Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Zu lange die Augen verschlossen
Heft 42/2023 Titel: Krieg in Nahost
Mit militärischer Logik hat der Angriff der Hamas auf Israel sicherlich nichts zu tun. Es gibt im Nahen Osten kein Land, das Israel militärisch auch nur annähernd gewachsen ist. Der Hamas-Angriff kann also nur symbolischen Wert haben oder ein Versuch sein, einen Flächenbrand auszulösen, um die Kräfte zu bündeln. Wütend bin ich aber auch auf die westlichen Regierungen, denen es seit der Gründung Israels 1948 nicht einmal im Ansatz gelungen ist, dort für Frieden und eine gerechte Zwei-Staaten-Lösung zu sorgen. Dies rächt sich nun auf schreckliche Weise.
Dr. Jürgen Schöfer, Manila (Philippinen)Krieg empfinde ich als einen sehr schlimmen Zustand, wo auch immer er stattfindet. Deshalb frage ich mich, wieso es so weit kommen konnte – und ob es nicht auch andere Lösungen gegeben hätte. Es gibt (gefühlt) immer eine Alternative, alternativlos ist im Grunde nichts, aber diese anderen Möglichkeiten gibt es immer seltener. Man haut lieber gleich ganz ordentlich dazwischen, egal wie viele, meist unschuldige Menschen für diesen Wahnsinn mit ihrem Leben bezahlen müssen.
Riggi Schwarz, Büchenbach (Bayern)Die Titelgeschichte lässt leider die historische Genesis des Konflikts außer Acht. Sie ist jedoch zum Verständnis der jüngsten Zuspitzung unerlässlich.
Rainer Werner, BerlinNicht nur aus historischer Verantwortung muss Deutschland Israel beistehen, sondern auch weil das Land in feindlicher Umgegend das einzige Bollwerk gegenüber einem antiwestlichen Wertekanon ist.
Christoph Schönberger, AachenIch habe lange darüber nachgedacht, welches Titelbild Sie für den grausigen Terror der Hamas wohl wählen würden. Ich bin zu keinem Ergebnis gekommen. Ihre Lösung – ein schmerzgekrümmter israelischer Soldat, die Waffe nach hinten, der Tröstung bedürftig – überzeugt mich.
Dietrich Steinwede, BonnDer EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat mit Bezug auf die Lage in Israel und eine Zwei-Staaten-Lösung gesagt: »Die Welt hat kläglich versagt.« Mehr ist dazu nicht zu sagen. Er hat recht.
Lothar Wirth, BerlinDer tief sitzende Hass zwischen Arabern und Juden hat sich in den Terrorattacken der Hamas entladen. Vor diesem Hass wurden zu lange die Augen verschlossen. Die Bundesregierungen, die US-Regierungen sowie die Uno haben über Jahrzehnte geglaubt, durch Abkommen und Vereinbarungen ein friedliches Zusammenleben zwischen Palästinensern und Juden herbeiführen zu können. Nun sehen wir, dass sie gescheitert sind.
Andreas Meißner, Tutzing (Bayern)Angesichts der barbarischen Terrorangriffe der Hamas auf den Staat Israel ist die SPIEGEL-Ausgabe 42/2023 ein Beispiel für ausgeglichene Berichterstattung. Wichtig für mich ist, dass Sie die Berichterstattung über die Hamas-Barbarei an erster Stelle bringen. Ich kann nicht verstehen, wenn in vielen öffentlich-rechtlichen Medien zuerst auf die palästinensischen Opfer eingegangen wird. Oft erscheinen mir die Berichte dann wie ein Aufrechnen von Opferzahlen ohne Wertung. Bisher vermisse ich auch Aufrufe oder zumindest Angaben zu Spenden für die Menschen in Israel in den Medien. Unverständlich ist für mich auch, dass die israelische Fahne vor öffentlichen Einrichtungen – wie in Dresden – nur einen Tag wehte. Staatsräson sollte da mehr sichtbare Solidarität bedeuten.
Peter Geyer, Dresden
Sprengstoff für den Generationenkonflikt
Heft 41/2023 SPIEGEL-Gespräch mit Wirtschaftsminister Robert Habeck und Politologe Ivan Krastev
Und nun, in Zeiten der notwendigen Transformationen, kein Wort mehr von der beispiellosen Innovationskraft Deutschlands. Jene Generation, die vom Aufschwung enorm profitiert hat, lässt die Maske fallen und entlarvt sich als Blockierer. Das ist Sprengstoff für den ohnehin schwelenden Generationenkonflikt. Man klammert sich an dieses bereits verblasste Wohlstandsnarrativ und meint, es in die Zukunft fortschreiben zu können, versucht, rückwärts blickend vorwärtszugehen, und treibt das gesamte Land ins Reaktionäre – der ideale Nährboden für die AfD und die Aiwangers. Etwas naiv und simplifizierend wird die Ursache in der mangelhaften Kommunikation der Bundesregierung ausgemacht, ohne das oben beschriebene Mindset der vorangegangenen Generationen analysieren zu wollen. Und um dem Ganzen noch eins draufzusetzen, meint man nun, bei den Grünen die Schuldigen gefunden zu haben.
Helmut Fian, Wien (Österreich)Wer wie Herr Krastev behauptet, Klimaschutz sei ein linkes Thema der jungen Generation und die schnellstmögliche Senkung der Emissionen eine Glaubensfrage, ignoriert die seit Jahrzehnten bekannten wissenschaftlichen Fakten und behindert gleichzeitig entschlossenes Handeln.
Dr. Alexander Grevel, Freiburg
Auch mal melden, was gut ist
Heft 41/2023 Warum »Sagen, was ist« heute wichtiger ist denn je
Dirk Kurbjuweit spricht alles so aus, wie ich es denke, und schreibt es nieder, wie ich es nie könnte. Er ist der richtige Mann am richtigen Ort. Und jetzt ab mit dem Essay zu den Bildungseinrichtungen. Das sollte für ganz Deutschland Lehr- und Diskussionsbasis werden.
Ulli Stein, ErlangenDer Essay von Dirk Kurbjuweit ist ausgezeichnet, weil er nicht nur die Politik, sondern zugleich auch die Gesellschaft verantwortlich macht für ihre Zukunft. Nur in der Demokratie hat die Gesellschaft die Regierung, die sie verdient. Es ist schon schwer, in Deutschland allen gerecht zu werden; wir meckern gern und zu viel, sind auf hohem Niveau oftmals unzufrieden, erwarten vom Staat die Erfüllung unserer Wünsche und machen ihn grundsätzlich verantwortlich, wenn er nicht alle Wagnisse des Lebens verhindert. Eine Gesellschaft kann sich auch selbst entmündigen. Wagen wir eine gewisse Gelassenheit im Rahmen unserer Möglichkeiten.
Gernot Hilge, MünsterAls langjähriger SPIEGEL-Leser hat mir diese Ausgabe besonders gut gefallen! Die Serie über Augstein, seine jungen Jahre und die Entstehung des Magazins sind sowohl spannend als auch informativ – und ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Besonders angetan hat es mir der Essay von Herrn Kurbjuweit. Vor allem seine Feststellung, dass viele Medien – auch der SPIEGEL – sich oft auf Negatives beschränken und auch mal vergessen zu melden, was es Gutes gibt. Meiner Meinung nach hat dies einen großen Teil dazu beigetragen, dass die AfD so schnell wachsen konnte. Es ist nun einmal so, dass heute vielfach nur noch mit Schlagzeilen operiert wird und speziell von den jüngeren Generationen keine tiefer gehende Information mehr nachgefragt wird. Leider muss ich das auch im näheren Bekanntenkreis feststellen.
Franz Koshorst, KasselDirk Kurbjuweits perfektem Plädoyer für die Wahrheit und die Demokratie ist nichts hinzuzufügen, außer dem dringenden Wunsch des Skeptikers, dass es auch außerhalb der SPIEGEL-Blase gehört und verstanden werde.
Dr. Dietrich Schmidt, StuttgartDanke, Dirk Kurbjuweit, für diesen längst fälligen Essay zum Thema Wahrheit. In der heutigen schnelllebigen Zeit mit vielen Herausforderungen durch politische Umstürze, Kriege, Umweltkatastrophen und mehr und der Flut der sozialen Medien ist es umso wichtiger, den Fokus zu behalten auf das, was ist. Es wäre wünschenswert, wenn dieser Essay Einzug in die Schulen findet, um unseren Kindern den Blick für Sein und Schein zu schärfen.
Birgit Jackson, Haselünne (Nieders.)Ein wichtiger Beitrag. Ich fürchte nur, dass er zu spät kommt. Allerdings vermisse ich seit langer Zeit, dass sich der SPIEGEL auch ab und zu selbst den Spiegel vorhält. Herr Kurbjuweit hat zwar den Fall Relotius erwähnt. Mir fehlt aber eine Aufarbeitung der eigenen Artikel, die sich mit Russland vor dem Ukraineüberfall befasst haben, oder zu Nord Stream 2. Wie viele Artikel waren pro, wie viele kontra? Als Außenminister Heiko Maas in Moskau Klartext redete, wurde er auch vom SPIEGEL lächerlich gemacht. Jetzt kritisiert der SPIEGEL zu Recht die Politiker, die damals Entscheidungen fällen mussten. Diese Entscheidungen entsprachen aber weitgehend der öffentlichen Meinung, sie entsprachen auch der Meinungsbildung durch den SPIEGEL. Eine Rückschau und eine öffentliche Selbstkritik würde das Ansehen der Medien enorm steigern.
Gangolf Rammo, Rehlingen (Saarl.)
Vielfalt der Perspektiven
Heft 41/2023 Die gescheiterte Aufarbeitung der DDR-Geschichte
Allen Ostdeutschen empfehle ich dringend die Lektüre dieses Essays und die Bücher von Ilko-Sascha Kowalczuk. Mir haben sie geholfen, die Geschichte der DDR, in der ich 1952 geboren wurde, besser zu verstehen. Seine Analysen verdeutlichen, wie diese Diktatur funktioniert hat und die Menschen von ihr, mich eingeschlossen, vereinnahmt wurden. Deshalb ist Freiheit ein kostbares Gut. Leider ist sie für viele ehemalige DDR-Bürgerinnen und Bürger eine Bedrohung. Ich würde mich freuen, öfter Texte von Herrn Kowalczuk im SPIEGEL lesen zu können.
Monika Kunth, Bad Saarow (Brandenb.)Das in dem Essay beschriebene Phänomen begegnet uns schon in der Bibel als »Sehnsucht nach den Fleischtöpfen Ägyptens« (2. Mose 16, 3–4): Den Israeliten, die der Knechtschaft unter Pharao in Ägypten entronnen waren, wurde der Marsch durch die Wüsten ins Gelobte Land zu beschwerlich, und sie sehnten sich nach Ägypten zurück, wo sie ihrer Erinnerung nach genug zu essen hatten. So ist auch heute vielen Ostdeutschen die Freiheit zu beschwerlich. Außerdem neigt man ja immer dazu, die Vergangenheit durch eine rosarote Brille zu betrachten.
Ekkehard Grube, Dinslaken (NRW)Schade und im Grunde so unnötig, dass Ilko-Sascha Kowalczuk andere Autoren schlechtreden muss, um seine These darzulegen. Das hätte es nicht gebraucht. Ich lese fast alles, was mir zu dem Thema in die Finger kommt, also auch die genannten Veröffentlichungen von Dirk Oschmann und Katja Hoyer. Und durch jede dieser wertvollen Lektüren habe ich einen Erkenntnisgewinn und verstehe etwas mehr von den Zusammenhängen. Dafür bin ich den Autoren dankbar, auch Herrn Kowalczuk. Niemand hat die Erklärung und sollte den Wahrheitsanspruch für sich reklamieren. Sie liegt in der Vielfalt der Perspektiven. Ich bin froh über die Publikationen in diesem Jahr, aber auch in den vergangenen Jahren zu dem Thema West- und Ostdeutschland und freue mich auf weitere Analysen.
Dr. Anne Kitsch, BielefeldMit dem, wenn auch nur gedanklichen Bedauern, dass die Revolution friedlich verlief, stellt man sich für mich ins Abseits. Was hat der Autor sich gedacht? Tote auf beiden Seiten? Gerade die friedlichen Montagsdemonstrationen haben gezeigt, was möglich ist, wenn Menschen handeln. Ich hätte nicht gedacht, dass der SPIEGEL solche Sätze unkommentiert druckt.
Torsten Hulzer, BerlinIm November 1989 liefen meine ehemaligen Landsleute mit Freudentränen in den Augen, vorbei an ihren fassungslosen Bewachern, über die Berliner Grenzübergänge in Richtung Ku’damm – aber nicht, ohne ihren Kerkermeistern noch eine Ergebenheitsadresse zuzurufen: »Wir kommen wieder!« Die Gefängnistore waren offen, aber anscheinend mahnte sie eine Form des Stockholm-Syndroms zur Vorsicht. Nach 40 Jahren Unterdrückung und Indoktrination waren sie völlig überfordert: Demokratie stand in der DDR in keinem Lehrplan.
Christian Reineck, BerlinVielleicht sehnen sich ja viele Ostdeutsche auch nur nach den Vorteilen der DDR zurück, etwa nach der Mangelwirtschaft, in der Menschen mit Beziehungen mehr zählten als Menschen mit Bildung. Wer etwas hatte oder besorgen konnte, war damals ein Gott – auch wenn es nur zum Abschluss achte Klasse oder Hilfsschule reichte.
Uwe Heinemann, Arnstadt (Thür.)
Stuhlkreis gegen Heroin
Heft 41/2023 Die Selbsthilfebewegung Narcotics Anonymous
Guter Artikel, aber der Kern der Sucht ist nicht Selbstbesessenheit, sondern Mangel, vor allem das Fehlen von Vertrauen – in sich
selbst und in andere.
Dr. Ruth Gravenhorst, Allgemeinärztin und Suchtmedizinerin, Bremerhaven
Alice im Wunderland
Heft 41/2023 Der gesunde Menschenverstand
Besser als Markus Feldenkirchen kann man die Posse um AfD-Chefin Alice Weidel nicht auf den Punkt bringen. Ich habe mehrmals lauthals loslachen müssen.
Harry Klenk, Mühlacker (Bad.-Württ.)
»Putin kann diesen Krieg nicht ohne Sieg beenden«
Heft 41/2023 Putin-Expertin Sabine Fischer über Chauvinismus
Dieses Interview ist einer der aufschlussreichsten Beiträge, den der SPIEGEL seit Beginn des Überfalls auf die Ukraine zum Thema veröffentlicht hat. Unsere »Friedensverhandlungen jetzt«- Propagandist:innen werden ihn aber wohl leider nicht lesen.
Uwe Tünnermann, Lemgo (NRW)
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