Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 75 / 78

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Putin, CO₂-Speicherung, Scholz als Friedenskanzler, Antisemitismus und Ostdeutschland – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 12/2024

Ein alter Hut

Heft 11/2024 Titel: Putin hört mit 

  • Es ist hier das gleiche Verhalten zu beobachten wie bei vielen anderen Bedrohungen der Demokratie. Es werden die Köpfe in den Sand gesteckt, sonst müsste man ja ernsthafte Konsequenzen ziehen und über unangenehme Dinge sprechen und diese anfassen. Also verniedlicht man die Gefahr durch Putin und China und sieht gern mal nach kurzer Empörungsrhetorik weg.
    Anke Wiesmann, Frankfurt am Main, via SPIEGEL Debatte

  • Mangelnde Informationssicherheit in Deutschland – ein alter Hut. Kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs musste die kaiserliche Kriegsführung aus einer französischen Tageszeitung zur Kenntnis nehmen, dass alle deutschen Funksprüche von den Franzosen entschlüsselt werden konnten. Als Antwort darauf wurde Enigma – eine Rotor-Schlüsselungsmaschine – erfunden. Sie galt als absolut sicher. Doch die polnischen Mathematiker konnten den Engländern die Entzifferung von Enigma erleichtern. Historiker meinen, dass durch die Entzifferung der Funksprüche und anderer eingesetzter Verschlüsselungssysteme der Zweite Weltkrieg um Jahre verkürzt worden sei. Klar ist heute, wie massiv der Mangel an Informationssicherheit die Ereignisse beeinflussen konnte. Das könnte sich wiederholen.
    Karl Erhard Vögele, Travemünde (Schl.-Holst.)

  • Niemand scheint bisher in Erwägung zu ziehen, dass es auch Teil einer psychologischen Taktik sein kann, sich ganz bewusst abhören zu lassen, sich praktisch dumm zu stellen, aber die eigentliche Botschaft damit zu vermitteln: Wir könnten, wenn wir wollten, auch ganz anders. Ist natürlich nur eine Spekulation, findet sich aber in den Handbüchern der Bundeswehr zur psychologischen Kriegsführung wieder.
    Dr. Klaus Neumann, München

  • Habe nichts davon erkannt. Ich dachte nur: Was soll das Ohr auf dem Titel? Dass der Untergrund die russische Fahne sein soll – das nimmt man nicht wahr. Oh – das ist ja ein roter Stern auf dem Ohrstöpsel – wer sieht den überhaupt? Nicht, wenn man, wie die meisten, nur eine Sekunde hinschaut. Viel zu verkopft.
    ​Herbert Fell, Berlin

  • Glaubt jemand ernsthaft, der russische Geheimdienst hätte soeben den ersten Lauschangriff gegen die Bundeswehr gestartet? Er dürfte schon mehrmals militärische Informationen des Bundes abgesaugt haben, vermutlich auch mit höherem Informationswert als bei der letzten Abhöraktion. Interessant ist, warum er gerade jetzt seine erfolgreiche Aktion veröffentlichte. Der Kreml zielt auf die Spaltung Europas, was ihm zumindest teilweise ge-lungen ist. Frage: Wann veröffentlicht der BND endlich seine Informationen aus dem russischen Kriegsministerium? Oder gibt es keine nennenswerten Erkenntnisse?
    Dr. Martin Böttger, Zwickau (Sachsen)

  • Putin wird sich mächtig geärgert haben, dass diese Bespitzelung öffentlich wurde. Für die Bundeswehr ist es ein Glücksfall, dass dieses harmlose Leck nun allen zeigt, dass wir uns in einem Cyberkrieg befinden. Nach innen bringt das mehr Wachsamkeit und in Richtung Regierung neue Argumente für neue Budgets. Deutschland wird nicht mehr am Hindukusch verteidigt, sondern auf unseren Computern.
    Klaus Gebhardt, Loxstedt-Nesse (Nieders.)

  • Was regen Sie sich eigentlich seitenlang so auf? Das ist doch etwas für die werteorientierte Krabbelgruppe. Dass wir eine Abhör-Olympiade haben, ist doch sattsam bekannt. Jeder hört jeden ab. Beispiele: der Kim Jong Un den Xi Jinping, der Putin den Biden, der Obama die Merkel – und sicher auch umgekehrt. Dass Militärs sich über den Einsatz von Waffen austauschen, ist doch eher ein normaler Vorgang. Dieses Wissen aber perfekt zu lancieren ist Politik. Wer daraus einen sicherheitspolitischen Albtraum macht, ist selbst schuld – cui bono?
    Rolf Pühlhofer, Nürnberg

  • Der »lupenreine Demokrat« Putin (laut Gerhard Schröder) entspricht auch als Abhörposten der Demokratie allen Charakteristika von Orwells Big Brother.
    Dr. Volker Brand, Bad Oeynhausen (NRW)

Entscheiden, was wir wollen

Heft 10/2024 Leitartikel: Die Speicherung von CO₂ unter der Nordsee ist überfällig 

  • Warum denn dieser hektische und mit extrem negativen Folgen für Wirtschaft und Bevölkerung verbundene Ausstieg aus der Kohle? Für die Umwelt sollte es doch egal sein, ob CO₂ aus der Verbrennung von Kohle oder Fracking-Gas gespeichert wird. Mal ganz abgesehen von der sonstigen Umweltbelastung beim Fracking und den nötigen Folgeprozessen. Ein weiterer Flop in unserer Energiewende?
    Dietmar Sobottka, Chemnitz

  • Wir sind eine Gesellschaft von Bedenkenträgern. Egal, ob Geothermie, Fracking oder CCS, wir sind gegen alles, wollen aber die Erde retten. Wir müssen mal entscheiden, was wir wollen. Fracking wurde schlechtgeredet. Wir haben für 15 Jahre Schiefergas in Deutschland. Aber das ist politisch nicht gewollt. Wir müssen mal die Rechtslage ändern, weil jeder dagegen klagt.
    Martin Bauer, Stuttgart

  • CCS noch vor Jahren Teufelszeug, jetzt der Deus ex Machina in der Einsicht, dass ohne Kohle und Atom vielleicht ein Leben in Botswana erträglich ist, nicht aber in einem entwickelten Industrieland. Aber selbst diese Technologie ist in großindustriellem Maßstab unrealistisch und zu teuer. Am Ende rächt sich die inbrünstig über Jahrzehnte gestreute grüne Fortschrittsverheißung, angefangen mit Merkels Atom-Aus. Eine Fahrt in die Sackgasse. Wer weiß, vielleicht fällt demnächst auch das Tabu gegen Fracking. Dann wäre die Ökopartei in der Gegenwart angekommen, nur Deutschland hätte derweil den Anschluss verloren.
    Christoph Schönberger, Aachen

  • Friedlich in die Katastrophe. Man muss keinen Leistungskurs Chemie belegt haben, um das zu verstehen: Wenn wir dem Kreislauf der Natur CO₂ entziehen und in den Boden unter der Nordsee für immer versenken, geschähe etwas Katastrophales: Pro Atom Kohlenstoff würden dem atmosphärischen Kreislauf unseres Planeten zwei Atome Sauerstoff für ewig entzogen und stünden unserer Atmung nie wieder zur Verfügung. Darüber hat Robert Habeck sicher noch nie nachgedacht. Fataler könnten wir so den Ast, auf dem wir sitzen, nicht absägen.
    Prof. Dr. Horst Crome, Bremen

Was möchte die Bevölkerung?

Heft 10/2024 Olaf Scholz inszeniert sich als Friedenskanzler 

  • Man könnte den Kanzler verstehen, wenn Deutschland oder zumindest Europa in der Lage wäre, ausreichend sonstige Munition an die Ukraine zu liefern. Taurus könnte die Lage vermutlich verbessern. Mit seiner – wieder einmal – zögerlichen Haltung verliert Olaf Scholz aber eher den Ukrainekrieg. Dann kann er sich als Friedenskanzler feiern lassen. Zu Putins Bedingungen!
    Carl Ibs, Salzgitter (Nieders.)

  • Es ist höchste Zeit für diplomatische Anstrengungen und international überwachte Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen, die endlich Leid und Zerstörung in der Ukraine ein Ende setzen. Olaf Scholz könnte und sollte sich hier engagieren, denn »Friedenskanzler« darf keine abwertende Charakterisierung sein. Schließlich erhielt schon einmal ein SPD-Kanzler den Friedensnobelpreis – Willy Brandt.
    Brigitte Schellnhuber, Ingolstadt

  • Es ist erschreckend, wie jüngere Menschen (so unter 80) sich -heute geradezu kriegssüchtig -verhalten. Ich selbst habe noch -
    heute im Ohr, wie ich als Minderjähriger aus dem kleinen Volksempfänger zu hören bekam: »Wollt ihr den totalen Krieg?« Und alle schrien zustimmend.
    Die Äußerungen vieler Entscheidungsträger in der Politik gehen heutzutage unverkennbar in -diese Richtung.
    Rolf Hiller, Deckenpfronn (Bad.-Württ.)

  • Was möchte die Bevölkerung? Wenn die Deutschen den »besonnenen Scholz« dem »mutigen Scholz« vorziehen, warum sollte er sein Verhalten ändern in Bezug auf die nächsten Wahlen, trotz Ihrer warnenden Anekdote über Schröder? Solange er Paris, London und Co. nicht auf feige und schadhafte Weise bloßstellt, könnte seine Blockade gegenüber den anderen Ampelpolitiker:innen auch als »mutiger Scholz« gelten.
    Lara Beynio, Wien

Den Ball nicht weit genug gespielt

Heft 10/2024 Kulturstaatsministerin Claudia Roth im SPIEGEL-Gespräch über den Eklat bei der Berlinale 

  • Pures Entsetzen über die Ausreden von Staatsministerin Roth. Mich schockierten besonders die Antworten: Ich tue mich sehr schwer zu intervenieren. Ja, -hallo, wer denn sonst? Anstand und klare Bekenntnisse zu den unbeschreiblichen Verbrechen der Hamas hätten genügt. Sehr schlimm fand ich die Entschuldigungen, warum sie zu bestimmten Äußerungen geklatscht habe und zu anderen angeblich nicht. Das ist so billig. Ich könnte platzen vor Zorn.
    Kirsten Lindner, Weinheim (Bad.-Württ.)

  • Die Analyse von Claudia Roth spielt den Ball noch nicht weit genug. Schließlich besteht das eigentliche Problem in Deutschland beim Thema Antisemitismus folgendermaßen: Bei jedem größeren Geschehnis, ähnlich wie bei einem pawlowschen Reflex, kommt es zunächst erst einmal zu einem empörten Aufschrei. Danach lässt die Aufmerksamkeit in der Regel schnell nach, und so gut wie gar nichts mehr passiert. Deshalb bedarf es hier in jedem Fall eines wesentlich nachhaltigeren Ansatzes.
    Rasmus Helt, Hamburg

  • Diese unsägliche Debatte über Antisemitismus. Dieser wichtige Begriff wird als Synonym für Kritik an der israelischen Regierung missbraucht. Das ist aber falsch. Meine Kritik am Vorgehen der israelischen Verteidigungsstreitkräfte in Gaza, an der Missachtung der humanitären Rechte und an der Besatzungs- und Siedlungspolitik im Westjordanland hat nichts damit zu tun, dass Juden dafür verantwortlich sind. Ich stelle auch nicht die Existenz Israels infrage, sondern die Art und Weise, mit der Israel seine Staatsmacht gegen die Palästinenser benutzt.
    Folke Persson, Bielefeld

Es gibt nur ein Deutschland

Heft 10/2024 Wie sich in Ostdeutschland ein neues Selbstbewusstsein ausprägt 

  • Die vielfach nachgewiesene Mehrheitshoffnung der Ostdeutschen: Eines Tages werden wir, unsere Kinder und Enkel für diese gesamtdeutsche Alleinleistung, für das freie Leben unserer »Brüder und Schwestern« im Westen, angemessen belohnt und soweit irgend möglich entschädigt werden. Für ihr Schicksal als die Geiseln für die Rückgewinnung der Freiheit für das ganze noch verbliebene Deutschland. Das Verständnis dafür verminderte sich im freien Westdeutschland von Jahr zu Jahr, reduzierte sich auf Feiertage und Bekundungen.
    Lutz Rackow, Berlin

  • Sehr geehrte Redaktion, der Osten ist keine Erfindung des Westens, der Osten ist eine Schöpfung der DDR. 40 Jahre DDR haben sich tiefer im Bewusstsein vieler Ostdeutscher eingeprägt, als es 40 Jahre Demokratie tun werden. Leider.
    Kurt Czombera, Leipzig

  • Es gibt kein West- oder Ostdeutschland, es gibt nur ein Deutschland, wann wird dies endlich einmal begriffen?
    Rudolf Schmitt, Saarbrücken

Eis und Limo

Heft 10/2024 Warum die mutmaßliche RAF-Rentnerin Daniela Klette so lange unentdeckt blieb 

  • Die schreckliche Banalität des Bösen: Von der Beute spendierte die nette Klette ab und zu Eis und Limo für die Kinder der Wohnanlage, denen sie vielleicht auch ihre beeindruckende Waffensammlung samt Sprengstoff und Panzerfaust-granate gezeigt hat.
    Dr. Fred Maurer, Aalen (Bad.-Württ.)

Schlimme Doppelmoral

Heft 10/2024 Julian Assanges Vater John Shipton will seinen Sohn retten 

  • Julian Assange ist ein moderner investigativer Journalist, der amerikanische Kriegsverbrechen öffentlich gemacht hat. Die Länder des Westens betonen sehr den Wert von Meinungs- und Pressefreiheit, wird hier nicht eine schlimme Doppelmoral betrieben?
    Dr. Alexander Schulze, Hohen Neuendorf (Brandenb.)

Der Klang der Überwältigung

Heft 10/2024 Die Konzerthalle The Sphere in Las Vegas überwältigt die Sinne 

  • Toller Essay! Der Artikel gibt mir das Gefühl, ein gutes Stück weit dabei gewesen zu sein, der Autor lässt mich an seinen Erlebnissen, Eindrücken und umfassenden Gedanken dazu auf die bestmögliche Weise teilhaben. Danke!
    Marc Meyer, Berlin

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