Briefe - DER SPIEGEL
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Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Scholz spricht von Abschiebung, Deutschland an der Seite Israels, Streitgespräch zwischen Künast und Bär, Plädoyer für Optimismus – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 44/2023

Wovor haben die Deutschen Angst?

Heft 43/2023 Titel: »Wir müssen endlich im großen Stil abschieben«

  • Ich bekomme allergische Schnapp­atmung, wenn ich »Wir müssen« auf dem SPIEGEL-Titel lese. Kein Politiker schafft drei Sätze ohne dieses fehlerhafte »Wir müssen«. Seit 30 Jahren schallt es »Wir müssen« ohne jegliche Konsequenz. Ehrlich wäre: »Wir müssten eigentlich, aber leider gibt
    es keinen Plan, kein Geld oder keine Mehrheit – und keine Vorstellung davon, wer Ände­rungen durchsetzen könnte.«
    So wer­den auch die Scholz-­Sprüche zu Abschiebungen »im großen Stil« folgenlos bleiben. Die Reaktion der Wähler ist bereits deutlich, und da kommt noch mehr.
    Karl Jetter, München

  • Irgendwie bekommt man den Eindruck, der Kanzler lebt in seiner eigenen Welt. Auf jede Frage verweist er darauf, was alles bereits geschehen oder angestoßen wurde. Blöd nur, dass der Bürger davon so gut wie nichts mitbekommt. Migration beschränken, schneller abschieben – das sind die üblichen Schlagworte. Das werden ihm seine »Parteifreunde« und vor allem die Grünen nicht durchgehen lassen. Weder wird dadurch ein illegaler Einwanderer noch ein Hamas-Anhänger abgeschoben. Mir konnte noch niemand schlüssig erklären, weshalb an der deutschen Grenze niemand abgewiesen werden kann.
    Knut Kriegsmann, Ulm

  • Ein Gespräch mit Olaf Scholz zu lesen ist Zeitverschwendung. Er hat keine eigenen Ideen oder Überzeugungen. Wenn er Israel die Solidarität Deutschlands bekundet, muss er das vom Blatt ablesen.
    Irene Göhring, Schönaich (Bad.-Württ.)

  • »Es kommen zu viele«, wer hätte das gedacht. Sein Slogan müsste lauten: Wer Führung bestellt, ist bei mir an der falschen Adresse. Der SPIEGEL titelte vor einigen Wochen: »Er kann’s nicht«. Gemeint war Friedrich Merz. Auch Scholz scheint zu dieser Beschreibung zu passen. Außer Allgemeinplätzen und Evergreens im Interview keinerlei Erkenntnisgewinn. Leerstellen allüberall, die ungelöste Migrationsfrage und verquere Energiepolitik vorneweg. Trotz des Umfragetiefs nicht einmal der Versuch zu neuen Lösungsansätzen.
    Christoph Schönberger, Aachen

  • Dem Bundeskanzler mag bei vielen Grundannahmen zur Asyl- und Ausländerpolitik zuzustimmen sein, doch in einem Punkt möchte ich widersprechen: Mehr Härte bei den Ausländerämtern heißt nur, dass noch mehr der Menschen abgeschoben werden, die für die Gesellschaft ein Gewinn wären. Der SPIEGEL hat selbst über solche Fälle berichtet. Diese Menschen, die irgendwann im Verfahren mal falsch unterwegs waren, sich dann jedoch gut entwickeln und deren Kinder Abitur machen (oder eine Bäckerlehre), lassen sich eben einfacher abschieben als die Problemfälle. Was ich nicht begreife: Warum wird Zuwanderung nicht in erster Linie als Gewinn betrachtet, sondern quält sich die Debatte um die Hilfsbereitschaft der Gesellschaft, die irgendwann überfordert sei? Warum wird die Zuwanderung qualifizierter Arbeitnehmer immer noch an so viele Bedingungen geknüpft? Wovor haben die Deutschen Angst?
    Dr. Markus Fritsch, Berlin

  • Das Titelbild dieser Ausgabe zeigt einen Olaf Scholz, wie er nie
    war, nicht ist und nie sein wird: tatkräftig, führungsstark, entscheidungsfreudig, richtungsweisend. Als Bundeskanzler ist er eine Fehlbesetzung.
    Peter Kölschbach, Oyten (Nieders.)

  • Am Ende des Interviews kommt mir staunend mit Nietzsche diese Erkenntnis: Nicht die Lüge ist der Feind der Wahrheit, sondern die Überzeugung. Unsrem Kanzler ist offenbar nicht zu helfen.
    Karl-Heinz Groth, Goosefeld (Schl.-Holst.)

  • Es war zu erwarten, wie Olaf Scholz auf die Fragen antwortet – ohne Selbstzweifel mit einer gewissen Hybris. Was hat er nicht alles versprochen, und es ist nur teil­weise durchgeführt worden: etwa die Zeitenwende, der wirtschaft­liche Boom und die Frage der Migration, die er mit Leerformeln nicht lösen wird. Die Linken in seiner Partei haben angekündigt, dass sie die »neue Härte« nicht mittragen werden – und die Grünen erst recht nicht. Man glaubt Scholz nicht mehr.
    Dietlind Thiessen, Hamburg

  • Große Anerkennung für Dirk Kurbjuweit und Christoph Hickmann zum geführten Gespräch mit Kanzler Scholz. Die gestellten Fragen waren klug, hart­näckig und informativ – es war eine Freude, sie zu lesen. Ganz schwach und teilweise banal sind hingegen die Antworten von Herrn Scholz.
    Brigitte Mann, Petersberg (Hessen)

  • Das ist doch alles nichts Neues, was Herr Scholz über die an­haltende Zuwanderung nach Deutschland im Interview sagt. Die Hütte brennt doch längst lichterloh, und was er jetzt ankündigt, hätte schon lange passieren müssen. Aber wie so oft in der Vergangenheit beschleicht einen auch dieses Mal wieder das Gefühl, dass letztlich alles beim Alten bleiben wird. Das Urvertrauen ist einfach weg.
    Ursula Thielemann, Hamburg

  • Die Hoffnung, dass sich etwas ändert, ist nach diesem Gespräch noch weiter gesunken. Für mich entsteht leider der Eindruck, dass Herr Scholz seine politische Verantwortung nicht wahrnehmen will oder kann. Abdrehen in jede andere Richtung: Das ist der politische Stil seit Ampelbeginn. Der Ernst der gegenwärtigen Weltlage verlangt aber konsequentes, verantwortungsbewusstes Handeln. Davon ist nichts zu spüren. Diese Regierung stellt sich nur selbst ständig infrage.
    Klaus Detsch, Bad Saarow (Brandenb.)

  • Sag mal, träum ich jetzt – oder wacht der Regierungschef des wichtigsten EU-Mitgliedstaats endlich auf, statt dem Rest Europas weiter in den Rücken zu fallen?
    Matthias Kaiser, Schutterwald (Bad.-Württ.)

Kann man nur bejahen

Heft 42/2023 Leitartikel: Deutschland muss im Kampf gegen den Terror an der Seite Israels stehen

  • Für den grandios verfassten Leitartikel meinen herzlichen Dank. Auch ich stehe mit vollem Herzen an der Seite der Opfer. Die Hamas, diese menschenverachtenden Verbrecher, haben den Israelis bislang unsägliches Leid zugefügt. Und doch ist die Regierung Netanyahu dabei, innerhalb des Grundpfeilers der Staatsgewalt die Judikative auszuhöhlen. Verabschiedet wurde bereits das Verbot für das Oberste Gericht, Regierungsentscheide als unangemessen zu beurteilen. Geplant sind Beschränkungen der Justiz, Gesetze zu prüfen oder zu verwerfen. Künftig soll das Parlament eine normative Mitsprache bei der Besetzung von Richtern am Obersten Gericht haben. Und das sind doch Pläne, sich von einer parlamentarischen Demokratie in Richtung Diktatur zu verabschieden. Deshalb haben doch große Teile der Bevölkerung ihren Unmut über die Machenschaften der Regierung zum Ausdruck gebracht. Hätte dies, lieber Herr Kurbjuweit, in diesem Kontext nicht auch Erwähnung finden können oder gar müssen? Oder wurde die bloße Nennung der Problematik durch die aktuelle, traurige Situation nur überlagert?
    Horst Winkler, Herne (NRW)

  • Einen derart tendenziösen Leitartikel habe ich selten gelesen. Gerade von einem angeblich so erfahrenen Journalisten erwartet man ausgewogene Berichterstattung. Nehmen Sie sich ein Beispiel an der Titelgeschichte über den aktuellen Konflikt in Nahost. Dort ist auch von Pogromen die Rede, allerdings von den Siedlern im Westjordanland. Dieses wird seit Jahrzehnten völkerrechtswidrig besetzt. Im Artikel wird ein israelischer Veteran zitiert: »Menschen werden zu Terroristen, wenn sie keine anderen Optionen haben.«
    Albert Schweikardt, Stuttgart

  • Ich kann dem Leitartikel nur uneingeschränkt zustimmen: Dieser furchtbare Angriff auf Israel ist nicht zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Auch die Überschrift ist passend gewählt: »An der Seite der Opfer«. Ja, an der sollten wir stehen. Opfer gibt es jedoch auf beiden Seiten. Seit Jahrzehnten. Und die Opfer der anderen Seite litten und leiden weiterhin, etwa durch Landraub, den völkerrechtswidrigen Siedlungsbau Israels im Westjordanland und durch die fürchterlichen Lebenszustände der Palästinenser im Gazastreifen. Diese Opfer wurden weitestgehend ignoriert, erhielten und erhalten kaum eine annähernde mediale Aufmerksamkeit. Das rechtfertigt den
    Angriff auf Israel nicht, nichts kann dies tun, und schon gar nicht entschuldigen – erklärt ihn aber möglicherweise. Frieden ist nur möglich durch völkerrechtskonforme Politik und Interessenausgleich.
    Reiner Gorning, Hamburg

Die Bezeichnung Streitgespräch verdient

Heft 42/2023 Ex-Ministerin Renate Künast und Unions-Fraktionsvize Dorothee Bär im SPIEGEL-Streitgespräch über ein Prostitutionsverbot

  • Es wäre endlich an der Zeit, dass sich insbesondere die Grünen, die das gescheiterte Prostitutionsgesetz von 2002 mitzuverantworten haben, aktiv für ein Verbot nach dem Vorbild des nordischen Modells einsetzen. Dies wäre ein
    Anfang, um das menschen- und frauenverachtende System Pros­ti­tution abzuschaffen. Stattdessen outet sich Renate Künast in diesem Interview als inkompetent und ignorant gegenüber den neuesten Erkenntnissen. Die Tatsache, dass Männer sich in diesem Land Frauen wie Fleisch kaufen, benutzen und entwürdigen dürfen und sich Zuhälter und Menschenhändler skrupellos bereichern können, macht mich zornig!
    Dagmar Lommel, Esslingen (Bad.-Württ.)

  • Bravo, Frau Bär! Besser kann man die CSU nicht in Misskredit bringen. Beleidigungen unter der Gürtellinie, uneinsichtig, profilierungswütig, inkompetent beim Thema oder populistisch ausgedrückt: keine Ahnung von Tuten und Blasen.
    Stefan Wallrafen, Köln

  • Dieses Streitgespräch verdient es, zweimal gelesen zu werden. Selten so eine selbstgefällige und wenig reflektierte Gesprächspartnerin wie Frau Künast erlebt. Sie lässt sich von Fakten nicht be­irren. Statt überzeugende Argumente zu diesem brisanten Thema zu liefern, schwadroniert sie über Debattenkultur. Ein längst überfälliges Verbot der Prostitution nach dem Vorbild Schwedens hält sie für nicht zielführend. Dorothee Bär ist eindeutig Siegerin nach Punkten.
    Walter Berchtold, Fürstenzell (Bayern)

  • Endlich einmal ein Streitgespräch, das diese Bezeichnung verdient – die beiden Damen schenken sich nichts. Erstaunlich – und ein wenig ernüchternd –, dass beide für ihre diametral entgegengesetzten Auffassungen gute Argumente geltend machen können. Man hätte sich allerdings gewünscht, dass Frau Bär in ihrer Zeit als Staatsministerin für Di­gitales ein ähnliches Interesse und Engagement gezeigt hätte – dann würde Deutschland in puncto Digitalisierung vielleicht nicht den Status eines Entwicklungslandes haben.
    Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Berlin

Hier geht die Post ab

Heft 42/2023 Essay: Ein Plädoyer für mehr Optimismus

  • Nach unendlich vielen und nicht aufhörenden Nachrichten von destruktiv eingestellten Zeitgeistern endlich mal ein Essay über unsere Situation, wie sie sich wirklich darstellt. Er ist Balsam für die Seele von allen Menschen, die sich durch die permanenten Negativmeldungen am Rande der Depression bewegen. Ullrich Fichtner untermauert die These, dass man auch in schwierigen Zeiten ruhig und besonnen handeln sollte. Operative Hektik war noch nie ein guter Berater.
    Norbert Höpfner, Kronberg (Hessen)

  • In Ullrich Fichtners Essay geht die Post ab. Das unaufhaltsam exzessive Wesen des Fortschritts wird mit grenzenlosem Optimismus und Glauben gefeiert. Beneidenswert. Spontan fällt mir dabei der Text eines Songs der Band Fehlfarben aus dem Jahre 1980 ein: »Keine Atempause. Geschichte wird gemacht. Es geht voran!« Bei der Aufzählung all der fantastischen Hypothesen fehlt nur noch unsere große, weite Reise zum Mars, um dort ein weiteres menschliches Paradies aufzubauen – toi, toi, toi.
    Lothar Reese, Koblenz

  • Selbst wenn es gelänge, die positive Sichtweise einer deutlichen Mehrheit zu vermitteln, wie soll man die Putins, Assads, Kim Jong Uns, Trumps und ähnliche nachkommende Zeitgenossen zu den notwendigen Einsichten und entsprechendem Handeln bringen? Die sehen moralisches Handeln als Schwäche und leben vom Gegenteil.
    Prof. Dr. Thomas Weise, Hamburg

Nur über ihre Leiche

Heft 42/2023 Essay: Die Frau als Opfer des Literaturbetriebs

  • Den Finger genau in die Wunde gelegt! Margarete Stokowski benennt brillant und ohne Süffisanz die Entblößung intimster Beziehungen und Gefühle von Frauen durch Männer – und die Übergriffigkeit männerdominierter Verlage, diese zu veröffentlichen.
    Marika Winter, Wilster (Schl.-Holst.)

Auf geht’s in Bayern

Heft 42/2023 Kolumne: So gesehen

  • Nach Hessen- und Bayernwahl: Ich wandere nach Neuseeland aus! Die Reisevorbereitungen hindern mich, die neuesten Nachrichten zu verfolgen. Zum Glück lese ich in der Bahn zum Flieger noch die Kuzmany-Kolumne. Flugticket storniert! Ich bleibe hier, alles wird gut!
    Walter Sauter, Detmold (NRW)

»Endlich machst du mal was mit Nazis«

Heft 42/2023 SPIEGEL-Gespräch mit Zadie Smith und Daniel Kehlmann über ihre Freundschaft und Schriftstellerei

  • In einem Heft mit so viel Blut und Leiden war es eine Wohltat, über dieses Gespräch mit zwei wunderbaren Schriftstellern zu lesen.
    Fabio Monteiro, Karlsruhe

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