Briefe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 80 / 83

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Trump gegen Putin, das SPIEGEL-Gespräch mit ­Nicole Deitelhoff, das Bekenntnis eines Israelver­stehers und wie sich Männer wirklich für Feminismus begeistern lassen – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 31/2025

Genialer Artikel

Heft 30/2025 Sein bester Feind 

  • Ein hervorragendes Titelbild, das die Situation treffend beschreibt: Trump tobt, und Putin grinst und lacht sich ins Fäustchen.
    Wolfgang Greven, Mönchengladbach

  • Wer wie Trump so beständig unbeständig und absolut unberechenbar ist, kann diese Attitüde bei der politischen Journaille vielleicht als Tugend angerechnet bekommen, allerdings lässt dieser Charakterzug prospektiv keine verlässliche Deutung hinsichtlich der Perspektive seiner künftigen Beziehung zu dem eiskalten Machtpolitiker Putin zu.
    Dr. Volker Brand, Bad Oeynhausen (NRW)

  • Nach der Lektüre eines genialen Artikels, welche von Kopfschütteln, Entsetzen und einem Lachkrampf (Putin betet für Trump) unterbrochen war, bleibt das furchtbare Resümee: Die Welt wird von zwei Psychopathen regiert. Vielen Dank für Ihre Arbeit.
    Jürgen Hummler, Uhldingen-Mühlhofen (Bad.-Württ.)

Keine Kassandra

Heft 29/2025 SPIEGEL-Gespräch mit -Friedensforscherin Nicole Deitelhoff über die Wehrpflicht und Deutschlands Zukunft 

  • Dieses Interview ist erhellender, als eins mit fünf Spitzenabgeordneten des Bundestages es wäre. Glasklar hat Frau Deitelhoff die politischen und militärischen Minen und Nebelkerzen, die Herausforderungen durch die dramatische Verschlechterung der Weltordnung und der Menschenrechte beschrieben. Es wird einem himmelangst, ob sich die EU-Kernländer auch berappeln. Ein Wehr-Ruck muss durch Deutschland gehen.
    Thomas Künzer, Wetzlar (Hessen)

  • Diese Ehrlichkeit ist ungewöhnlich und nahezu unerträglich. Leider aber auch die Wahrheit. Nicht nur die politische Weltordnung ist im freien Fall. Getrieben von unserer Zahl (bald zehn Milliarden?) und dem Konsum als Ergebnis, erfolgt die Vernichtung von Natur und Rohstoffen. Die Lemminge ahnen alles, betreiben eine galoppierende Nachzucht, können aber nicht anders. Und unsere Wertewächter schauen zu. Wir sind auf dem Weg zu einer »self-fulfilling destruction«, zu einem Zivilisations­suizid. Jede »Schöpfung« hat auch eine Erschöpfung.
    Klaas Ockenga, Hassloch (Rhld.-Pf.)

  • Frau Deitelhoff sagt, es muss die Aufgabe sein, Konflikte so zu kanalisieren, dass sie nicht in Gewalt umschlagen oder dass sie gegebenenfalls schnellstmöglich beendet werden können. Als Lösung findet sie, dass der Wehrdienst dazu beiträgt, Kriege zu verhindern. Also meint sie, wir sollten aktiv werden und nicht nur Waffen liefern, sondern mitkämpfen, damit die Ukraine den Krieg gewinnt. Sie denkt, dass Russland langfristig keine prägende Rolle spielen wird, sondern sich in absehbarer Zeit China wird unterordnen müssen. Wäre es dann nicht besser für uns, abzuwarten, bis China Russland unterwirft? Eine Friedensforscherin sollte Wege aufzeigen, wie Frieden erhalten werden kann oder durch Diplomatie wiedererlangt wird. Nachdem Deutschland schon zwei Angriffskriege gegen Russland geführt hat, wären Zurückhaltung und Neutralität die bessere Lösung für Deutschland.
    Irmtraut Niemann, Bad Boll (Bad.-Württ.)

  • Weltordnung im freien Fall: »Ich kann es leider nicht harmloser ausdrücken.« Diese Frau will keine Kassandra sein. Sie zeigt nur auf, was ist – auf eine angenehme, sachlich-nüchterne Art. Ihre Stimme sollte unbedingt gehört und ernst genommen werden. Könnte helfen, die Angststarre aufzulösen.
    Ronald Günther, Breklum (Schl.-Holst.)

  • Eine hervorragende Analyse, scharfsinnig und weitsichtig zugleich. Aber wer, um Himmels willen, ist auf die Idee gekommen, sie in der Wischiwaschi-­Rubrik »Kultur« zu verstecken?
    Bernd Schwarze, Taunusstein (Hessen)

  • Frau Deitelhoff hat vollkommen recht. Das ist das beste Interview dieses Jahres, keine Publikation hat das bisher treffender gesagt. Es sollte die Vorlage für die Arbeit der Koalition in Zukunft sein.
    Josef Kreipp, Beilngries (Bayern)

Ich verstehe Israel nicht mehr

Heft 29/2025 Es ist riskant geworden, unter Bekannten zu Israel zu stehen 

  • Danke, Herr Dachsel, für Ihr »Bekenntnis eines Israelver­stehers«. Auch mir wird die Linke durch ihre Reaktion auf den 7. Oktober 2023 immer fremder. Sie haben mir aus dem Herzen gesprochen.
    Frank Penzhorn, Chemnitz

  • Wie wahr der Autor die Situation schildert. Es fehlen einem oft die Worte angesichts des in Deutschland verbreiteten, als »legitime Israelkritik« kaschierten Anti­semitismus. Eine unheilige Melange aus Linken, links-grünen Bildungsbürgern, Rechtsradikalen und einer aufgeblähten muslimisch-arabischen Community dominiert die öffentliche Diskussion und die Demo-Realität auf den Straßen. Dazu das hohle regierungsamtliche Mahnreden-Gesülze von »Nie wieder ist jetzt« – schön wär’s. Die Vertreibung jüdisch-israelischer Lokale und Läden ist in Berlin wieder salonfähig geworden. Die Opfer des Hamas-Massakers sind hingegen für viele längst nur eine historische Fußnote.
    Dr. Ernst-Christoph Meier, Kleinmachnow (Brandenb.)

  • Was für ein mutiger und hellsichtiger Artikel. Allein der Satz »Die Hamas ist eine islamistische Mörderbande, die diesen Krieg willentlich begonnen hat« sollte in jeder deutschen Schulklasse vorgelesen werden. Auch dürften linke und woke Kreise – hallo Greta – gern mal über diesen Satz nachdenken, auch wenn ich bezweifle, dass sich autoritäre Weltbilder so schnell erschüttern lassen. Solange solche Essays noch im SPIEGEL erscheinen, mache ich mir um die Pressefreiheit in Deutschland keine Sorgen.
    Thomas Geiger, Böblingen (Bad.-Württ.)

  • Felix Dachsel beschreibt eindrücklich seine Solidarität mit Israel, lässt dabei jedoch zentrale Fakten außer Acht. Israel ist – entgegen seiner impliziten Darstellung – keine reine Verteidigungsmacht, sondern in Gaza und im Westjordanland seit Jahrzehnten Besatzungsmacht, wie es Völkerrechtsexperten und UN-Gremien regelmäßig feststellen. Vor dem 7. Oktober 2023 gab es bereits massive Menschenrechtsverletzungen: systematische Siedlergewalt, gezielte Tötungen, willkürliche Inhaftierungen, darunter viele Kinder. Israel hat unzählige UN-Resolutionen ignoriert und verletzt grundlegende Menschenrechte. Dachsel schreibt, er verstehe Israel. Ich muss ehrlich sagen: Ich verstehe Israel nicht mehr – und noch weniger jene, die dessen Politik kritiklos verteidigen.
    Marc Lucas, Luxemburg

  • Ich empfehle Ihnen »Undemokratische Emotionen – Das Beispiel Israel« von Eva Illouz. Ich wüsste nicht, warum mir ein jüdischer Mensch angenehmer oder unangenehmer sein sollte als jeder andere Mensch, der mir lieb oder unlieb ist. Ich bewundere die Israelis, die gegen die Machenschaften der Regierung Netan­yahu beharrlich zu Abertausenden protestieren, auch schon vor dem 7. Oktober 2023. Ich habe Hochachtung vor der Geschichte und den Leistungen Israels. Aber diese Regierung zu beschuldigen, Kriegsverbrechen und schlimme Menschenrechtsverletzungen zu begehen, das ist kein Antisemitismus. Selbstverständlich ist es das gute Recht Israels, sich gegen die schlimmen Verbrechen der Hamas zu wehren. Aber was in Gaza geschieht, ist im besten Fall Notwehrexzess. Im schlechtesten Fall ist es die Fortsetzung eines Vernichtungskriegs aus persönlichen und innenpolitischen Motiven.
    Robert Knickenberg, Frankfurt am Main

  • Herr Dachsel bezeichnet sich als Israelversteher. Vielleicht kann er mir dabei helfen, dieses Land besser zu verstehen. Obwohl ich bis zu meinem 27. Lebensjahr dort gelebt, die Schule besucht, meinen Militärdienst abgeleistet habe und in einer Familie aufgewachsen bin, die zum Teil schon seit dem 19. Jahrhundert im Land lebt, für das Land gekämpft und es mitaufgebaut hat, verstehe ich das Land Israel und seine Entwicklungen nicht mehr. Vielleicht kann er mir erklären, wie ein Staat, der sich demokratisch nennt, eine Zivilbevölkerung kollektiv bestrafen kann. Wie ist es möglich, dass Menschen, die in einer Demokratie leben, akzeptieren, dass ihre Armee seit fast 60 Jahren Gebiete kontrolliert beziehungsweise verwaltet und das Leben der Bewohner dort – solange sie keine jüdischen Siedler sind – fast unerträglich macht? Ich versuche auch selbst zu verstehen, warum ein Deutscher diese Verstehenshaltung einnimmt. Aber ich denke, das ist ein anderes Thema.
    Danith Berman, Düsseldorf

  • Felix Dachsel schildert mit pathosgetränkter Entrüstung die Einsamkeit eines »Israelverstehers«, der sich inmitten einer vermeintlich empathieresistenten, linken Blase wiederfindet. Was auf den ersten Blick wie ein persönlicher Erfahrungsbericht wirkt, entpuppt sich bei näherer Lektüre als einseitige Moralisierung, die zentrale historische, völkerrechtliche und ethische Fragen des Nahostkonflikts verzerrt. Dachsel beklagt die Verrohung der Debattenkultur, betreibt aber selbst eine unredliche Verengung des Diskurses: Wer das Leid der Palästinenser benenne, relativiere den Judenmord der Hamas; wer Israels Militärein­sätze kritisiere, erweise sich als latent antisemitisch oder moralisch verwahrlost. Diese implizite Dichotomie – hier der moralisch integre »Israelversteher«, dort die empathielose Linke – verfehlt die Realität einer weit komplexeren und tragischeren Lage. Ja, der Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober war ein entsetzliches Verbrechen, das nicht relativiert werden darf. Aber ebenso wenig darf er als moralischer Persilschein für eine Politik herhalten, die Zehntausende zivile Opfer fordert, die Wasser- und Stromversorgung ganzer Stadtviertel kappt, medizinische Infrastruktur dem Erdboden gleichmacht – und nachweislich auch gezielt Kinder, Frauen und Rettungssanitäter tötet. Diese belegten Gräueltaten Israels bleiben in Dachsels Essay vollkommen unerwähnt. Erstaunlich ist zudem, wie unfähig Dachsel sich zeigt, auch nur ein Mindestmaß an struktureller Verantwortung Israels am Elend der Palästinenser:innen zu erkennen. Jahrzehntelange Besatzung, Blockade, Siedlungspolitik, Enteignung und Entrechtung – all das existiert in seinem Text nicht. Die palästinensische Bevölkerung erscheint ausschließlich als bemitleidenswerte Geisel der Hamas, nicht als Menschen mit legitimen Rechten. So gehen die unzähligen Nuancen, die dieser Konflikt erfordert – historische, politische, soziale und moralische –, im Pathos seiner persönlichen Betroffenheit verloren. In Zeiten eskalierender Gewalt braucht es Stimmen, die zwischen Empathie und Analyse, Schuld und Verantwortung, Identifikation und Kritik zu differenzieren wissen. Dachsels Text jedoch verwechselt moralische Gewissheit mit intellektueller Redlichkeit – und wird so selbst Teil jenes Problems, das er zu beklagen vorgibt.
    Damian Kütemann-Busch, Essen

Bis auf die Bebilderung

Heft 29/2025 Wie sich Männer wirklich für Feminismus begeistern lassen 

  • Ich gehöre zu den ersten Feministinnen in den Siebzigerjahren und predige schon lange, dass wir uns nach Jahren des oft erfolgreichen Einsetzens für die Mädchenarbeit auch den Jungen explizit zuwenden sollten. Doch wie oft wurden unsere Anträge auf eine finanzielle Förderung für die Projekte abgelehnt. Ich freue mich über das Engagement des »Bundesforums Männer«, das sich um die Aufklärung bemüht, welche positiven Anteile der Feminismus für Männer und Jungen hat. Wenn der Sozialpsychologe Rolf Pohl sagt, dass »traditionelle Männlichkeit per se ein Krisenzustand ist«, hat er absolut recht. Weder Frauen noch Männer können in einer patriarchalen Gesellschaft befreit leben. Feministinnen haben den einzelnen Mann zu keiner Zeit als Gegner betrachtet. Der Feminismus kann nur zu einer Gesellschaft in Balance führen, wenn wir den Weg gemeinsam gehen und Männer ihn unterstützen. Ich habe zwei Töchter, die im Schulbetrieb arbeiten. Nach ihren Berichten aus ihrem Arbeitsalltag haben wir nicht mehr viel Zeit, unsere Söhne vor den Krallen der Rechten zu retten.
    Siegrun Laurent, Karlsruhe

  • Ein sehr lesenswerter und längst überfälliger Artikel, den ich in weiten Teilen unterschreiben kann. Bis auf – ja, bis auf die Bebilderung. Dümmlicher hätten es die einschlägigen Klischee-Männlichkeits-Influencer wohl auch nicht hinbekommen. Wer ist dafür verantwortlich? Und wie viele Leser:innen haben den Artikel womöglich deswegen erst gar nicht gelesen?
    Harald Ströbel, Wien (Österreich)

  • Das war einer der tollsten Artikel, die ich im SPIEGEL bisher gelesen habe! Er war wohlwollend, augenöffnend und unglaublich lehrreich. Danke dafür!
    Michael Pirschel, Hannover

Dystopische Vision

Heft 29/2025 SPIEGEL-Gespräch mit dem ehemaligen OpenAI-Mitarbeiter Daniel Kokotajlo über die gefährliche Macht der künstlichen Intelligenz 

  • Irritierend, dass Sie diese dystopische Vision unreflektiert veröffentlichen. Liest sich wie Angstmache, damit es im Strandkorb nicht allzu bequem wird.
    Elise Heimbrinck, Berlin

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.

Zur Ausgabe
Artikel 80 / 83