Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Ziel erreicht
Heft 27/2025 Titel: Der Weltpolizist
Das ist großer, preisverdächtiger Journalismus, weswegen ich den SPIEGEL seit Jahrzehnten abonniert habe. Besser und treffender hätte man es nicht formulieren und den, ich zitiere, »mächtigsten Selbstverliebten des Planeten« charakterisieren können. Glückwunsch an Jörg Schindler für diese journalistische Glanzleistung!
Anne Essmann, BerlinEs mag sachliche Gründe geben. Aber meiner Meinung nach verleiht man Trump unnötige Relevanz, indem man ständig und an jeder Ecke vorrangig über ihn berichtet. Häufig noch vor ebenso relevanten innenpolitischen Themen. Auch scheinen die Begriffe »Vertrag« oder »Abkommen« aus dem journalistischen Vokabular verschwunden zu sein. Stattdessen gibt es nur noch »Deals«.
Barbara Wentzell, Murg (Bad.-Württ.)Eigentlich habe ich gehofft, diesen Menschen nicht mehr auf dem SPIEGEL sehen zu müssen. Aber als wichtigtuerischer, selbstgefälliger Cop karikiert, wird er immerhin als das entlarvt, was er tatsächlich ist.
Dr. Thomas Weise, HamburgIch habe das Titelbild umgehend mit einer Beilage überklebt.
Ulrich Küster, Kerken (NRW)Trump hat sein Ziel erreicht, das seit Jahrzehnten bewährte Nato-Verteidigungsbündnis mit gleichen Mitbestimmungsrechten für alle Mitglieder in einen internationalen Großkonzern zu verwandeln, in dem er die Funktionen von CEO, Finanzchef, Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzendem in seiner Person vereinigt. Die Staats- und Regierungschefs Europas und Kanadas in ihren zukünftigen Rollen als Filialleiter haben ihm unter der eindrucksvollen Choreografie des Generalsekretärs bedingungslose Gefolgschaft signalisiert. Sie haben sich bei ihren unterwürfigen Lobpreisungen auch durch seine dubiose Ukraine-Rolle, seine Komplizenschaft mit Netanyahu und den Völkerrechtsbruch in Iran nicht beirren lassen. Es wäre aber ein Trugschluss zu glauben, dass sie sich so und mit der von Ihnen plötzlich bejubelten auf fünf Prozent erhöhten Beitragsleistung mehr Mitspracherechte bei den oft umstrittenen Aktivitäten Amerikas erkaufen könnten.
Olaf Steger, Meckenheim (NRW)In Ihrer Titelgeschichte wird ausgeblendet, dass es sich bei den Angriffen Amerikas und Israels auf Iran um einen Bruch des Völkerrechts handelt. Wie will man dann glaubhaft Putin für seinen ebenfalls völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine verurteilen? Jeder scheint jeden zu überfallen, wenn er die entsprechende Macht hat, mit teilweise fadenscheinigen Begründungen.
Dr. Bernd Trümper, HamburgEs ist verstörend, wie viel Raum dem Porträt eines faschistischen Mannes gegeben wird, wie groß die Identifikationsfläche für junge Menschen ist. Wir geben den basisdemokratischen Bewegungen keinen Raum. Menschen, die im allerkleinsten mühseligen Alltag versuchen, etwas besser zu machen. Das ist die Identifikationsfläche, die wir viel zu wenig sehen. Es gibt sie, bitte macht sie sichtbar.
Claudia Rega, Münster
Wenn die Post es denn schafft ...
Heft 27/20254 Der SPIEGEL erscheint von nun an freitags statt samstags
Endlich! Hier im hessischen Hinterland, 35 Kilometer von Frankfurt entfernt, kommt die Post samstags sehr oft gar nicht. Aber mal ehrlich: War das der Grund für die Änderung – weil es inzwischen weitestgehend überall so ist?
Anselm Klomsdorff, Rodenbach (Hessen)Ich bin schon sehr lange Abonnentin des SPIEGEL. Die Post hat es bisher geschafft, circa jede sechste Woche ihr Magazin nicht am Samstag, sondern dann erst am Dienstag darauf zuzustellen. Montags wird ja nichts ausgeliefert. Mit dem vorgezogenen Erscheinungstag geben Sie uns die Chance, endlich bis zum Wochenende Ihr Magazin zugestellt zu bekommen. Eine wunderbare Idee.
Eva Seidl-Belser Teisendorf (Bayern)Ich wohne in der Beinahe-Großstadt Ludwigshafen. Ich freute mich auf die Zustellung am Samstag, wenn es die Post denn schafft. Manchmal habe ich den SPIEGEL erst am folgenden Dienstag.
Martin Eilers, LudwigshafenIch bin seit 1959 SPIEGEL-Leser, habe diverse Änderungen bei den Erscheinungsterminen mitgemacht, von Mittwoch über Montag bis Samstag. Montags haben die Politiker in Bonn immer gezittert und gerätselt, mit welcher Schlagzeile der SPIEGEL herauskommt oder welcher Skandal des Franz Josef Strauß die Bundesrepublik erschüttern wird. Seit einiger Zeit habe ich des Öfteren Anlass, mich über die Serviceleistungen der Deutschen Bummelpost aufzuregen, kommt doch der SPIEGEL mal am Montag, Dienstag oder Mittwoch, manchmal gleichzeitig mit dem Ersatzexemplar. Und ab und zu liegt er am Samstag im Briefkasten. Ich hoffe jetzt, dass die Bummelpost
die Zustellung am Freitag oder spätestens am Samstag schafft, sodass das Wochenende für die SPIEGEL-Lektüre reicht.
Rolf Kullmann, Wuppertal
Stuhlkreis gegen Truppen
Heft 26/2025 Der Philosoph Olaf L. Müller plädiert für einen aufgeklärten Pazifismus
Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der SPIEGEL versucht, die Debatte in der gebotenen Breite darzustellen. Allerdings sollte, um dem Leser zu zeigen, dass er ernst genommen wird, ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit an den Tag gelegt werden. Die Vorstellung, man könne angreifende Invasionstruppen mit einem Becher Suppe und einem Stuhlkreis zum Stehen bringen, ist geradezu kindisch. Der Verfasser sollte sich mal mit Menschen aus Butscha, Irpin oder weiten Teilen des Donbass über den Erfolg eines freundlichen Umgangs mit den Invasionstruppen des faschistischen Kremlregimes unterhalten. Hier böten sich realistischere Erkenntnisquellen als in der angesprochenen Studie.
Dieter Eckert, Offenburg (Bad.-Württ.)Mit Suppenlöffel und hopsendem Singsang sollen wir also einer auf Aggression getrimmten Angriffswelle entgegentreten. Warum bringt der SPIEGEL – angeblich ein Nachrichten-Magazin – einen solchen Schmarren, der mit der jüngsten Vergangenheit leicht als hirnrissig zu widerlegen ist? Wie war das doch mit dem Angriff der Hamas auf friedlich feiernde Israelis? Vollgesogen mit der »Mullah-Doktrin«, stürmten die Kämpfer los und mordeten alle, die ihnen vor die Messer und Gewehre kamen. Alle ihre »Gegner« waren waffenlos und feierten zum großen Teil. Und die »Gotteskämpfer« nahmen keine Rücksicht darauf, ob ihnen ein Mann, eine Frau oder ein Kind gegenüberstand. Wenn man sich dann vergegenwärtigt, wie russische Rekruten ausgebildet werden, wie sie geschlagen, gedemütigt und willenlos gemacht werden, dann frage ich, wo soll dieser angreifende Mensch im Moment des Gegenüberstehens humane Gedanken hernehmen?
Wilfried Segatz, Zierenberg (Hessen)Dem SPIEGEL sei Dank, dass er den Beitrag von Professor Olaf L. Müller gedruckt hat. Er stützt damit das »Manifest« aus SPD-Kreisen. Sicher würden die Aufrüster auch Müller der Realitätsverweigerung bezichtigen. Ich halte die sogenannten Realisten für feige. Sie wagen es nicht, sich auf andere, humane Stärken zu verlassen als die der Waffen, zum Beispiel Verhandlungsgeschick.
Ernst F. Jochum, BonnDer vom Autor Olaf L. Müller vorgeschlagene »aufgeklärte Pazifismus« funktioniert allenfalls, wenn sich die Aggressoren dieser Zeit an die Genfer Konventionen, das Völkerrecht und an die Menschenrechte halten. Machen sie aber nicht. Die Realität zeigt, es zählt insbesondere bei Putin allein das Recht des Stärkeren. Neben Diplomatie wird zum Ausgleich der militärischen Stärke entsprechende Aufrüstung zur Abschreckung und möglichen Verteidigungsfähigkeit notwendig. Wäre der Angriffskrieg in der Ukraine mit den vielen Opfern möglicherweise ausgeblieben, wenn man 2014 die Ukraine militärisch besser aufgestellt hätte? Die Kosten für die Aufrüstung wären weitaus niedriger ausgefallen als die Kosten für den Wiederaufbau. Glaubt Herr Müller ernsthaft, allein mit smarter Aufklärung und Artillerie Tod und Zerstörung durch KI-gestützte Drohnen und Raketen aus 1000 Kilometer Entfernung verhindern zu können? Schützt ein Lied zukünftig in einem Kriegsgebiet vor Vergewaltigung? Wie viel Suppe wird Herr Müller kochen müssen, um militärisch wirksam eine ausreichende Anzahl Soldaten zum Desertieren zu überreden?
Wolfgang Packeiser, Frankfurt am MainObwohl Professor Müller so schreibt, als hätte er die Zeitenwende verstanden, und obwohl er den einseitig von deutschen Intellektuellen ausgehenden Pazifismus kritisch sieht, sind seine Schlussfolgerungen daraus schlicht falsch. Hier nur eine Passage: »Ich möchte, dass sich die Wehrpflichtigen anstelle des Dienstes an der Waffe dafür entscheiden dürfen, die Verteidigung unseres Landes mit friedlichen, gewaltfreien Mitteln des zivilen Widerstandes einzuüben.« Wie naiv muss man sein, um so etwas zu fordern, angesichts der Kriegsverbrechen der russischen Truppen zum Beispiel in Tschetschenien und in Butscha. Eines steht fest, mit zivilem Widerstand werden wir Russland nicht von einem Angriff auf Deutschland abhalten. Das derzeitige imperiale Russland versteht nur die Sprache der Stärke, und dazu zählt nun mal wirtschaftliche und militärische Stärke, aber auf keinen Fall ziviler Widerstand. Auch wäre die Behandlung dieser wichtigen Thematik als Pro und Kontra die richtige Form.
Detlef Rauch, StuttgartVon welchem Stern kommt der Verfasser eigentlich? Anders kann ich mir seine Unkenntnis über das hemmungslos brutale Vorgehen der russischen Armee gegen Zivilisten in den von ihr eroberten und besetzten Gebieten in der Ukraine nicht erklären. In Städten wie Butscha und Irpin und auch im Osten der Ukraine sind russische Soldaten mit Massenvergewaltigungen und -erschießungen über Zivilisten hergefallen. Diese Soldaten hätten sich gekringelt vor Lachen, wenn ihre Opfer sie mit Brot, Salz und Suppe begrüßt hätten.
Heide Barsiek, MagdeburgWenn wir uns 1945 in Berlin oder in meiner Heimatstadt Dresden beim Einmarsch der russischen Soldaten aus den Kellern gewagt hätten, wären viele Frauen vergewaltigt und viele Männer erschossen oder abgeführt worden. Aber selbst wenn die Helden des zivilen Widerstandes es mit außergewöhnlich freundlichen Truppenteilen zu tun bekommen und diese die angebotene Suppe dankend angenommen hätten, glaubt Herr Müller tatsächlich, dass die dann ihre Befehle nicht befolgt hätten?
Prof. Dr. Jürgen Ludwig, Zürich (Schweiz)
Wut auf die Eule
Heft 26/2025 Warum man mit -Sprach-Apps mehr daddelt als lernt
Ihr Bericht verrät Ihre Generation: Pre-Digital Native. Sie können gern weiterhin Karteikarten schreiben und eine Sprache auf die harte Tour lernen. Sie können aber auch eine App parallel zu Ihrem anderen Lernen nutzen und damit beeindruckende Fortschritte erzielen. Duolingo spricht ein anderes Lernverhalten an
als Präsenzkurse. Informationen werden Ihnen so oft präsentiert, bis sie sitzen. Ja, es stimmt, das Lernen wurde gamifiziert. Deshalb macht es Spaß.
Anette Hentschel, BerlinAuch ich bin in die Duolingo-Falle geraten, um mein Italienisch zu verbessern. Und zwar voll (»Super Duolingo Familie«, für ein Jahr 106 Euro). Nach nicht einmal zwei Wochen war ich (fleißig, aber wie bemerkt, ist ja ein Kinderspiel …) mit dem Kurs fertig. Bravo, schrieb mir der KI-Kollege von Duolingo, aber mehr als vier Kapitel gibt es für Italienisch leider nicht. Ich könnte jetzt elf Monate lang die vier Kapitel immer wieder wiederholen. Inzwischen spielen meine Enkelin (Englisch) und mein Enkel (Deutsch) mit den albernen Eulen, und die 78-jährige Großmutter wieder mit Lexikon und Grammatikbuch. Zumindest hat mich Ihr witziger Artikel zum Lachen gebracht und meine Wut auf die grünen Eulen verjagt.
Annette Laborey, Seine-Port (Frankreich)
Geschäfte mit Coronamasken
Heft 26/2025 Warum Minister Spahn offenbar auf eine Schadensersatzklage gegen eine Maskenspedition verzichtete
Eines der schlimmsten juristisch ungelösten Probleme in unserem Land ist die offensichtliche Narrenfreiheit unserer Politiker, für Millionenschäden nicht belangt zu werden. Spätestens hier merkt man, dass wir wirklich in einer Zweiklassengesellschaft leben.
Peter Ruthsch, Grafschaft (Rhld.-Pf.)
Kiel, saucool
Heft 26/2025 Die Bestsellerautorin Caroline Wahl erklärt ihre Liebe zu Kiel
Ein sehr netter Essay über eine Stadt fast ohne Windschatten, mit allerhand bemerkenswerten plus ungefilterten Draufsichten auf den hohen Norden unseres Landes.
Roland Barwinsky, Hirschberg (Thür.)
Onlinebuchhandel
Heft 26/2025 Das Geschäft mit KI-generierten Schrottbüchern
Ist der Rat von Buchautorin Mountakis, mehrere Bücher bei Amazon zu bestellen und den Schrott zurückzuschicken, ernst gemeint? Warum kein Ausflug zur nächsten Buchhandlung? Gibt es eine bessere Werbung für den stationären Buchhandel als diesen Artikel?
Johannes Hammerschmidt, Berlin
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