Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 80 / 83

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Merz’ Fehlstart, Jens Spahn, Schulpolitik – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 21/2025

Misstrauen in der Bevölkerung

Heft 20/2025 Titel: Protokoll eines Fehlstarts 

  • Dieses Cover ist richtig gut geraten. Bitte weiter so.
    Monika Stobbe, Hamburg

  • Ich habe mich über den Titel »Protokoll eines Fehlstarts« geärgert. Solche holzschnittartigen Kommentare zu komplexen Problemlagen fördern für mein Verständnis Unsicherheit, Unmut, Groll und damit ein Abdriften in extreme Denkweisen. Wie wäre es, so etwas zu schreiben wie: »Trotz holprigem Start eine gute Hand«. Es ist mir unverständlich, dass Sie als Medienschaffende sich offensichtlich nicht über die Wirkung dieser dramatisierenden und negativen Berichterstattung beziehungsweise Bildgestaltung im Klaren sind.
    Barbara Neurohr, Saarbrücken

  • Dass Friedrich Merz im ersten Durchgang zur Wahl des Bundeskanzlers die erforderliche Mehrheit nicht erhielt, ist nicht verwunderlich, da ihm gegenüber nicht nur in den Koalitionsfraktionen, sondern in weiten Teilen der Bevölkerung ein abgrundtiefes Misstrauen besteht. Es kann zu Recht gefragt werden, ob Friedrich Merz der Kanzler der in Deutschland lebenden Bürgerinnen und Bürger sein will und kann. Daran gibt es berechtigte Zweifel, wenn man seine früheren Äußerungen zur Migration betrachtet. Ebenso propagiert er ein sehr konservatives gesellschaftliches Leitbild, das wenig Raum für andere gesellschaftliche Entwürfe lässt. Außerdem hat Friedrich Merz bisher keine politische Verantwortung tragen müssen, die das Integrieren und den Ausgleich unterschiedlicher Positionen erfordern würde. Vielleicht liegt darin ein schwerwiegender Mangel.
    Uwe Müller, Stuttgart

  • Zum Protokoll des Fehlstarts gehören auch die Namen derer, die ihn verursacht haben, damit der Souverän weiß, wem er vertrauen kann und warum. Das nur der Klatsch- und Tratschpresse zu überlassen, sollte der SPIEGEL nicht zulassen. Investigative Recherchen dienen der Glaubwürdigkeit politischen Handelns.
    Harald Dupont, Ettringen (Rhld.-Pf.)

Eine fulminante Bruchlandung

Heft 19/2025 Jens Spahn wartet hinter Friedrich Merz auf seine Chance 

  • In zumindest einer Personalie verstolpert Friedrich Merz sich und schießt ein womöglich spielentscheidendes Eigentor. Die Besetzung des Fraktionsvorsitzenden mit dem AfD-Romantiker Jens Spahn bedient alle Träume der AfD. Was hat er sich dabei gedacht?
    Michael Zimmermann, Butzbach (Hessen)

  • Jens Spahn sollte sich davor hüten, die CDU für eine Zusammenarbeit mit der AfD zu öffnen, ist diese Partei doch gesichert rechtsextremistisch. Aufgabe für Spahn und seine CDU sollte es stattdessen sein, die 152 AfD-Abgeordneten im Bundestag argumentativ einzuhegen, ihnen rhetorisch den Giftzahn zu ziehen und so die Demokratie zu stärken. Besser wäre es allerdings, diese Partei, die vor lauter Machtbesoffenheit der Demokratie an den Kragen will, zu verbieten.
    Klemens Hofmann, Marbach am Neckar (Bad.-Württ.)

  • Der spahnsche Testballon, die AfD als normale Partei behandeln zu wollen: Man darf wohl davon ausgehen, dass dies kein Vorstoß auf eigene Faust war, sondern der abgestimmte Versuch, die Lage zu sondieren. Glücklicherweise war die Reaktion klar – entscheidend sicher auch das langersehnte Gutachten des Verfassungsschutzes – und damit für Herrn Spahn eine fulminante Bruchlandung. Trotzdem macht dieser Versuch, die Grenzen der Demokratie auszutesten, nervös. Insbesondere deshalb, weil dieser Vorstoß nicht von irgendeiner unbekannten Hinterbänklerin oder einem Hinterbänkler kam, sondern aus der Herzkammer der CDU, wie es in Ihrem Artikel ja auch noch einmal deutlich wird.
    Dr. Christopher Schippers, Aachen

  • Jens Spahn versucht bereits jetzt, die Weichen für seine Kanzlerschaft in spätestens vier Jahren in einer Koalition mit der AfD zu stellen. Wahrscheinlich wird es nur zur Vizekanzlerschaft unter Alice Weidel als Kanzlerin reichen, quasi als Juniorpartner.
    Josef Backes-Bey, Schriesheim (Bad.-Württ.)

  • Unfähig, unerschrocken und unsolidarisch. Kaum ein Politiker verkörpert derart die Arroganz der Macht wie Jens Spahn. Nur: Die Öffentlichkeit vergisst schnell. Gesundheitsminister war nicht sein Wunschposten. Als Corona ausbrach, muss er geahnt haben, dass ihn dies überfordert und wenn nicht das Amt kostet, so doch für kein weiteres empfiehlt. Die Kanzlerin ließ ihn gewähren. Sie griff auch nicht ein, als er zunächst seine Immobiliendeals ins Trockene brachte, die Pandemie konnte warten. Bei den unrühmlichen Maskendeals ist seine Rolle bis heute ungeklärt – was ihn nicht daran hinderte, sich in die Diskussion um den Paragrafen 218 einzumischen. Er, der von der gesellschaftlichen Liberalisierung profitiert und seinen Mann ge­heiratet hat, möchte bezüglich Schwangerschaftsabbrüchen wieder ins Mittelalter zurückkehren. Ach ja, die AfD könnte man nun als Nächstes normalisieren. Sollen sie gegen schwule, lesbische oder non-binäre Menschen hetzen – er ist fein raus.
    Karin Unkrig, München

  • Der Bundesfinanzminister verfügt nach dem Bundeskanzler über das wichtigste und vielleicht schwierigste Amt in einer Bundesregierung. Daher war es ein Fehler von Friedrich Merz, seinem kleineren und geschwächten Koalitionspartner SPD das Bundesfinanzministerium zu überlassen. Denn sonst hätte die CDU-Allzweckwaffe Jens Spahn als Finanzminister beweisen können, was er einst unter Wolfgang Schäuble gelernt hat. Somit wären dann vermutlich auch Spahns Ambitionen auf Merz’ Kanzleramt weg gewesen.
    Manfred Radina, Schweinfurt

Ideologie statt Kindeswohl

Heft 18/2025 Alle wollen aufs Gymnasium, fast niemand auf die Hauptschule – warum das ein Problem ist 

  • Weil alle aufs Gymnasium wollen, muss das Gymnasium weg – was ist das denn für eine Logik? Experten, die fordern, dass alle Schüler auf eine gleiche Schulform gehen müssen, machen Kinder zum Objekt ihrer eigenen Vorstellungen und missachten die individuellen Rechte der Kinder und ihrer Eltern. Kollektivistische Systeme sind verfassungswidrig. Dass andere Länder ihre jeweiligen Schulsysteme ganz unterschiedlich organisieren, ist irrelevant. Die anderen Länder haben nicht unsere Verfassung.
    Dr. Jens Rinze, Oberursel (Hessen)

  • Für wen halten wir uns, dass wir uns erdreisten, komplexe Persönlichkeiten mit zehn Jahren in Schubladen stecken zu wollen? Was für ein Irrsinn. Egal, welche Kriterien wir anlegen – es wird scheitern. Was wir brauchen, sind keine mittelmäßigen »Eliten«. Wir brauchen couragierte, selbstbewusste und neugierige Persönlichkeiten. Diese entwickeln sich aber nicht, wenn sie in Systemen lernen, die ihnen genau das austreiben. Anscheinend ist für uns Mittelmaß ausreichend, wie übrigens in vielen anderen Bereichen in Deutschland auch: Wir verwalten nur noch – Mut fehlt uns schon lange. Ein im Übrigen sehr guter »Schul-Artikel« der Redakteurinnen Silke Fokken und Swantje Unterberg.
    Andreas Pelzer, Monheim (Bayern)

  • Als pensionierte Lehrerin (Oberstudienrätin, circa 20 Jahre Gesamtschule, circa 20 Jahre Gymnasium), die den Artikel gut recherchiert und damit hilfreich findet, vermisse ich darin jedoch zwei Aspekte, die zentral sind. Erstens: Den Föderalismus im Bildungssystem, dessen historische Begründung unzeitgemäß ist, der zu Ungleichheit in den Bedingungen führt, grundsätzliche Änderungen im System erschwert und im Einzelfall (beispielsweise bei Ortswechseln) unnütze Reibungsverluste zur Folge haben kann. Zweitens: Die Lehrerinnen und Lehrer, die zum einen durch ihren eigenen Weg tendenziell vielfach gymnasial geprägt sind und zum anderen in ihrer Ausbildung (für Sekundarstufen) wenig zum Umdenken angeregt werden. Die Beharrungskräfte sind also gewaltig, auch über das im Artikel Referierte hinausgehend. Einschneidende Umstrukturierungen können deshalb nur mit langer Vorlaufzeit und umfangreicher Einbindung aller beteiligten Gruppen gelingen.
    Marie Harms, Göttingen

  • Im SPIEGEL Nr. 1/2025 äußerte in einem Interview der international renommierte Bildungsforscher John Hattie wörtlich: »Auch wenn es schwierig ist, muss jemand den Mut haben, auf eine Änderung des deutschen Schulsystems zu drängen.« Silke Fokken und Swantje Unterberg leisten dazu sicher einen Beitrag. Was in ihrem Artikel ablesbar ist: Das deutsche mehrgliedrige Schulsystem hat seine Wurzeln in der Kaiserzeit. Auch wird deutlich: Das bestehende Bildungssystem ist in den Streit der Parteien geraten, und die überfällige Weiterentwicklung wird dadurch verhindert. Die Wissenschaft hat längst nachgewiesen, dass ein längeres gemeinsames Lernen für die Kinder und übrigens auch für die Gesellschaft von Vorteil wäre. Die Vorschulzeit und Schule selbst sollten Sache von Wissenschaftlern und nicht von Politikern sein.
    Helmut Gattermann, Merzhausen (Bad.-Württ.)

  • Ich bin Lehrer an einem Berliner Gymnasium und sehe in Ihrem Artikel Behauptungen, die sich in meiner täglichen Arbeit völlig anders darstellen. Die Personalausstattung ist an einer Gesamtschule (ISS in Berlin) definitiv besser als an einem Gymnasium: maximal 28 Schüler (statt 32) und teilweise Doppelsteckung im Unterricht. Und: Herr Hattie fordert einerseits ein Gesamtschulsystem, stellt aber auch in der Hattie-Studie die These auf, dass die Größe der Lerngruppe keinen Einfluss auf den Lernerfolg hat. Wenn man dem folgt, hätten wir keinen Lehrermangel mehr. In Berlin hat man versucht, das Gymnasium abzuschaffen. Über den Umweg der alleinigen Elternwahl hat man das Gymnasium mit Schülern geflutet, die dort völlig überfordert waren. Gleichzeitig hat man die Inhalte unverändert gelassen. Die Folge: siebte Klassen mit Zwölfjährigen, die ein Jahr lang mit Fünfen und Sechsen nach Hause kamen, Ausweichverhalten, Aggressivität, Schulabsenz. Ideologie statt Kindeswohl und der Platz als bundesweites Schlusslicht beim Bildungserfolg. Ab dem nächsten Schuljahr ist es glücklicherweise wieder anders. Das Gymnasium ist nicht für jeden geeignet. Gras wächst ja auch nicht schneller, wenn man daran zieht.
    René Kuhlemann, Berlin

  • In dreißig Jahren Schuldienst am Gymnasium habe ich eine zunehmende Polarität erlebt. Auf der einen Seite verwöhnte Schülerinnen und Schüler, die von zum Teil übergriffigen Helikoptereltern bis zum Abitur gepusht wurden, zu wenig Selbstständigkeit entwickelt haben, da Papa und Mama bis zum Schluss an den Hausaufgaben, Referaten und Facharbeiten »mitgewirkt« haben. Hier ist der Bildungserfolg fraglich. Auf der anderen Seite stehen die Kinder, die von klein auf zu wenig elterliche Fürsorge bekommen haben, die ohne Frühstück zur Schule kommen, zu wenig Unterstützung vom Elternhaus erhalten. Beide Extremgruppen sollten uns Sorge machen. Nach meiner Erfahrung geht es bei der Schulartwahl nicht in erster Linie um den IQ. Es geht um Lerninteresse, Lerntempo, Konzentrationsfähigkeit, Resilienz. Warum sollte nicht, wer nicht über Schillers Maria Stuart im Zentralabitur Deutsch unterrichtet werden möchte, nach der zehnten Klasse die Schule verlassen, um eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen? Warum fordern wir in einer vielfältigen Gesellschaft ein auf angeblicher »Gleichheit« basierendes Schulsystem? Gleichschrittiges Lernen ist ein Kon­strukt, das in der Realität vollkommen scheitert.
    Jutta Steffen-Faulhaber, Studienrätin a. D., Aukrug (Schl.-Holst.)

  • Grundsätzlich wäre es gut, wenn die Kinder länger in der Grundschule verweilten. So hätte man mehr Gelegenheit, angemessen auf die individuellen Stärken und Schwächen zu reagieren und die passende weiterführende Schule zu finden, an der das Kind bestmöglich gefördert, aber nicht überfordert wird. Erfolg ist bekanntlich der beste Lehrmeister. Daher sollten Eltern davon Abstand nehmen, ihr Kind auf eine weiterführende Schule zu schicken, die das Kind leistungsmäßig überfordert, zum Beispiel auf ein Gymnasium.
    Gabriele Gottbrath, Rektorin i. R., Gladbeck (NRW)

  • Leider wurden in dem Artikel nicht die hervorragenden Schulen des zweiten Bildungsweges erwähnt: Höhere Handelsschule, Technikerschule und so weiter. Dazu kommt noch die duale Berufsausbildung, mit der man in Deutschland Berufe lernen kann, für die man woanders studieren muss, beispielsweise Krankenpflege. Probleme, die man von einigen Schulen des ersten Bildungsweges hört, sind in den berufsbildenden Schulen unbekannt.
    Margot Rybka, Köln

Von weit rechts

Heft19/2025 Ein konservativer Kulturstaatssekretär kann eine Chance sein 

  • Dass Wolfram Weimer der richtige Mann für die Kultur ist, wage ich ganz stark zu bezweifeln. Er kommt von weit rechts daher. Es verbietet sich daher auch, Claudia Roth mit ihm zu vergleichen.
    Lothar Wirth, Berlin

Ende der Dauerpräsenz?

Heft 19/2025 Der Machtkampf im Bündnis Sahra Wagenknecht geht weiter 

  • Dem steilen Aufstieg von Frau Wagenknecht folgt nun der tiefe Fall. Sie hat sich selbst demontiert. Man kann nur hoffen, dass damit auch ihre Dauerpräsenz in den Medien endlich ein Ende findet.
    Dr. Hubert Hofmann, Immenstaad (Bad.Württ.)

Entlarvend

Heft 19/2025 Demokratieforscher Larry Diamond über Trumps Angriff auf den Rechtsstaat 

  • Dieses Interview darf man getrost als historisch bezeichnen: entlarvend, augenöffnend, einen Schock. Es liest sich wie eine Wegbeschreibung zum Marsch in die Autokratie.
    Peter Hülcker, Norderstedt (Schl.-Holst.)

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