Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 82 / 85

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

ADHS, Bitterfeld und Elon Musk – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 4/2025

Eine gigantische Herausforderung

Heft 3/2025 Titel: ADHS – Bürde oder
Stärke? 

  • Ich bitte Sie, den Artikel über das Thema ADHS richtigzustellen. Was hilft? Das Vernetzen mit Gleichbetroffenen in den sozialen Medien. Die Beiträge von ADHS-Betroffenen helfen auch mir als »Unwissender«. Schauen Sie sich bitte hierzu unbedingt den Insta­gram-Account »kirmesimkopf« von Angelina Catarina Boerger an. Sie wurde von der SPIEGEL-Autorin Carola Padtberg nach einer ihrer Shows besucht und fand das Gespräch mit Ihrer Autorin gut. Angelina Boerger hat auf Instagram zunächst ihre Freude und dann ihre Enttäuschung und – wichtig – ihre Aufarbeitung des SPIEGEL-Beitrags veröffentlicht. Und ganz wichtig: eine »Richtigstellung« mancher Begriffe sowie ihr Bedauern, dass Sie nicht mit, sondern über die Menschen mit ADHS-Diagnose sprechen. Angelinas Postfach ist übergelaufen, schreibt sie, übergelaufen mit Reaktionen, die zusammengefasst ein kollektives »WTF« sind. Und das Traurige ist, dass die Aufarbeitung in Frau Boergers Instagram-Konto letztendlich nur jene erreicht, die sich sowieso mit ADHS und den Struggles damit auskennen. Die Einzigen, die unter Ihrem Artikel leiden, sind all jene, die mit ADHS in ihrem Leben kämpfen. Alle anderen werden in ihrer Meinung über die »Designerdiagnose« befeuert.
    Marion Gutfrucht, Mörfelden-Walldorf (Hessen)

  • ADHS – toll, dass der SPIEGEL das zur Titelgeschichte macht und damit auch das öffentliche Bild dieses Phänomens zurechtrückt.
    Dr. Jürgen Schumann, Köln

  • Als Vater eines betroffenen Jugendlichen kann ich dem Hype um die Stärken der Betroffenen nur bedingt folgen. Für betroffene Familien ist ADHS eine gigantische Herausforderung, vor allem weil das heutige Bildungssystem betroffene Kinder systematisch durch jahrelanges Unverständnis, negatives Feedback und mangelnde Unterstützung kaputt macht. Lehrer, die keinerlei Interesse für das Thema haben – auch wenn im Schnitt ein bis zwei Kinder in jeder Klasse an ADHS leiden. Und Schulleitungen, die den regelmäßigen Verfehlungen einen Ansatz entgegensetzen, der rein auf Strafe beruht. Ich kann meinem Sohn noch so viel über seine vermeintlichen Superkräfte erzählen, wer einmal einen schluchzenden 14-Jährigen im Arm hält, der – obwohl er sich bereits eine massiv dicke Haut zugelegt hat – sagt: »Diese Vorteile sind mir völlig egal, ich will einfach nur normal sein«, der kann sich das innere Leid vielleicht vorstellen. Im heutigen System können nur wenige ADHS-Betroffene die Herausforderungen durch ihre Stärken kompensieren. Es muss noch viel passieren, damit wir diese Kinder so behandeln, wie sie es verdient haben.
    Name und Wohnort sind der Redaktion bekannt

  • In den beiden Texten zu ADHS ist so gut wie gar nicht davon die Rede, welche teilweise katastrophalen sozialen Folgen ADHS für die Mitmenschen der Betroffenen hat. Zwar weiß ich als Psycho­therapeut, dass es unerlässlich ist, auch ernsthaft nach den positiven Folgen einer tatsächlichen oder vermeintlichen Störung zu fragen, aber Ihre Umkehrungen ins Positive sind maßlos. Die Lehrerinnen und Lehrer, die Eltern, die Partnerinnen und Partner, die Kinder der von ADHS Betroffenen werden wohl kaum die ständige Unzuverlässigkeit und das fortlaufende Chaos als überlegene »Kreativität« feiern, noch werden sie die ungebremste Egozentrik, das laute Herumschreien, das pausenlose Reden als vorbildliches Durchsetzungsvermögen bejubeln. Nicht jede hemmungslose Umkehrung einer Störung ins pure Gegenteil ist akzeptabel. Das souveräne Eingeständnis einer Störung ist womöglich hilfreicher.
    Prof. Dr. Bernd Scheffer, Diplompsychologe, Psychotherapeut, Kaufbeuren (Bayern)

  • Der Schulalltag für Kinder mit einer ADHS-Erkrankung ist für die gesamte Klasse und die Lehrerschaft eine immense Herausforderung. Ein ADHS-Kind hat viel Chaos in seinem kleinen Kopf, kann sich nicht konzentrieren, nicht still sitzen, stört permanent durch Aufspringen und Zwischenrufe den Regelunterricht und ist durch Ermahnungen kaum zu erreichen. Oft endet dies mit einem Klassenverweis und Wut- oder auch Weinattacken des Kindes, das sich verletzt und ausgeschlossen fühlt. Es braucht dann viel persönliche Zuwendung, um wieder etwas zur Ruhe zu kommen.
    Ursula Thielemann, Hamburg

  • Was ich gelesen habe, war überwiegend okay und richtig, aber man kann nicht das ADHS-Universum beschreiben und sich dabei auf eine Galaxie beschränken. Was Sie beschreiben, mag zutreffen auf 20- bis 50-jährige ADHS-ler, die ADHS in Reinkultur haben, gern in sozialen Medien unterwegs sind, ihr ADHS gern zeigen und sonst keine Probleme haben, also eher eine kleine Gruppe im ADHS-Universum. Ich als älterer Zeitgenosse (65 Jahre) sehe im Internet und den sozialen Medien eher einen Brandbeschleuniger. ADHS hat für mich sehr viel mit Reizüberflutung zu tun, die man einigermaßen regulieren muss. Was mir an dem Artikel fehlt, ist, dass gar nicht auf die Vielfalt von ADHS hingewiesen wird. Dass Komorbiditäten nicht mal erwähnt werden, obwohl sie für die Mehrzahl der ADHS-ler Alltag sind – dass ADHS im Alter gar nicht behandelt wird. Ich als 65-Jähriger spät diagnostizierter AD(H)Sler und Asperger finde mich nur begrenzt wieder.
    Name und Wohnort sind der Redaktion bekannt

Deutschland ist so schön

Heft 2/2025 In Bitterfeld-Wolfen prägt die AfD die Stadtpolitik 

  • Ich bin seit Kurzem begeisterte SPIEGEL-Leserin. Soeben habe ich den Artikel »So fängt es an« gelesen. Inhaltlich habe ich nichts auszusetzen, ich finde es sehr wichtig, darauf hinzuweisen, in welchem Tempo sich rechts­extreme Kräfte in unserem Land etablieren können, ohne dass die demokratischen Kräfte dem wirkungsvoll entgegentreten. Aber einen Hinweis habe ich: Ich komme aus Bitterfeld und finde es schon wichtig, dass man das Bildmaterial richtig unterschreibt. So kann man nicht nachvollziehen, ob das Foto auf Seite 27 unten in Bitterfeld oder in Wolfen aufgenommen wurde. Für die Menschen, die da leben, ist es nicht egal, ob es Bitterfeld oder Wolfen ist.
    Sylvina Vogt, Bitterfeld (Sachs.-Anh.)

  • Monatelang hat der SPIEGEL recherchiert und schließlich herausgefunden, dass die AfD-Vertreter im Stadtrat von Bitterfeld zugleich auch noch Funktionen in ihrer Fraktion und Partei ausüben – eine Form der Ämterhäufung, wie sie parteiübergreifend und bundesweit anzutreffen ist. Dass ein Stadtratsmitglied der AfD mit einer Spende für einen guten Zweck »prahlt«, dürfte ebenfalls ein parteiübergreifendes Phänomen sein, soweit Politiker denn überhaupt etwas spenden. Und wenn die Stadtratsfraktion der AfD den Einsatz von Migranten für gemeinnützige Arbeit fordert, setzt sie damit nur das um, was schon vor über zwei Jahren in Paragraf 5 des Asyl­bewerberleistungsgesetzes vom Bundesgesetzgeber vorgegeben wurde. Ich bin ein erklärter Gegner der AfD, aber wenn eine solche Ansammlung von Banalitäten und Halbwahrheiten beim SPIEGEL monatelange Recherchen rechtfertigt, bewerbe ich mich hiermit um eine – vermutlich hoch dotierte – Stelle in Ihrem Hause.
    Gerhard Leverkinck, Ochtendung (Rhld.-Pf.)

  • Bitter fällt auf, dass Demokraten – wie es scheint – nicht mehr frei ihre Meinung äußern können. »So fängt es an« ist eine dementsprechend gute Titelwahl. Wir haben nichts aus unserer Geschichte gelernt. Wie es aussieht, sollte das Thema Demokratieverständnis in verschiedenen Bundesländern mit auf den Lehrplan, sonst wird hier bald wieder das rollende R gesprochen. Dazu fällt mir dann nur noch Heinrich Heine ein: Denk’ ich an Deutschland in der Nacht …
    Michael Danders, Bochum

  • Eigentlich müsste es heißen »So fing es an.« Kohl versprach blühende Landschaften. Was nützen die, wenn durch den Raubtierkapitalismus der CDU die Arbeitsplätze weg sind? Deutschland ist so schön, wir brauchen keine Alternative für Deutschland.
    Fritz Hiltner, Cramme (Nieders.)

Heilsbringer für die Welt

Heft 2/2025 Die Politik sucht nach dem richtigen Umgang mit Elon Musk 

  • Musk hat sich ein Machtimperium geschaffen, das die Demokratie untergräbt und globale und nationale Entwicklungen in seinem verqueren Sinne zu beeinflussen versucht. Ihn kann man nur an einer Stelle treffen, nämlich bei seinem Vermögen. Für aufgeklärte Menschen verbietet sich der Kauf oder das Leasing von Teslas. Die Plattform X hat Musk zunehmend zum »Volksempfänger« umgewandelt, mit dem er selbst und andere – verstärkt über die eingebauten und Umsatz bringenden Algorithmen – Fake-Nachrichten und Hassparolen verbreiten. Klagen über die Macht von X helfen nicht weiter. Es müssen neutralere Alternativen geschaffen werden. Zum Beispiel eine Plattform, ge- und betrieben durch die klassische seriöse europäische Presse oder auch die öffentlich-rechtlichen europäischen Medien.
    Heinz Essling, Bodenheim (Rhld.-Pf.)

  • Bald wird sich Elon Musk auch in Donald Trumps Politik einmischen, so wie er das überall tut. Dann wird es zwischen den beiden gewaltig krachen. Ob Trump ihn dann ruhigstellen kann, indem er ihn noch mehr Milliarden an der Allgemeinheit verdienen lässt, wird sich zeigen; es würde diesen jedoch noch mächtiger machen. Musk sieht sich ja mittlerweile als Heilsbringer für die ganze Welt.
    Adrian Betz, Neustadt an der Aisch (Bayern)

  • Die Aussage des Grünenpolitikers Konstantin von Notz zu Elon Musks angeblicher Erkenntnis, »welch mächtiges Instrument er mit X in der eigenen Hand hält«, unterstreicht wieder einmal, wie einfältig deutsche Politiker in Bezug auf Musk immer noch denken. Ist bisher niemandem der Gedanke gekommen, dass Elon Musk X (ehemals Twitter) exakt nur zu diesem Zweck erworben hat?
    Michael Sättele, Buchloe (Bayern)

  • Elon Musk ist weder dumm noch psychisch krank. Seine wesentlichen Eigenschaften sind Skrupellosigkeit, Risikobereitschaft und Hemmungslosigkeit, gepaart mit Narzissmus und einem Gottkomplex. Das alles zusammen mit seinem Reichtum macht ihn wohl zum derzeit einflussreichsten und gleichzeitig gefährlichsten Menschen, der in der Lage ist, sich gesellschaftlichen und rechtlichen Kontrollen zu entziehen. Er hat sich bereits die weltweite Dominanz in der Raumfahrt, dem satellitengestützten Internetzugang und den sozialen Medien gesichert und nun prägenden politischen Einfluss in der führenden Weltmacht und Industrienation gekauft. Auch seinen internationalen Einfluss in Politik und Medien baut er strategisch aus. Es scheint mir fraglich, ob er noch zu stoppen ist.
    Thomas Langkabel, Bonn

Kompliment!

Heft 2/2025 Die Geschichte eines Obdachlosen, der mitten in Berlin starb 

  • Frau Wess und Herr Kalan, Ihre Reportage hat mich sehr berührt. Aus Ihren Zeilen spricht eine Menschlichkeit, eine Empathie, die mich erschüttert hat. Insbesondere Ihre Schilderung der 17-jährigen Tochter und ihres Verhältnisses zu ihrem Vater hat mich getroffen. Es waren die tief menschlichen Züge, die Ihren Artikel von den anderen Berichten hervorhoben. Dagegen verblassen die meisten der eitlen und blasierten Artikel, in denen sich oft die Selbstgefälligkeit der Autoren widerspiegelt. Kompliment! Sie haben sich eine Neugier und eine »Unschuld« bewahrt, und ich hoffe, auch in Zukunft Ihre Berichte lesen zu können.
    Thomas Schühly, Berlin

  • In unserem Land, einem demokratischen Sozialstaat, sollte es keine Obdachlosen geben, die unter Brücken und erheblichem Alkoholeinfluss erfrieren. Wir alle tragen hierfür die Verantwortung. Dies wäre ein guter Vorsatz für das neue Jahr.
    Dr. Fred Maurer, Aalen (Bad.-Württ.)

Thema 4

Heft 3/2025 Titel  / Spionagedrohnen über Deutschland 

  • Im Titelbild der Ausgabe steht groß »ADHS« und recht klein »Putins Augen über Deutschland?« Warum nicht umgekehrt? Von einem politischen Magazin erwarte ich einen handfesten politischen Aufmacher.
    Heinz Tenbusch, Hattingen (NRW)

Thema 4

Heft 2/2025 Kliniken im Osten hoffen, dass syrische Ärzte in Deutschland bleiben 

  • Beim Thema syrische Ärzte und Pflegekräfte ist der Tenor in deutschen Medien: Wir brauchen diese Kräfte dringend für unser Gesundheitssystem. Ja, aber wie egoistisch ist das denn! Braucht nicht gerade Syrien im jetzigen Stadium des Neubeginns genau so dringend Ärzte und Pflegekräfte?
    Bernd Dittrich, Homberg/Ohm (Hessen)

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