Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 74 / 77

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Familiengeschichte im Nationalsozialismus, Aufrüstung, Essay über die Gefahr der »geistigen Mobilmachung« – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 20/2025

Wer wissen wollte, wusste

Heft 19/2025 Titel: Das deutsche Tabu 

  • Der Titelkomplex zu 80 Jahren Kriegsende barg so viel Erfrischendes an Gehirnschmalz im eigenen Denken, Erdenken und Fürdenken. Eine perfekte Zusammenstellung der Beiträge.
    Isabella von Löbbecke, Groß Denkte (Nieders.)

  • Vielen Dank für die sehr interessanten Titelstories zum »deutschen Tabu«. Jetzt ist mir klar geworden, warum ich immer über die Aussage des Bundespräsidenten von Weizsäcker stolperte, wo er die Deutschen als Befreite, also eigentlich als Opfer und weniger als Täter und Mitwisser sah.
    Franz Seitz, Wertheim (Bad.-Württ.)

  • Wieso Tabu? Vor langer Zeit habe ich den folgenden Satz in einem Feldpostbrief meines im Juni 1944 in Russland gefallenen Onkels zu lesen bekommen: »Wir dürfen den Krieg nicht verlieren; denn wenn wir das wiederkriegen, was wir hier anrichten, dann gnade uns Gott!« Viele Deutsche hatten doch keinerlei Einfluss auf das Geschehen und haben sich damals unauffällig angepasst, um zu überleben. Die Spätergeborenen sollten dankbar sein, nur keine Gelegenheit bekommen zu haben, schuldig zu werden.
    Klaus Müller, Essen

  • Die Ausführungen gehen mir nahe, zeigen sie doch auch Ungefragtes und Ungesagtes in meiner Familie auf. Mein Vater – in einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt (Napola) erzogen und im Zweiten Weltkrieg als Jugendlicher im Panzer fast gestorben – schwieg auf meine provokanten, frontalen Vorwürfe, meine Mutter aber bestätigte zumindest: »Wer wissen wollte, der wusste.« Meine Kinder nun sollten das mit zeitlichem Abstand viel besser machen als ich, in­dem statt der alten Schuldfrage die Verantwortungsfrage gestellt wird. Das ist heute wichtiger denn je, geht aber nur, wenn sie von Schule und Familie dazu kompetent gemacht werden.
    Volker Wilhelmi, Wackernheim (Rhld.-Pf.)

  • Es gehört zu den gängigen Schutzreflexen, sich selbst von jeder Verantwortung freizusprechen. Ich kann nicht beurteilen, inwieweit meine Großväter, beide in der verbrecherischen Institution Wehrmacht, selbst in Verbrechen verstrickt waren, sondern hörte als Jugendliche nur Schmunzelgeschichten über Spiegeleier, die auf Panzern gebraten wurden. Oder Heldengeschichten vom Widerstand gegen Vorgesetzte, als der Befehl kam, ein russisches oder polnisches Dorf niederzubrennen und die Einwohner zu erschießen. Vielleicht stimmt es ja. Vielleicht ist es auch beschönigt oder gar erfunden, denn diese Männer waren zutiefst fana­tisiert und in einem Korpsgeist verfangen, in dem eine solche Verweigerung nicht nur Anfeindungen durch die eigene Truppe, sondern den sicheren eigenen Tod bedeutet hätte. Es wird sie gegeben haben, die stillen Helden. Aber sie waren ganz bestimmt nicht in der Mehrheit. Denn sonst hätte sich das NS-Regime nicht zwölf Jahre lang halten können, mit seiner allumfänglichen Zerstörungskraft und Mordbrennerei, deren Traumata bis heute tief in unsere Seelen greifen.
    Martina Gromeier-Pautke, Holm (Schl.-Holst.)

  • Mit großem Interesse habe ich die Titelgeschichte gelesen, dabei hat sich aber auch etwas an Unbehagen entwickelt. Eins, was mir an dem Artikel auffällt, ist, dass immer von den (Ur-)Groß-Vätern die Rede ist. Leider Gottes gab es ja auch eine NS-Frauenschaft und den Bund Deutscher Mädel. Wenn also der ­SPIEGEL den (Ur-)Enkeln rät, sich mit der Familie auseinanderzusetzen, dann muss man leider auch einige der (Ur-)Großmütter ins Visier nehmen.
    Dr. Angelika Koller, München

Dem Frieden dienen

Heft 17/2025 Deutschland kann nur kriegstüchtig werden, wenn die Politik offen und transparent dafür wirbt 

  • Ich bin überrascht von dem mutigen und intelligenten Artikel des Chefredakteurs des SPIEGEL, Herrn Kurbjuweit. Zum ersten Mal sehe ich eine so brillante Einschätzung der Situation Deutschlands in unserer so komplizierten Situation.
    Dr. Harald Dunke, Potsdam

  • Herr Kurbjuweit legt in einer ruhigen, aber zwingend überzeugenden Art dar, dass die Schaffung einer verteidigungstüchti­gen Bundeswehr angesichts eines »wütenden« und nicht verhandlungsbereiten Putin unumgänglich ist. Eine rein ideologische statt einer praxisbezogenen Betrachtung führt ins Nichts. Man stelle sich eine schwach und unzureichend ausgestattete Polizei vor, der man empfähle, mit der Organisierten Kriminalität oder anderen Straftätern, bitte schön, das Gespräch zu suchen. Absurd. Darum sind Kurbjuweits Schlussfolgerungen richtig und notwendig.
    Heinz Tenbusch, Hattingen (NRW)

  • Wie kriegstüchtige Städte aus­sehen, kann jeder auf Bildern deutscher Städte aus dem Jahr 1945 gut sehen, oder auf dem Bild auf Seite 48 im Artikel. Es fehlen nur die Toten, Verwundeten, Verkrüppelten und Trau­matisierten, die immer dazugehören. Wir haben in der Präambel unseres Grundgesetzes festgelegt, »dem Frieden der Welt zu dienen«. Vorbereitungen auf einen Krieg dienen nicht dem Frieden.
    Hartmut Lösch, Weimar (Thür.)

  • Nicht jeder, der die Linke gewählt hat, ist auch gegen Aufrüstung. Dieses Schubladendenken sollte man vermeiden. Vielleicht wurde die Wahlentscheidung primär durch sozialpolitische oder mi­grationspolitische Inhalte geprägt oder einfach durch den Wunsch, dem Rechtsruck im Parlament eine starke linke Stimme entgegenzusetzen.
    Hannah Lüsgen, Jülich (NRW)

  • Auch wenn der Autor meint, der Unterschied der Begriffe »Kriegstüchtigkeit« und »Verteidigungsfähigkeit« liege darin, dass der erste Begriff in den Ohren vieler akzeptabler klingt, es gibt einen gravierenden Unterschied: Verteidigungsfähigkeit sieht die Reaktion auf einen Angriff vor, hat also das Ziel, das eigene Territorium und die Bevölkerung im Fall eines Angriffs verteidigen zu können. Dagegen ist Kriegstüchtigkeit die umfassende militärische Handlungsfähigkeit, sie umfasst auch die Möglichkeit eines Angriffskrieges. Ich finde es erschreckend, wenn so getan wird, als würden beide Begriffe inhaltlich das Gleiche meinen. Das Grundgesetz sieht zum Glück einen Verteidigungs-, aber keinen Kriegsminister vor.
    Dr. Henning Klauß, Fürstenwalde (Brandenb.)

  • Ausgezeichnet, der Artikel. Ausgewogen, gleichwohl klar Stellung beziehend für das, was auch aus meiner Sicht unbedingt notwendig ist: »die richtige Balance, eine teilweise Militarisierung ohne Militarismus, eine friedliche Kriegstüchtigkeit«. Ebenso aber Rechnung tragend, dass auch der Pazifismus seine Rolle wieder finden sollte: »Korrektiv sein, Alternativen aufzeigen, die Gedanken von Prävention und Verständigung nach vorn schieben«. Ich kann mir vorstellen, dass dieser gute Artikel auch den einen oder anderen Ostermarschierer hat nachdenklich werden lassen und ihn abgebracht hat vom reinen Ego, der eigenen Angst vor einem Krieg. »Wer für Kriegstüchtigkeit eintritt, sollte das Gespräch offenhalten, nicht verschließen, sollte zuhören und freundlich argumentieren.« Recht hat er, der Autor! Und sein Resümee stimmt nun mal: »Wer den Frieden bewahren will, muss sich auf den Krieg vorbereiten.« Gut, dass die Redaktion diesen klaren Kopf an der Spitze hat.
    Tom Brandenburg, Hamburg

  • In seinem Essay bringt Dirk Kurbjuweit die Dilemmata und Paradoxien der Aufrüstungsdebatte nüchtern auf den Punkt. Seine Frage, ob die Politiker die Dimension der Aufgabe wirklich verstanden haben, ist nur zu berechtigt angesichts der Präsentation des Koalitionsvertrags. Söders Auftritte sind zum Fremdschämen, während sein Adlatus Dobrindt die regressiven Wahlgeschenke der CSU durchsetzt (Mütterrente, Agrarsubventionen et cetera). Wird man so den anstehenden Herausforderungen gerecht, nachdem Scholz und Lindner die notwendigen Entscheidungen (frühzeitige Ukraine-Unterstützung, Infrastruktur) jahrelang verschleppt haben? Zweifel sind erlaubt.
    Prof. Dr. Dr. Dr. Ernest Hess-Lüttich, Berlin

Geradezu wohltuend

Heft 18/2025 Der gefährliche Kurs der geistigen Mobilmachung 

  • Nach der Lektüre der vorherigen Ausgabe war ich drauf und dran, mein Abo zu kündigen, weil das Heft den Eindruck erweckte, es gäbe keine Alternative zur »Kriegstüchtigkeit«. Der großartige Aufsatz von Herrn Bröck­ling hat mein Vertrauen in die Redaktion wiederhergestellt.
    Jochen Micknat, Bensheim (Hessen)

  • Sehr erfreulich, dass der SPIEGEL hier endlich eine andere, kritische Betrachtung des Ukrainekonflikts und der deutschen Beteiligung daran zulässt.
    Ludger Hilbers, Münster

  • Die Worte von Herrn Bröckling sind geradezu wohltuend. Der sonstige, nahezu einhellige und kaum hinterfragte Tenor, dass nur Stärke uns vor Putins Bösartigkeit retten kann, findet hier mal eine Erwiderung. Natürlich weiß niemand mit Sicherheit, was es am Ende bedeuten würde, sich dem nun geplanten Einstieg in einen neuen Rüstungswettlauf zu verweigern. Aber auch die Militarisierung birgt – neben all den sonstigen Opfern – ganz gravierende, buchstäblich existenzgefähr­dende Risiken. Mich stört, dass die nun begonnene Aufrüstung mal wieder als alternativlos und nicht zu hinterfragen dargestellt wird. Es würde schon viel helfen, die jeweiligen Interessenlagen ohne Vorverurteilungen und angeb­liche Gewissheiten offen zu diskutieren.
    Felix Kösters, Lübeck

  • In kunstvollen Sprachpirouetten äußert der Kultursoziologe Bröck­ling sein Unwohlsein über die Rückkehr der Verteidigungsbereitschaft, die unweigerlich auch ein martialisches Element enthält. Ich verstehe seine Gefühle sehr gut. Wie bitter ist die Erkenntnis, dass wir die Hoffnung der Neunzigerjahre auf eine regelbasierte und damit friedliche Weltordnung nun vollends hinter uns lassen müssen. Wie unangenehm ist die Vorstellung, unserem aggressiven Nachbarn Russland ständig die Zähne zeigen zu müssen. Und wie erschreckend der Gedanke, dass dies schiefgehen könnte und man im Kriegsfall von Tod und Zerstörung persönlich betroffen sein könnte. Ich hatte erwartet, dass auf der zweiten Seite des Artikels von Herrn Bröck­ling Vorschläge gemacht werden, was er sich als Alternative zu dieser Rückkehr zur »geistigen Mobilmachung« vorstellt. Aber es kam nichts. In dem Essay ist leider keinerlei Konzept erkennbar, was es stattdessen geben könnte, um den Frieden in Freiheit zu sichern.
    Dr. Christian Gruenler, München

  • Mit der Unter-Überschrift »Die Deutschen sollen kriegstüchtig gemacht werden« wird ein skandalträchtiger Verdacht aufgeworfen: Wir würden von kriegslüsternen Mächten manipuliert. Leider finden sich im Text dazu keine Belege. Dennoch stellt sich die Frage, wie sich die Deutschen dazu stellen. Nicht aufrüsten? Soll sich doch ein potenter Herrscher unseres Staates bemächtigen, und sollen wir dann in der Folge eben nicht mehr nach unserer Meinung gefragt werden?
    Günther Bauer, Nürnberg

  • Professor Bröckling ist offenbar gegen alles, was einen potenziellen Aggressor abhält, es zu werden. Er möchte, dass nicht nachgerüstet wird. Er möchte einem Aggressor einen Freibrief für eine Drohung oder den Einsatz von Atomwaffen geben. Welches Vabanquespiel empfiehlt er hier unserem Land? Er trägt für nichts eine Verantwortung, empfiehlt aber etwas Hochriskantes. Das nennt man Verantwortungslosigkeit.
    Peter Wolter, Leonberg (Bad.-Württ.)

  • Bröcklings herablassender Spott an Habeck, Campino und allen, die denken wie sie, ist billig und boshaft. Keiner hat Freude an Rüstung, keiner will gar Krieg. Nur denken wir nicht, dass »sich aus der Abschreckungslogik zu lösen« eine Lösung des Dilemmas wäre. Bröckling bietet auch nicht ein einziges Argument dafür. Er moralisiert nur herum. »Unser Spiel« ist weder ein Spiel noch schmutzig – Bröcklings Vorschlag aber ist ein leichtfertiges Spiel mit Freiheit und Menschenwürde.
    Ralph-Guido Günther, Tübingen (Bad.-Württ.)

Van Aken fordert Rücktritt von Parlamentspräsidentin Klöckner

Heft 18/2025 Schelte für Julia Klöckners Kirchenkritik

  • Erst Söder, jetzt Klöckner: Offensichtlich können es die Unionsparteien noch immer nicht verwinden, dass die katholische Kirche nicht mehr wie in den Fünfziger- und Sechzigerjahren unverhohlen Wahlkampf für sie macht.
    Dr. Bernd Hein, -Fürstenfeldbruck (Bayern)

Kurz mit Oma reden und die Welt anhalten

Heft 18/2025 Über eine Freundschaft zwischen Enkel und Oma 

  • Dieser Artikel war ein schöner Anstoß für mich, noch mehr mit Fragen nach dem Hier und Jetzt auf meine Enkel zuzugehen und auch ihre Meinung zu tagesaktuellen Themen auf Augenhöhe einzuholen.
    Clemens Vetter, Gauting (Bayern)

Diese sechs Fehler sollten Sie bei Aktien und ETFs vermeiden

Heft 18/2025 An der Börse handelt der Mensch oft irrational 

  • Wenn die Profi-Aktienanleger ihre eigenen Empfehlungen an die Laien-Aktienanleger auch selbst anwenden würden, gäbe es sehr viel weniger Schwankungen am Aktienmarkt.
    Johannes Zauner, Reisbach (Bayern)

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