schaufelt sich ihr eigenes Grab. Würde in den heutigen Zeiten nicht jeder Demokrat zählen, wär’s mir egal. Früher habe ich öfters die FDP gewählt. Das wird mir sicher nicht mehr passieren.
    Andrea Groh, Butzbach (Hessen)

  • Ich war regelrecht begeistert, als sich die Ampelkoalition abzeichnete. Eine Regierung, die von rechts der Mitte bis weit links die Bevölkerung repräsentiert, konnte eine echte Vertretung des Volkswillens darstellen. Doch hätten die Parteien es genauso gesehen, hätte uns die FDP erzählt, dass Geld benötigt wird und die Besserverdienenden etwas höhere Steuern zahlen müssen. Die SPD hätte erläutert, dass die Zahlungen an Transferempfänger trotzdem nur mäßig steigen, weil das Geld für Investitionen benötigt wird. Und die Grünen hätten erklärt, dass auch eine offene Gesellschaft keine ungesteuerte Migration verträgt. Alles Punkte, die aus guten Gründen in der Gesamtheit ihrer Wähler mehrheitsfähig gewesen wären. Doch aus Angst vor den Puristen in der eigenen Partei wurde aus der Idee einer gemeinschaftlichen Vertretung aller Wähler der drei Parteien schnell Klientelpolitik für Minderheiten. Und aus dem Koalitionspartner wurde der politische Gegner. Traurig, denn Verlierer sind nicht nur die drei Parteien, sondern die gesamte Bevölkerung.
    Stefan Masannek, Kiel

  • Es ist schon erstaunlich, dass Herr Feldenkirchen eine Regierung von Rot-Schwarz in der Lage sieht, die jetzigen Probleme zu lösen. Hat er denn schon vergessen, dass Schwarz-Rot und alle Merkel-Regierungen davor der Ampel einen Berg von Altlasten hinterlassen haben? Haben er und die meisten Medien vergessen, dass noch nie eine Regierung eine derartige Häufung von Problemen gleichzeitig zu bewältigen hatte: Altlasten der Vorgängerregierungen, Nachwirkungen der Coronapandemie, Ukrainekrieg mit Energiekrise, eine Million Flüchtlinge aus der Ukraine, Inflation und dann noch der Nahostkrieg. Statt ständig auf die Ampel einzuprügeln, könnte Herr Feldenkirchen anerkennen, dass trotz der Energiekrise niemand in den letzten beiden
    Wintern frieren musste, dass die Ukraine großzügig unterstützt wurde, das Kindergeld angehoben, das Bürgergeld zweistellig erhöht, die Steuerzahler um 15 Milliarden Euro entlastet und Bürger und Industrie bei Gas- und Stromkosten erheblich unterstützt wurden.
    Dr. Bruno Waidmann, Ulm

  • Mutig! Sie sprechen das aus, was bestimmt sehr viele Menschen denken. Mir geht es genauso. Als langjähriger CDU-Wähler wurde ich zum begeisterten Grünen­wähler (im Bund und in Berlin). Die Zeit war reif, die Dynamik vielversprechend, das Drei-Parteien-Koalitions-Experiment war es wert. Und jetzt das Totalversagen von Olaf Scholz in der Regierungsführung und »das abwartende Offenlassen« als Führungsersatz führten zur Bruchlandung. Totaler Murks. Von den Grünen (in Berlin und dem Bund) bin ich maßlos enttäuscht. Von der FDP konnte man nichts anderes erwarten, hoffnungsloser Fall. Dass die SPD mit Scholz so massiv grüne Politik, grüne Ideen und grüne Talente (insbesondere Robert Habeck) an die Wand gefahren hat, ist unverzeihlich. Danke für den Artikel. Deshalb liest und abonniert man/Frau den SPIEGEL.
    Andreas Fred Wilkes, Berlin

  • Angesichts der gerade stattfindenden Demonstrationen für die Demokratie bin ich enttäuscht über Ihre Kolumne. Waghalsig und leichtsinnig. Welche Kreise fordern denn zurzeit Neuwahlen? Wir sollten die Nerven behalten. Ist es nicht auch ein Zeichen von demokratischer Reife, wenn Auseinandersetzungen in einer Koalition nicht unter den Teppich gekehrt werden? Sorgen sollte uns, was im Parteienspek­trum außerhalb der Koalition stattfindet. Dort sehe ich Gefahren für unser Gemeinwesen und die Demokratie. Ich werde im Moment jedenfalls die Ampel verteidigen. Alles andere erscheint mir leichtsinnig.
    Ronald Soll, Ratzeburg (Schl.-Holst.)

Eine salomonische Lösung

Nr. 5/2024 Muss eine Familie in Wandlitz ihr 1939 gekauftes Haus an die Jewish Claims Conference zurückgeben? 

  • Was für ein hervorragendes Beispiel gründlicher Recherche; ein sehr eindrucksvolles Dokument der Zeitgeschichte! Ich hoffe
    nur, dass die letzte Hoffnung für die Familie Lieske nicht in der »Machtübernahme« der AfD besteht, sondern es mit Mitteln un­seres Rechtsstaats zu einer güt­lichen Einigung kommt.
    Jürgen Fuhrländer, Jossgrund (Hessen)

  • In der Tat ein moralisches Dilemma: Die 83 Jahre alte Gabriele Lieske heute aus dem Haus zu »vertreiben«, weil ihre Vorfahren es 1939 wegen des Nazi-Wahns der »Entjudung« – sogar, wie vom Gericht festgestellt, zu angemessenem Preis – erworben hatten. Nur, heute kann nicht mehr nachgewiesen werden, dass die Verkäufer auch den Kaufpreis vollständig erhielten und darüber verfügen konnten. Das Unrecht liegt 85 Jahre zurück. Es kann nicht ungeschehen gemacht werden. Eine salomonische Lösung heute könnte sein: Die Jewish Claims Conference (JCC) räumt der Frau ein lebenslanges Wohnrecht ein, für das ein angemessener Mietzins vereinbart wird. Alle würden gewinnen: Die alte Dame muss nicht aus­ziehen; das JCC erzielt Mieteinnahmen und gewinnt durch die Wertsteigerung der Immobilie.
    Ferdinand von Stumm, München

  • Der geschilderte Fall ist tatsächlich total verfahren und juristisch wohl kaum zu lösen. Mein Vorschlag: eine Spendensammlung, damit die Lieskes die geforderte Summe für das Grundstück an die Jewish Claims Conference bezahlen können.
    Sigrun Schadt, Ötigheim (Bad.-Württ.)

  • Mitten hinein in die »Nie wieder ist jetzt«-Demos bringt der Autor Guido Mingels die 83-jährige Gabriele Lieske zu Gehör (»Bevor die mich hier rausholen, mache ich selber Schluss«). Sowie deren Sohn, der ein »Noch nie gehört« von sich gibt – noch nie davon, dass der Großvater dereinst das »Haus der Lieskes in Wandlitz«, heute 1,5 Millionen Euro wert, 1939 zwei jüdischen Erzieherinnen für 21.500 Reichsmark abkaufte. Geld, das gerade reichte, um die Reise nach Theresienstadt und damit in den Tod zu finanzieren. Wer ist aber das eigent­liche Opfer? Nun, dieser Arisierungsgeschichte zufolge natürlich die Lieskes. Die 1945 aus ihrem Haus »rausgeschmissen« wurden, »weil die Russen sich einquartierten«; später habe »ein polnischer Major in ihrem Haus gewohnt«; auch zu DDR-Zeiten habe es, so der Sohn, »Versuche gegeben, ihrer Familie das Haus wegzunehmen«; und nach der Wende, bei einem Wert von 100.000 Euro, ging es erneut los, diesmal ausgehend von der Jewish Claims Conference. Der eigentliche Skandal nach Meinung des Autors: dass die Sache noch immer nicht entschieden ist, zugunsten der schwer leidenden Mutter (»Ich komme mir vor, als wenn ich die Juden umgebracht hätte«) sowie des betroffenen Sohnes (»Ich dachte, Sippenhaft gibt es nicht in Deutschland«) – Sprüche, die bei AfD-Stammtischen gut ankämen.
    Prof. Dr. Christian Niemeyer, Berlin

Analyse der Ostdeutschen

Nr. 5/2024 SPIEGEL-Gespräch mit »Tagesthemen«-Moderatorin Jessy Wellmer über DDR-Klischees 

  • Ich habe selten eine so einfühlsame, zutreffende Analyse der Ostdeutschen gelesen.
    Gisbert Jäger, Gettorf (Schl.-Holst.)

Unterhaltsame Lords

Nr. 5/2024 Eine Irrfahrt durchs House of Lords 

  • Nach dem Genuss dieses ebenso informativen wie unterhaltsamen Einblicks in das House of Lords möchte man den Autor Jörg Schindler am liebsten sofort adeln und in ebenjenes »Tollhaus« befördern.
    Wolfgang Vieler, Darmstadt

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