Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 76 / 79

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Deutsch-israelische Freundschaft während des Gazakriegs, Leitartikel über veraltete politische Gewissheiten, Gutachten zur AfD – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 22/2025
  • Glückwunsch an Ihren Grafik­designer! Ein wirklich gelungenes Cover für die Titelgeschichte.
    Winfried Abele, Turgi (Schweiz)

  • Im Intro sprechen sie mir aus der Seele: Auch eine Freundschaft sollte ehrliche Worte kennen, und zwar gerade, wenn man sich ge­genseitig achtet. Es ist wichtig (nicht nur in der Politik, sondern grundsätzlich), von außen aufs Ge­schehen zu gucken. Da können gute Freunde sehr hilfreich sein. Deutschland hätte schon früher diesem Rechtsruck der israelischen Regierung und den Tendenzen, Recht auszuhebeln, entgegentreten müssen. Wir unterstützen sie doch als liberale Demokratie.
    Ulrike Geisler, Heuchelheim (Hessen)

  • Es wurde Zeit, dass sich endlich mal etwas tut, um dieses Grauen in Gaza korrekt zu benennen. Mich stört und ärgert ungemein die Sprachlosigkeit der deutschen Regierung, sowohl der Außenminister:in als auch der diversen Kanzler und Präsidenten, wenn es um eine korrekte und der Wahrheit entsprechende Beschreibung des skrupellosen Handelns der israelischen Regierung in Gaza geht. Ich freue mich über Ihren Titel und möchte Ihnen zu dem Mut gratulieren. Auch die geöffneten Schlösser sind hervorragend dargestellt. Weiter so!
    Bernhard Haas, Freigericht (Hessen)

  • Vor etlichen Jahren, ich bin jetzt 85, war ich Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, habe Bäume für ein grünes Israel gespendet und habe selbst die schon damals stattfindenden Ausfälle des Militärs gegen Palästinenser ohne geringste Zweifel an deren Sinn akzeptiert. Das ist nun endgültig vorbei, nachdem palästinensische Zivilisten und ganz besonders Tausende Kinder durch Bomben umgebracht wurden.
    Erich Janoschek, Kaiserslautern

  • Israel muss aufhören, ein Volk zu zerstören, weil eine Terrororganisation Israel angegriffen hat. Hier werden verschiedene Dinge vermischt.
    Georg Lücke, Leichlingen (Rhld.-Pf.)

  • Endlich traut sich jemand von der seriösen Presse in Deutschland an dieses schwierige Thema he­ran. Die Sorge vor dem Antisemi­tis­musvorwurf war wohl bislang
    zu groß: Alles, was Israels Verhalten – nicht nur in Gaza – infrage stellt, wird gleich mit dieser Begründung zum Schweigen gebracht. Fast genauso beun­ruhigend wie die unglaubliche mili­tärische Rücksichtslosigkeit Israels in Gaza finde ich die »erzwungene« Sprachlosigkeit in Deutschland. Im Grunde gibt es von vielen (friedensbewegten) Deutschen eine heftige Empörung und Wut gegen dieses Israel mit seiner menschenverachtenden Vorgehensweise. Selbst die israelische Zeitung »Haaretz« wagt deutlichere Kritik, als wir es tun. Als Psychotherapeut weiß man: Aus geschlagenen Kindern (Israel) werden schlagende Eltern. Aber das heißt auch, Israel züchtet mit seinem Verhalten die nächste Generation von Kämpfern. Wir stehen an Israels Seite – aber an der Seite von Israels libe­raler Opposition.
    Rüdiger Huschke, Nürnberg

  • Ich kann es kaum ertragen, die Nachrichten über Gaza zu lesen. Unsere Schuld aus dem Zweiten Weltkrieg kann doch nicht damit gesühnt werden, dass wir zuschauen, wie anderswo brutal Menschen getötet werden und die Lebensgrundlage von zwei Millionen Personen dem Erdboden gleichgemacht wird. Unsere Regierung sollte den Mut haben, deutliche Worte und gegebenenfalls Taten folgen zu lassen. Lediglich Bäumchen zu pflanzen (Steinmeier) und lauwarm zu mahnen, ist wirklich zu wenig. Geiseln zu nehmen und zu töten, ist inakzeptabel. Zehntausende Menschen zu töten, ist inakzeptabel. Den Gazastreifen plattzumachen, ist inakzeptabel. Dazu zu schweigen, ist inakzeptabel.

  • Jürgen Weiss, Wangen im Allgäu (Bad.-Württ.)

Zuversicht würde helfen

Heft 20/2025 Leitartikel: Das Ende alter Gewissheiten überfordert die deutsche Politik 

  • Sensationell gut und kurz auf nur einer Seite zusammengefasst, wird hier der Status quo des Landes beschrieben und wie es zu ihm kam. Einen treffenderen Ausdruck als den gewählten der »Rumpelrepublik« gibt es nicht. Und wenn demnächst auch alle, nicht nur die Jüngeren, wie von der OECD festgestellt, mehr als sechs Stunden pro Tag ins Handy schauen, wird es noch rumpeliger. Vielleicht werden wir dann endlich wach, wenn uns vor lauter Rumpeln das Handy aus der Hand fällt, wir uns umsehen und auf die Idee kommen, unsere mediale Depression abzuschütteln und etwas Konkretes, Reales zu tun. Danke für diesen inspirierenden Leitartikel.
    Prof. Dr. Frank Dellanna, Köln

  • Die Analyse von Herrn Kurbjuweit ist an sich goldrichtig. Was fehlt, ist das Vermelden der Gründe und die Feststellung, dass im Moment eine Lösung der Pro­bleme nicht möglich ist. Erstens hatte die Bundesrepublik immer das Problem, dass ein Land, wo man sehr gute Sachen erfand und produzierte, leider so gut wie immer miserable Politiker hatte und hat. Daraus folgt, dass es Deutschland erst mal gelingen muss, ei­ni­ge fähige Personen für die Politik zu finden. Solche Menschen müssten eigentlich zu finden sein, von welcher Partei auch immer. Ich bin Niederländer, aber wohne nach wie vor gerne hier.
    Jan Den Uijl, Konstanz

  • Der geschätzte Chefredakteur geht hier zu weit. Es fehlt im Allgemeinen an Positivismus und Zuversicht. Es ist nicht alles schlecht, was die Ampel getan hat, im Gegenteil wurden wir
    gut durch Polykrisen geleitet. In Gefahr waren wir nie, entweder Kriegspartei zu werden oder ohne Energie dastehen zu müssen. Und die neue Regierung wird wissen, worum es in den wichtigsten Themenfeldern geht. Ein bisschen mehr Zutrauen und Zuversicht würden helfen. Stattdessen wird überwiegend kritisiert. Was grund­sätzlich ja gut ist, aber bitte nicht schon zu Beginn. Und welch Geistes Kind die AfD ist, dürfte bis auf bedauerliche 20 Prozent (fast) jeder wissen. Es gilt, gute Politik zu machen, damit es nur noch maxi­mal ein Prozent ist.
    Oliver Witzel, Köln

  • Die Metapher von der »Rumpelrepublik« ist gut gewählt, aber die Thesen zur Begründung sind höchstens die halbe Wahrheit. Der tiefere Grund ist doch das Unverständnis der Gleichung »Schuldenbremse = Investitionsbremse«. Im Rückblick hat Deutsch­land schon in den Merkel-Jahren unverantwortlich von der Substanz gelebt. Das Scheitern der Ampelregierung lag vor allem am Beharren der FDP auf der Schuldenbremse – damals unterstützt durch lautstarke Bekenntnisse der Union. Die neue Regierungskoalition von CDU/CSU und SPD wurde dann durch die Realität im Land und in der Welt eingeholt. Klar, dass einige, die die schnelle Kehrtwende von politischer Taktik zu neuer politischer Notwendigkeit emotional und kognitiv noch nicht verarbeitet haben, die Kanzlerwahl zunächst platzen ließen.
    Dr. Rudolf Winkel, Müllheim (Bad.-Württ.)

  • Die Regierenden müssen bürgernaher werden und sich der Sorgen und Ängste der Bürger annehmen. Dazu gehören Themen wie soziale Gerechtigkeit, Bildung, sozialpartnerschaftliche Leistungs­bereitschaft von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Einschränkung der Bürokratie, Durchsetzung der Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung, Überzeugungsarbeit für notwendige öffentliche und militärische Sicher­heit sowie eine Enttabuisierung der entgleisten Migrationsthematik bei gleichzeitiger Öffnung für Erwerbsmigration, besonders von Fachkräften. Die demokratische Mitte muss diesen Kraftakt leisten. Sonst geben wir den dema­gogischen Demokratieverächtern eine Steilvorlage.
    Peter Schmitz, Waldshut (Bad.-Württ.)

  • Lasst doch mal Friedrich Merz mit seiner Truppe in Ruhe ar­beiten. Vielleicht gelingt es ihm, Despoten wie Trump, Putin, Erdoğan und Orbán auf den Boden der Tatsachen zu holen und in Deutschland aufzuräumen. Ich gratuliere ihm von ganzem Herzen zur Wahl als Bundeskanzler. Übrigens, der neue Papst wurde im vierten Wahlgang gewählt und super gefeiert.
    Claus Dommasch, Eitorf (NRW)

  • Ich bin ja selbst nur ein junger Westberliner, aber den Absatz über die deutsche Einheit fand ich etwas seltsam formuliert: Die deutsche Einheit sei nicht geglückt, »was gerade viele Ostdeutsche so empfinden, die sich immer noch zurückgesetzt fühlen«. Soweit ich weiß, sind die Ostdeutschen vor allem wirtschaftlich in einer schlechteren Lage als die Westdeutschen. Sie fühlen sich doch nicht nur so. Wäre ich Ostdeutscher, würde mich ihre Formulierung Wut empfinden lassen. Die grundsätzliche Analyse in Ihrem Leitartikel fand ich aber spannend, gerade die Idee, dass die immer größer werdende Souveränität Deutschlands die wirtschaftlichen He­rausforderungen vielleicht mitverursacht. Das hatte ich davor noch nicht gehört.
    Loïc Hesse, Berlin

Nehmt der AfD die Migration!

Heft 20/2025 Das steht in dem vertraulichen Gutachten des Verfassungsschutzes über die AfD 

  • Die AfD zu verbieten, halte ich für völlig falsch. Das kreiert einen Opfermythos und verschafft ihr noch mehr Stimmen. Sie verschwände dann vom Wahlzettel, aber nicht aus der Mentalität der Wähler. Die ist damit nicht aus der Welt. Das muss politisch gelöst werden. Nach 2015 wurde zehn Jahre lang nichts für eine wirkungsvoll kontrollierte Mi­gration auf den Weg gebracht. Bis 2029 hat Schwarz-Rot Zeit, das zu ändern. Die 20,6 Prozent Stimmenanteil der AfD müssen runter! Also, Berlin: Nehmt der AfD endlich die Migration, und ihr nehmt ihr die Hälfte der Wählerstimmen.
    Eberhard Kraske, Rimsting (Bayern)

  • Ich habe diesen Artikel sowie die anderen Texte über die AfD im selben Heft gelesen und bin frustriert: Erstens würde das Scheitern eines Verbotsverfahrens von der AfD als grandioser Sieg gefeiert, und sie würde womöglich noch attraktiver für Wähler:innen. Zweitens nutzen AfD-Politiker:innen alternative Fakten, die eine sachliche Auseinandersetzung mit politischen Mitbewerbern konterkarieren.
    Maria Haberl, Neustadtl an der Donau (Österreich)

  • Ich würde mir wünschen, dass unsere Parteienlandschaft ohne die AfD auskäme. Das wahre Problem ist aber doch, dass sich eine signifikante, zuletzt steigende Anzahl von Menschen von den etablierten Parteien abwendet und sich von der AfD vermeintlich gesehen und gehört fühlt. Lange Zeit hat man AfD-Wähler per se als rechts abgetan, statt sich damit auseinanderzusetzen, warum sie sich von den etablierten Parteien nicht mehr vertreten fühlen. Nun werden Brandmauern gezogen, und man verbeißt sich möglicherweise in ein Parteiverbotsverfahren. Selbst wenn dieses Verfahren in ein Verbot münden sollte – glaubt denn wirklich jemand, dass die Mehrheit der AfD-Wähler dann ihr Kreuz wieder bei den etablierten Parteien macht? Das Grundproblem wäre nicht gelöst. Alle Parteien müssten ihre Arbeit und speziell deren Wirkung auf die Bevölkerung kritisch hinterfragen und sich zumindest eingestehen, dass sie einen nicht unerheblichen Teil der Menschen schon lange nicht mehr erreichen. Bei aller berechtigten Kritik an der AfD kommt mir diese Einsicht und Selbstkritik viel zu kurz.
    Sarah Ruhnau-Hochstein, Borken (NRW)

Ein sanfter Löwe

Heft 20/2025 Was erwartet den neuen Papst Leo XIV.? 

  • »Jetzt auch noch ein amerikanischer Papst?« Ja! Vielleicht ist er im Moment der Einzige, der mit Trump und Putin auf Augenhöhe reden kann. Vielleicht wird man rückblickend sagen: der richtige Papst zur richtigen Zeit. Denn lange nicht war die Hoffnung auf einen Friedenspapst so groß wie jetzt.
    Uwe Heinemann, Arnstadt (Thür.)

Dann zog er die Tür hinter sich zu. »Tschüss«

Heft 20/2025 Wie die Autorin nach dem Suizid ihres Vaters weiterlebt 

  • Dieser Essay von Shoko Bethke hat mich sehr berührt. Wahrscheinlich weil ich meinen Vater früh durch einen Herzinfarkt verlor. Damals, 1990, dachte niemand daran, dass eine Therapie helfen könnte. Es ist schön, zu sehen, dass heute auch über Depression und Trauerbewältigung offen geredet wird.
    Jan Rohleder, Werne (NRW)

Bleibt unter uns

Heft 20/2025 Kolumne: So gesehen – Das geheime Bekenntnis eines Merz-Nichtwählers

  • Ein feuilletonistisches Glanzstück, mit das Beste, was im SPIEGEL je veröffentlicht wurde. Diese Satire hätte nach ganz vorne zu den ernsthaften Kanzlerwahl-Beinahekatastrophe-Analysen im Heft gehört.
    Anton Leo, Hamburg

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