Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Festhalten bis zum Ende
Heft 36/2025 Titel: Wie Freundschaft gelingt
Jemanden zu haben, den man als Fels in der Brandung bezeichnen kann, der einem mehr bedeutet als ein Bruder oder eine Schwester, ist im Leben unbezahlbar. Wenn es darum geht, sich gegenseitig zu verstehen, muss man an solch einer Freundschaft festhalten, am besten bis zum Ende. Denn das macht eine Freundschaft aus, dass man auch in schlechten Zeiten und am Ende noch da ist. Und wenn es nur um das Zuhören geht.
Jürgen Schöfer, Manila (Philippinen)Dass sich Männer untereinander anders austauschen als Frauen, kann ich nicht bestätigen. Nachdem ich mit meinem besten Freund in den Achtundsechzigerjahren zusammen im Heim aufgewachsen bin, tauschen wir uns auch heute, nach mehr als 56 Jahren, einmal wöchentlich aus. Kein Thema, das für einen von uns wichtig war, ist bisher ausgeschlossen worden. Heute stellen wir beide fest, dass Freundschaft vor allem mit viel Empathie für den anderen zusammenhängt. Wirkliche Freundschaft bedeutet vor allem, Zeit und Energie auf eine lange Strecke für den anderen aufzubringen.
Peter Ruthsch, Bad Neuenahr (Rhld.-Pf.)
Alt gegen Jung ausgespielt
Heft 35/2025 DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert im SPIEGEL-Gespräch einen neuen Generationenvertrag
Dem Vorschlag für ein verpflichtendes soziales Jahr für Rentner stimme ich zu, ebenso den vielen weiteren Einsichten, die Herr Fratzscher in diesem Artikel ausführt. Ergänzen möchte ich, dass die Babyboomer sehr von der Politik der letzten Jahrzehnte profitiert haben, beispielsweise gegenüber meiner Generation, die sehr viel mehr Eigeninitiative aufbringen musste, um den Lebensstandard zu erreichen, den die Boomer erbten. Sollte die Wehrpflicht eingeführt werden, ist das soziale Jahr unbedingt geboten. Angesichts der zunehmenden Militarisierung könnte diese Generation zeigen, dass ihr Klima- und Umweltschutz, die Sicherung des Gesundheits- und Pflegesystems sowie die Qualität der Integrationspolitik ebenso wichtig sind.
Ursula Lemke, KölnDas Problem Rente muss angegangen werden, aber: Indem unter anderem von Herrn Fratzscher das Narrativ herangezüchtet wird, die Boomer seien naiv, rücksichtslos und nähmen nur, und unerwähnt bleibt, welchen Beitrag sie ihrerseits geleistet haben, auch für die Verteidigung durch den Bundeswehrdienst, wird bewusst Alt gegen Jung ausgespielt. Das ist für die Gesellschaft gefährlich. Und warum eigentlich scheut sich die Regierung immer noch, Beamte und Selbstständige am Rentensystem zu beteiligen?
Beatrix Schwittek-Mehl, MünchenMich stört an der aktuellen Debatte, dass mal wieder nur von der ganzen »Generation« gesprochen wird. Meine Mutter hat drei Kinder bekommen, ich habe drei Kinder bekommen und bin jetzt 56. Ich kann nach wie vor nur in Teilzeit arbeiten, bin seit elf Jahren Witwe, und eins meiner Kinder ist autistisch und braucht mich mit seinen 13 Jahren. Wenn ich mit 67 in den Ruhestand gehe, reicht es. Echt.
Karin Haeßler, Börtlingen (Bad.-Württ.)Wir kümmern uns abwechselnd um die Eltern, wir haben einer Freundin geholfen, deren Mann plötzlich verstorben ist, wir kümmern uns um die Enkelkinder, da nur eingeschränkt Kitaplätze vorhanden sind. Und das auch noch während der Arbeitszeit, jetzt in der Altersteilzeit und demnächst in der Rente. Wir brauchen kein zusätzliches soziales Jahr, das haben wir längst abgearbeitet.
Josef Hofbauer, ErlangenDiese Argumente sind praxisfremd. Wie viele junge Leute sollen bei der Bundeswehr denn ausgebildet werden? 50.000, 100.000 oder 200.000? Wenn ein Ausbilder auf fünf Auszubildende kommt, dann reden wir über 40.000 Ausbilder. Wie werden die bezahlt? Und was machen die restlichen Babyboomer? Wie wäre es denn mal mit Vorschlägen, die uns weiterbringen: Warum muss ein Gärtner, der bei einem Kunden den Rasen mäht, Sozialversicherung und Steuern bezahlen? Wieso muss ein Roboter, der den Rasen mäht, keine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen? Die Arbeitslosenzahlen werden dank KI und Maschinen weiter steigen. Es wird nicht genügend Arbeit für die Babyboomer da sein. Deswegen kann es wohl nur über Beiträge und Steuern für KI und Maschinen gehen.
Christof Thron, Dormagen (NRW)Die Leute, die Herr Fratzscher jetzt zu sozialen Diensten heranziehen möchte, haben praktisch ohne Ausnahme gedient. Entweder als Wehrpflichtige oder, als das dann möglich wurde, als Kriegsdienstverweigerer. Warum sollen jetzt bitte nicht die Jungen dran sein?
Harald Milz, Freising (Bayern)Können wir in diese Diskussion bitte auch mal die Beamten mit einbeziehen? Im Gegensatz zum durchschnittlichen Rentner, der mit 64,4 Jahren in Rente geht, verabschiedet sich der durchschnittliche Beamte mit 62,6 Jahren in die Pension. Er hat außerdem eine höhere Lebenserwartung und monatlich deutlich mehr Geld zur Verfügung als ein durchschnittlicher Rentner. Worüber also diskutieren wir hier ständig?
Stefanie Stark, Neufahrn (Bayern)Herr Fratzscher sagt: »Wir sollten ein verpflichtendes soziales Jahr für alle Rentnerinnen und Rentner einführen.« Interessant wäre es zu wissen, was passieren würde, wenn alle Rentner und Rentnerinnen, die ehrenamtlich und unbezahlt unterwegs sind, von heute auf morgen ihre Arbeit niederlegten.
Horst-Rainer Schewe, Welver (NRW)
Auch der Leser ist genervt
Heft 35/2025 Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen über die Probleme des Qualitätsjournalismus
Den Essay über die Dilemmata seriösen Journalismus, mitsamt vier Vorschlägen, habe ich mit Begeisterung gelesen. Chapeau! Wunderbar. Konstruktiv, sauber, sorgfältig, klug. Er spiegelt das, was ich auch denke, und enthält noch ein paar charmante Seitenfragen und Horizont-Ideen. Bitte mehr davon: Ich finde das so wertvoll, diese Debatte zu führen, und sie konstruktiv zu führen.
Dr. Julia Schneider, BerlinAuf einen Bericht wie diesen habe ich gewartet – er beschreibt präzise die heutige Medienlandschaft und die damit einhergehenden Probleme, inklusive nicht zu vermeidender Qualitätsverluste auch etablierter Magazine. Nicht nur die Redaktionen sind genervt von der digitalen Informationsflut, der Leser ist es auch. Vermutlich ist Entschleunigung im seriösen Journalismus der richtige Weg, wenn zunehmend kaum überprüfbare Junknews das Netz fluten. Die Wahrheit braucht ihre Zeit. Neue Projekte wie die vier Vorschläge von Professor Pörksen sind interessant, weil sie neue Zielgruppen stärker einbinden könnten. Besonders junge Leute wollen aber nicht nur informiert, sondern auch unterhalten werden. Ihre Aufmerksamkeitsspannen sind kürzer.
Heidi H. Stockum, Lingen/Ems (Nieders.)Der Autor fragt: Was denken Sie über den SPIEGEL? Antwort: Wie wäre es mal mit normalen Nachrichten? Fakten berichten! Und aufhören, alles und jedes in 1001 Meinungsartikeln auf die Leser einprasseln zu lassen. Ich zumindest habe Mühe, Nachrichten aus diesem Sammelsurium von Kommentaren, Erklärungen, Meinungen, Gastbeiträgen, Kolumnen und vielem anderen mehr herauszufiltern. Es würde schon helfen, wenn es eine Sparte gäbe: Nachrichten aus aller Welt. Ja, die Welt fehlt auch – überwiegend wälzen sich die deutschen Medien in rein deutschen Themen.
Christel Dubberke, Trierweiler (Rhld.-Pf.)Obwohl mir der Text an vielen Stellen zu gedrechselt erschien, habe ich ihn bis zum Schluss gelesen. Ich habe mehrere relevante Informationen erhalten und bin zu neuen Erkenntnissen gekommen. Die vier Vorschläge sind fundiert. Als 78-Jähriger, der jahrzehntelang den SPIEGEL als Printmedium gelesen hatte, ziehe ich schon lange das Onlineangebot vor. Ich werde prüfen, ob ich bei SPIEGEL.de filtern kann, um mir primär das anzeigen zu lassen, was mich inhaltlich besonders interessiert. Ich habe keine Lust auf Podcasts und Videos, auch die Werbung stört mich.
Reinhold Vogt, Waldbröl (NRW)Als »vierte Gewalt« ist Journalismus kein gewöhnlicher Marktakteur, sondern Teil der demokratischen Grundordnung. Seine Aufgabe ist die begleitende Aufklärung über Bedingungen, Chancen und Gefährdungen der Demokratie selbst. Genau deshalb ist das vierte Dilemma, das Bernhard Pörksen beschreibt, das zentrale: die Überhitzung und Fragmentierung des Informationsraums, in dem Orientierung durch Geschwindigkeit und Reichweite verdrängt wird. Bereits Jürgen Habermas hat betont, dass Demokratie ohne Räume der rationalen, zeitlich entlasteten Auseinandersetzung erodiert. Und Alexis de Tocqueville sah in der Presse die Institution, die zwischen Volk und Macht vermittelt. Wenn nun aber nicht mehr Redaktionen, sondern wenige globale Plattformen – und zunehmend KI-Systeme – als faktische Gatekeeper agieren, droht dieser Mechanismus ausgehöhlt zu werden. Denn KI-gestützte Such- und Antwortsysteme monopolisieren bereits heute den Zugang zur Information. Diese Systeme müssen demokratisiert werden, wenn Demokratie überleben soll. Das heißt nicht nur staatliche Regulierung, sondern transparente Standards für Sichtbarkeit, Relevanz und Vielfalt. Journalismus wiederum muss eigene Ankerpunkte schaffen – entschleunigte Orientierung, Kontextualisierung, langfristige Szenarien. Dies ist keine Zusatzleistung, sondern Kernauftrag. Nur so kann die vierte Gewalt weiter Öffentlichkeit als Grundlage der Demokratie sichern.
Eric Papagelidis, KölnAuch mir sind die Schwierigkeiten ihrer Zunft nicht entgangen. Ich habe schon vor mehr als 30 Jahren im Printmedium die Anzeigenseiten gezählt und mit kleiner Empörung erfahren, dass die Hälfte meines Geldes für Werbung verwendet wurde. Dass das eigentlich umgekehrt war, ist nicht sofort einsichtig. Ich habe aber damals schon meinen Frieden mit dem SPIEGEL in der Beziehung gemacht; die Werbung auf jeder zweiten Seite mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen und einfach weitergeblättert. Und so halte ich es mit allen Rubriken. Schon wieder eine Tirade gegen Merz oder Trump oder ein weiterer Abgesang auf den Kapitalismus? Seufzen und weiterblättern. Manchmal lese ich das sogar, weil es wirklich immer gut recherchiert ist. Und bei den psychologischen Dingen ist der SPIEGEL ganz vorn dabei, weiter so! Ihre Vorschläge sind gut. Vor allem der Zugang zum Recherche-Archiv ist echt cool, dafür würde ich locker das Doppelte des Abos zahlen.
Sönke Ibs, Kürten (NRW)Da der Artikel Vorschläge für den SPIEGEL beinhaltet, hier ist meiner: Ich habe den SPIEGEL mehr genossen, als es auf der Website noch richtige Nutzerkommentare zu den meisten Artikeln gab (wie zum Beispiel in der »New York Times«). Die jetzigen Debatten zu den großen Themen sind okay (obwohl in den meisten Fällen die Antwort auf die Frage »Jein« wäre), aber es wäre gut (und vielleicht auch gut für die Leserzahlen), wenn man sich wieder über die Details eines Artikels mit den anderen Lesern auf intelligente Weise austauschen könnte.
Andreas Reik, Vallejo (USA)Zur eigenen Orientierung verlasse ich mich seit Jahrzehnten auf den Qualitätsjournalismus, den der SPIEGEL und andere bieten. Trotz oder vielleicht gerade wegen aller Anfechtungen unserer Zeit werde ich das auch weiterhin tun. Der Umgang der SPIEGEL-Redaktion mit eigenen Fehlern (Richtigstellungen, Relotius) und ihre Suche nach Antworten, unter anderem durch Zusammenarbeit mit kompetenten Fachleuten wie Herrn Pörksen, bestärken mich in dieser Absicht. Mein Dank an alle, die sich unter schwierigen Umständen beruflich täglich faktenbasiert um Bericht, Einordnung, Analyse und Meinung bemühen.
Brigitte Döring, BerlinSehr schöner Artikel! Ich würde mich freuen, die ein oder andere Idee verwirklicht zu sehen. Insbesondere die Sicht der Kollegen im Ausland wäre klasse. Vielleicht eine Rubrik, die zeigt, wie andere Länder auf uns schauen, auch auf unser politisches und wirtschaftliches Verhalten.
Daniel Jordan, Ingolstadt
»Ohne Demokratie kein Hitler«
Heft 35/2025 SPIEGEL-Gespräch mit dem Historiker Götz Aly über die Frage, ob Deutschland ein neues 1933 bevorsteht
Das Interview ist sehr gelungen. »Verweigern die Politiker durch beharrliches Beschweigen grundlegende Reformen in der Gesundheits-, Pflege- und Altersvorsorge, dann ist mit systembedrohenden Entwicklungen zu rechnen«: Kann das bitte jemand der aktuellen Regierung vermitteln?
Collin Scholz, Hannover
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