Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 73 / 76

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

TikTok, Trikotsponsor, Sahra Wagenknecht, Erwin Huber, AfD Brandmauer, Rassismus in Deutschland, Narendra Modi, Demenz – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 25/2024

Im Durchschnitt eine Katastrophe

Heft 24/2024 Titel: Wie gefährlich ist TikTok? 

  • Die mögliche Einflussnahme eines autoritären Regimes wie China ist natürlich politisch bedenklich. Doch Manipulation und politische Einflussnahme geschieht auf anderen Apps auch. Die AfD und deren Influencer, die sowohl Russen- als auch Chinaversteher sind, sind zum Beispiel auch auf YouTube sehr aktiv und verbreiten da ihre manipulierten Informationen und Ansichten. Noch schlimmer sind Beiträge auf Telegram. Je weniger Medienkunde und politisches Wissen vorhanden ist, desto größer der Einfluss der Plattformen und ihrer Inhalte.
    Hans Detlefsen, Hamburg

  • Sämtliche Mediennutzung muss reflektiert werden. Und zwar von Jung und Alt. Das Hauptproblem ist die Überflutung des Gehirns: Es verliert massiv an Denkfähigkeit und bekommt kaum Zeit, alles zu verarbeiten. Fragen Sie mal erfahrene Lehrkräfte, wie sich Konzentration und strukturiertes Denken seit verstärkter Nutzung der Medien verändert haben: Es ist im Durchschnitt eine Katastrophe. Währenddessen werden die Anforderungen massiv zurückgefahren, um überhaupt noch Schüler »durchzubekommen«. Die sogenannten sozialen Medien überfordern die Gehirne. Und die gesellschaftlichen Folgen – nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich – sind enorm.
    Miriam Thormählen, Großenkneten (Nieders.)

Ist es zu viel verlangt?

Heft 23/2024 Leitartikel: Die Militarisierung eines Fußballstadions 

  • Ich finde es nicht verwerflich, mit Rheinmetall zu werben. Ich fände es auch okay, die Bundeswehr als Trikotsponsor zu sehen. Das ist die neue Realität. Rüstung ist leider notwendig geworden. Damit nicht werben zu dürfen ist »wasch mich, aber mach mich nicht nass«.
    Michael Schütte, Bielefeld

  • Herr Kuzmany sagt doch selbst, dass der russische Angriffskrieg uns zwingt, Waffen zu kaufen. Ohne diese Waffen wäre die Ukra­ine verloren. Rheinmetall hilft also, die Ukraine zu retten. Der BVB lässt sich also von einer Firma sponsern, die etwas sehr Nützliches für die Ukraine tut. Und deshalb ist es zu viel verlangt, den BVB zu lieben? Das verstehe ich nicht.
    Dr. Klaus Steinvorth, Norderstedt (Schl.-Holst.)

  • Die Aussagen des Artikels teile ich in jeder Hinsicht, würde aber in einem Punkt noch weitergehen: Es verbietet sich für einen Sportverein, der für menschliche, nationale wie internationale Verständigung steht und dieses auch vermarktet, grundsätzlich, einen Werbevertrag mit einem Rüstungskonzern einzugehen. Dass es sich dabei um einen weltweiten Marktführer für Waffen- und Munitionssysteme handelt, die statistisch weltweit im Minutentakt, vielleicht auch schon im Sekundentakt, Menschen töten, macht das Ganze noch perverser. Ich habe dem BVB nach über 50 Jahren die Anhängerschaft aufgekündigt – und das unmittelbar vor einem der größten Ereignisse in der Vereinsgeschichte! Ich hoffe auf massenhafte Proteste der BVB-Anhängerschaft.
    Josef Adrian, Husum (Schl.-Holst.)

  • Danke. Spricht mir aus der Seele.
    Stefan Waldow, Bonn

  • Gehöre ich als Soldat auch zum notwendigen Übel, und sollte ich möglichst unsichtbar sein, um die von Ihnen beschriebene »Militarisierung« der Gesellschaft nicht weiter zu befeuern? Ruhig zu Hause zu sitzen und auf die he­rabzuschauen, die für Sicherheit sorgen, finde ich abstoßend.
    Martin Beyer, Berlin

Der Unzufriedenheit im Land geschuldet

Heft 23/2024 Sahra Wagenknecht und ihre Angst vorm Kontrollverlust 

  • Es erscheint so, als hätten Sie dem Bündnis Sahra Wagenknecht sechs Seiten Wahlwerbung geschenkt. Ich kann dies gar nicht gutheißen. Sie ist eine Parteigründerin und Putin-Versteherin, die alles in unserem Land negativ darstellt, keine Alternativen aufzuzeigen vermag, die Verteidigung der Ukraine gegen den barbarischen Angriffskrieg Russlands ablehnt, die Ukrainer nicht verstehen möchte.
    Constanze Stahlberg, Seevetal (Nieders.)

  • Ich fand Sahra Wagenknecht mal ganz gut, aber was sie in und seit der Coronazeit machte, finde
    ich nur noch enttäuschend. Eine Partei, die überwiegend von einer Person bestimmt wird, die Posten mit Freunden besetzt und jeden Neuzugang an Mitgliedern akribisch kontrolliert. Da wird bei Geldgebern gebuhlt, und da werden kleine Spenden nur am Rande erwähnt. Das hört sich eher nach Klub an als nach einer Partei. Wer wie Sahra Wagenknecht plötzlich Themen aus jeder Partei für sich beansprucht, sogar aus der AfD, sollte sich nicht wundern, wenn viele Wählerinnen und Wähler vermuten, dass es ihr lediglich um Taktik geht. Die teilweise Zustimmung, die sie gerade erfährt, ist wohl der allgemeinen Unzufriedenheit im Land geschuldet. Ihr Programm dürfte kaum in Taten umzusetzen sein.
    Christine Schonscheck, München

  • Sahra Wagenknecht hat mit wenigen Auserwählten eine Partei gegründet, die ihren Namen trägt. Mit ihrer hohen Selbstverliebtheit konnte ihr nichts Besseres passieren. Diese Persönlichkeitsvariante kann in der Gründungsphase ein Segen, aber in der Konsolidierungsphase ein Fluch sein.
    Friedhelm Jansen, Hattingen (NRW)

  • Grundsätzlich ist es ja löblich, wenn das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) alles versucht, um Rechtsextreme von der Partei fernzuhalten. Allerdings ist es doch sehr erstaunlich, dass offenbar niemand in der Partei noch einen Schritt weiter zurückgeht und einmal die Frage stellt, wa­rum es überhaupt so wahrscheinlich ist, dass Rechtsextreme eine Affinität zum BSW haben und dort Mitglied werden wollen. Wer das SPIEGEL-Interview mit Oskar Lafontaine vor zwei Monaten mit dem Auftritt Tino Chrupallas bei Maybrit Illner am 25. April vergleicht, ahnt, was die Gründe sein könnten.
    Silke Deyhle, Illertissen (Bayern)

  • Sahra Wagenknecht ist der Garant für den Niedergang ihrer alten Partei »Die Linke«. Ihre rhetorische und argumentatorische Perfektion, verbunden mit Attraktivität und Charisma, beschleunigen den BSW-Aufstieg. Sie ist die totale Ausnahme, weil wir heute in der Politik eigentlich nur noch das Gegenteil von Vorbildern erleben.
    Claus Kind, Remscheid (NRW)

Mehr solche Politiker!

Heft 23/2024 Ex-CSU-Chef Erwin Huber kritisiert im SPIEGEL-Gespräch seine Partei 

  • Ein großartiges Interview mit einem Politiker, der in der Lage ist, zumindest jetzt im Alter kritisch eigene Ansichten zu reflektieren. Erinnert an den späten Heiner Geißler. Wäre gut gewesen, wenn er diese Einsichten schon vor 20 Jahren gewonnen hätte. Aber dennoch: Chapeau, Herr Huber.
    Karl-Heinz Schmalt, Idar-Oberstein (Rhld.-Pf.)

  • Glückwunsch, SPIEGEL für dieses tolle Interview und Respekt an Erwin Huber. Wohltuend in dieser Zeit ist, seine Sicht zu Umweltschutz, Klima, dem Umgang miteinander, Fairness, der Letzten Generation und vielem mehr zu hören. Und dass er zugibt, durch ein Studium der Philosophie in höherem Alter eine erweiterte Sicht der Dinge zu haben. Auch die Aussagen zu Bierzelten und dem Stil der Politik, Chapeau! Ein wahrer »Sozialer Christ«. Mehr solche Politiker und weniger Aiwanger und Konsorten, und man könnte dem Freistaat von Herzen zurufen: Gott mit dir, du Land der Bayern.
    Markus Hoßfeld, Schotten (Hessen)

  • Schade, gerade bei der CSU werden die Politiker anscheinend immer erst klüger, weitsichtiger und respektvoll, wenn sie alt geworden sind. Und natürlich auch keine Rolle mehr spielen.
    Martin Fischbacher, Rohrdorf (Bayern)

  • Ich freue mich wirklich sehr, dass Erwin Huber auf seine alten Tage weiser geworden ist. Das schaffen nicht viele.
    Christian Widmann, Starnberg (Bayern)

Bauchgefühl-Wunschdenken

Heft 23/2024 Zwei CDU-Politiker diskutieren im SPIEGEL-Streitgespräch über die Brandmauer gegen die AfD 

  • Vielen Dank für das aufschlussreiche Streitgespräch der beiden Christdemokraten aus Sachsen-Anhalt – gewiss sind solche Formate erkenntnisreicher als die oft vorhersehbaren Interviews mit Spitzenpolitiker:innen. Es ist ganz und gar erschreckend, dass jemand mit den Argumentationsmustern von Herrn Räuscher für die CDU in einem Landtag sitzt. Er findet nichts falsch daran, trotz eingeräumter Unkenntnis der Faktenlage politische Schlussfolgerungen zu ziehen. Zwischen paritätischer Listenbesetzung der Grünen und NS-Nähe der AfD, die er nicht dementiert, sieht er keinen substanziellen Unterschied. Bemerkens- und lobenswert, wie geduldig und fundiert Herr Reinboth dagegenhält.
    Simon Schüler-Klöckner, Fronhausen (Hessen)

  • Die erste Frage im Interview an Herrn Reinboth, »Sind Sie in der richtigen Partei?«, setzt sich konsequent fort im Dialog mit seinem mit AfD und rechts außen liebäugelnden Parteikollegen, der antidemokratische und antisoziale Ideen für salonfähig hält und seine irrigen Kenntnisse aus Bauchgefühl-Wunschdenken bezieht: Lieber Herr Reinboth, stellen Sie Ihre zeitgemäßen und konstruktiven politischen Ziele und Werte einer (sozial-)demokratischen Partei zur Verfügung. In der CDU werden Sie nicht angemessen gehört und vergeuden Ihr Talent.
    Marie Tamm, Hannover

  • Die Antworten von Herrn Räuscher haben mich schockiert. Mit Wut im Bauch oder Schaum vor dem Mund sollte man kein politisches Mandat übernehmen. Zur politischen Verantwortung gehören ein kühler Kopf und ein klarer Verstand. Klares Unterscheidungsvermögen und ein Gespür für die Demokratie und ihre Gefahren wären hilfreich.
    Hans Babovsky, Ilmenau (Thür.)

Die Projektion von Selbsthass

Heft23/2024 Die Ausländerfeinde von Sylt sind nicht das wahre Problem in Deutschland 

  • Außerordentlich treffend beschrieben: der versteckte, in allen Bevölkerungsschichten existente Rassismus und der eigene mit allen Vorurteilen im Fokus. Diesen zu erkennen, zu reflektieren und mit Denken und Tun konsequent zu bekämpfen – das ist der Weg, der bei jedem selbst beginnt.
    Volker Wilhelmi, Wackernheim (Rhld.-Pf.)

  • Auch ich lebe seit 35 Jahren in Deutschland und kann sehr gut nachvollziehen, wenn Herr Abdollahi schreibt, dass sich Rassismus durch alle sozialen Schichten zieht. Leider wird viel zu selten daran erinnert, dass die Täter aus SS und Gestapo nach 1945 oftmals nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Als junger Arzt mit polnischen Wurzeln musste ich in den Neunzigerjahren zwei ehemalige SS-Mitglieder behandeln. Sie baten mich bei einer Arztvisite, die Tätowierungen ihrer Blutgruppe auf der Innenseite des linken Oberarmes anzuschauen. Die beiden lagen im gleichen Patientenzimmer. Sie haben mir stolz die Bedeutung der Tätowierung erklärt und dabei laut gelacht. Heute bereue ich, nicht gefragt zu haben: »Und wie viele Menschen haben Sie ermordet?« Denn auch in meiner Familie gab es Opfer des Nazi-Terrors.
    Dr. Andrezej Tomaszewski, Rotenburg/Wümme (Nieders.)

  • Kann es sein, dass wir vergessen haben, uns nach tieferen Ursachen zu fragen, wie etwa nach der alltäglichen Projektion von Selbsthass auf andere? Das geht vom Rechtsverfahren gegen Nachbarn über das Mobbing in Schulen oder gegen Arbeitskollegen, von der Abneigung gegen den einst geliebten Partner bis hin zur offenen Ablehnung von ausländischen Mitbürger:innen. Immer sind es die anderen, die unsere Unzulänglichkeiten abbekommen. Wie Juli Zeh es treffend formulierte: »Die Tragik unserer Epoche ist es, dass die Menschen ihre persönliche Unzufriedenheit mit einem poli­tischen Problem verwechseln.« Diese persönliche Unzufriedenheit ist nur mit tiefer persönlicher Einsicht und Selbstverantwortung zu managen.
    Alexander Ploner, Pfalzen (Italien)

Hoffnung für die größte Demokratie der Welt

Heft 23/2024 Narendra Modi steht vor der dritten Amtszeit als indischer Premierminister 

  • Das weckt Hoffnung! Das indische Volk sorgt für die notwendige Kurskorrektur und verhindert vielleicht, dass die größte Demokratie der Welt auf den hinduistisch-nationalistischen Weg von Modi und seiner Partei abbiegt.
    Dr. Asok Mukherjee, Erlangen

Die Erinnerung bleibt

Heft 23/2024 Was von der Liebe bleibt, wenn Menschen an Demenz erkranken 

  • Meine Frau war lange bettlägerig, konnte nicht mehr sprechen, zuletzt nicht mehr essen und trinken, hatte ihre Augen geschlossen. Aber kurz vor ihrem Tod hat sie noch einmal die Augen geöffnet, mich angelächelt, und es war deutlich, dass sie mich noch erkannt hat. Die Erinnerung hielt bis zum Tod.
    Dr. Peter Eßer, Köln

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