Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 70 / 71

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Wie Robert Habeck die Deutschen in der Krise für sich einnimmt, der dritte Teil der Serie über die Flucht der Deutschen aus Afghanistan und die drohenden Preissteigerungen durch die geplante Gasumlage – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 35/2022

Er ist ein Glücksfall

Heft 34/2022 Titel: Die Leidfigur 

  • Wie man Politik gut, interessant und verständlich verpackt, zeigt Robert Habecks Sprechweise. Er verzichtet auf die sonst übliche Tarn- und Verwirrsprache von Politik und Diplomatie.
    Martin Meffert, Lauterbach (Hessen)

  • Endlich haben wir auf der poli­tischen Bühne jemanden, der das breite Spektrum seiner Charakterzüge und Eigenschaften gut einsetzt, der denken, mitfühlen und darüber sprechen kann, schon nehmen wir die Person auseinander und suchen den Haken. Ob alles echt ist? Ob er seine Empathie und Betroffenheit inszeniert? Ist doch egal. Solange er seine Arbeit gut macht. Aber darüber wurde in dem Artikel kein Wort verloren. Ein Sommerlochthema wie aus Vorkrisenzeiten.
    Zdena Danko, Freiburg im Breisgau

  • Scholz zu wortkarg, ja – Habeck zu berechnend wortgewandt? Nein! Jetzt haben wir endlich mal einen Politiker, der nicht nur herumeiert, sondern sich menschlich engagiert an Probleme herantraut, aber auch das ist nicht genehm. Warum ist es nicht gut, Erfahrungen aus dem wirklichen Leben endlich politisch mitein­zubeziehen? Viele der Oberen wissen noch nicht mal, was der Liter Diesel heute kostet. Kann so jemand wahrhaftige Politik für die ganze Bevölkerung machen? Warum geben wir nicht einem Politiker die Chance, der selbst über seine Grenzen und Überzeugungen handeln muss, damit es nicht zum Kollaps kommt?
    Iris Gaßmann, Schöneberg (Rhld.-Pf.)

  • Was ritt Dirk Kurbjuweit, den ich als klugen journalistischen Be­gleiter sehr schätze, als er das schrieb? Ich lese da jede Menge kleinlicher Unterstellungen, gemischt mit vergiftetem Lob. Ich bin froh, dass Robert Habeck so kommuniziert und handelt, wie er es bis jetzt getan hat, ich kann keine gravierenden Fehler erkennen in einer sehr schwierigen Zeit. Er ist, und das ist übrigens dramatisch für die Koalition, das Gegenmodell zum Kanzler, dessen Kommunikation desaströs war und ist.
    Klaus Süberkrüp, Lübeck

  • Habeck ist ein Glücksfall. Sie können ihn mit Ihren meist gekünstelten Relativierungen bis hin zur Karikatur nicht madig machen. Ich bin froh, dass wir ihn haben.
    Manfred Forster, Stein (Bad.-Württ.)

  • Warum lässt Dirk Kurbjuweit in seinem äußerst lesenswerten Beitrag die zahlreichen Beispiele für den authentischen Politikstil des Wirtschaftsministers nicht einfach so stehen, sondern versucht mehrfach, die Glaubwürdigkeit und die ehrliche Haltung Robert Habecks in Zweifel zu ziehen? Es mag sein, dass bei einigen Äußerungen mancher Politiker berechnendes politisch-strategisches Kalkül im Spiel ist; auf Robert Habeck trifft das meiner Meinung nach aber nicht zu.
    Ulrich van Aaken, Zellingen-Retzbach (Bayern)

  • Habecks Zweifeln sehe ich nicht als Zweifel an sich selbst, der Welt oder anderen, sondern als emotional und damit zum Mitfühlen und Mitdenken einladend geäußerte Dokumentation der Dilemmata im politischen Entscheidungsprozess. Und weil diese Kommunikation den Empfängern so auf den Pelz rückt, bleibt einem, wenn man sich das anhört, kaum anderes übrig, als dieses Abwägen mitzugehen, und so zumindest ein besseres Verständnis für die dann erfolgenden Entscheidungen zu entwickeln. Was kann sich Politik mehr wünschen? Man kann es als Griff in die rhetorische Trickkiste ansehen, aber solange es authentisch ist, begünstigt es ein tiefgehendes Verständnis der Entscheidungshintergründe. Die so hergeleiteten Entscheidungen kann ich nur noch fundiert annehmen oder ablehnen – aber nicht mehr plump und pauschalisierend verteufeln.
    Christian Gosch, Pforzheim

  • Dirk Kurbjuweit versucht, eine Verhaltensanalyse von Robert Habeck zu geben, indem er dessen Gestik, Mimik, Wortwahl auseinandernimmt. Es stellt sich die Frage, was er damit erreichen will. Stören ihn Herrn Habecks Beliebtheitswerte? Sollen die Leser ihn bei jedem Auftritt kritisch beäugen? Gegen sachliche Kritik habe ich nichts einzuwenden, aber diese sehr die Persönlichkeit angreifende »Analyse« geht mir doch zu weit.
    Dietlind Thiessen, Hamburg

  • Dirk Kurbjuweit mag durchaus recht haben, dass Habeck einen neuen Kommunikationsstil eingeführt hat – erklärend, zweifelnd, abwägend, nahbar, gelegentlich mit Straßenjargon garniert. Aber macht das aus ihm einen guten Politiker? Kann Wahrhaftigkeitsanspruch Urteilsvermögen und Analyse ersetzen? Ich kann Minister Habecks Äußerung bezüglich der Gasknappheit und der daraus folgenden Preissteigerungen, »wir werden dadurch ärmer werden«, nur entgegenhalten: Das haben Sie uns eingebrockt. Die von Ihnen und den anderen Regierungsmitgliedern veranlassten Wirtschaftssanktionen, die Ursache für die Gaskrise, machen uns nur ärmer und helfen der Ukraine nicht. Kommunikation ersetzt noch lange keine gute Politik.
    Reiner Gorning, Hamburg

  • Uneingeschränkt richtig ist, wie Sie schreiben, dass Robert Habeck menschlich und emotional spricht. Wo aber soll das Problem sein, wenn er dadurch unisono verstanden und gemocht wird und durch seine sympathische Offenheit und authentische Art glaubhaft ist? Es ist daher doch völlig wurst, warum er so spricht, er ist erfrischend, hoch engagiert, erfolgreich und intelligent. Auffallend in Ihrem Artikel ist für mich, dass Sie, egal was Habeck wie und warum sagt, sehr einseitig so negativ bewerten.
    Jens Schrep, Linkenheim-Hochstetten (Bad.-Württ.)

  • Danke, Herr Kurbjuweit. Der Minister ist fair, ehrlich und nicht anbiedernd. Wenn nur ein Teil unserer Politiker sich auch so verhalten würde, wäre es erlebte wahrhaft gefühlte Demokratie. Ich bin bestimmt kein Grüner, seit über 40 Jahren stehe ich der SPD nahe. Aber Herr Habeck hat meinen Respekt. Ich hoffe nur, dass er seiner Linie treu bleibt und nicht im Alltag abgeschliffen wird.
    Bernd Kayser, Bielefeld

  • Sie beschreiben richtig, dass Herr Dr. Habeck die Öffentlichkeit immerzu warnen will. Dass sein Alarmismus uns dadurch in eine noch größere Rezession als sowieso führen wird, scheint ihm unbekannt oder egal zu sein. Warum lädt man 90 Prozent des Preisrisikos der Gasenergie beim Steuerzahler ab und nur 10 Prozent bei den Versorgern, wenn doch schon die ersten Anbieter wie RWE sagen, sie brauchen die Energieumlage gar nicht als Stütze? Ich empfinde solches Regieren als fachliche Bankrotterklärung.
    Klaus-Dieter Lubbe, Köln

Durchaus warmer Winter

Heft 33/2022 Der Gasumlage droht ein chaotischer Start 

  • Die drohenden gewaltigen Preissteigerungen haben die meisten Bundesbürger aufgrund des derzeit hochsommerlichen Wetters noch nicht verinnerlicht. Manche meinen sogar, es handele sich hauptsächlich um ein Sommerlochthema der Medien, die maßlos übertreiben, und dass am Ende die »Apokalyptiker« einmal mehr Unrecht behalten würden. Ich fürchte, sie werden ihren Irrtum spätestens in einigen Monaten am eigenen Geldbeutel bemerken.
    Alfred Kastner, Weiden (Bayern)

  • Ich empfinde es als Frechheit, dass die Bundesregierung ein Gesetz beschließen will, um den Verbraucher mit einer Umlage für die notleidenden Gasimporteure zu belegen. Jahrzehntelang haben diese mit billigem Gas aus Russland Riesengewinne gemacht. Unsere Regierung hat die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 verhindert und mit großmäuligen Ansagen, gar kein Gas mehr aus Russland nehmen zu wollen, genau diesen Zustand herbeigeführt. Das war absehbar. Die Folgen dafür dem Verbraucher aufs Auge zudrücken, der wegen der Preiserhöhung für das Gas sowieso schon extrem stark belastet wird, ist unanständig. Die Möglichkeit, die Ampel bei der nächsten Wahl auszuschalten, dauert zu lange und ist mit schlechten Alternativen verbunden. Ich kann mir gut vorstellen, dass zumindest diejenigen, die durch diese ungerechten Aktionen in die Armut abgleiten, nicht unbeteiligt zusehen werden. Der Winter kann also durchaus warm werden.
    Enno Sandner, Wardenburg (Nieders.)

Kläglich gescheitert

Heft 33/2022 Die letzten Tage in Kabul – Teil III der SPIEGEL-Serie  | Der afghanische Ex-Gouverneur Mohammed Halim Fidai und sein neues Leben in Rheinland-Pfalz 

  • Ihr Bericht liest sich wie ein Krimi. Nicht nur aus Sicht der Protagonisten ist es eine Schande, dass auch ein Jahr danach keine wirkliche Aufarbeitung stattfand und eine Würdigung für Herrn Fisch, Herrn Klawitter und Herrn van Thiel (und andere) ausbleibt. Es ist beschämend.
    Uwe Fischbeck, Witerstadt (Hessen)

  • Die von Ihnen in drei Folgen geschilderte Rolle der Bundesregierung und nicht zuletzt des Auswärtigen Amts bei der Rettungsmission vor einem Jahr in Kabul ist mehr als beschämend. Einziger Lichtblick waren der vorbildliche Einsatz des deutschen Gesandten van Thiel, der auch ohne Weisung aus Berlin tätig wurde, sowie das Handeln der Bundeswehrangehörigen, die kein Risiko scheuten, um Menschenleben zu retten. Warum Außenminister Maas angesichts der dramatischen Entwicklung die Dinge nicht an sich gezogen hat, weiß nur er selbst. Natürlich war er nicht allein für das mangelhafte Krisenmanagement in Berlin verantwortlich. Auch von einem Eingreifen der damaligen Bundeskanzlerin konnte nicht die Rede sein. Das Fiasko in und um Kabul dürfen wir nicht einfach abhaken. Umfangreiche Strategiepapiere allein helfen nicht weiter, wenn es sich um eine Krise handelt, die nur diejenigen überschauen, die vor Ort sind – am Schreibtisch und am Bildschirm ist das nicht möglich.
    Dr. Peter Hartmann, Staatssekretär a. D. (AA), Berlin

  • Es sollte völlig selbstverständlich sein, dass diesen Menschen, die in ihrer Stellung mit ihrer Haltung einfach was Gescheites geleistet haben, angemessen geholfen wird, sie optimal unterstützt werden. Naheliegend wären damals Verantwortliche wie Heiko Maas und Annegret Kramp-Karrenbauer, die sicher noch einflussreiche Verbindungen haben. Oder eben aktuell Annalena Baerbock. Andere dürfen sich auch berufen fühlen.
    Ronald Günther, Friedrichsdorf (Hessen)

  • Die hintergründige Beschreibung der letzten Tage in Kabul in einer Miniserie und die bewegende Schilderung des Lebenslaufs von Mohammed Fidai ist jeden Euro meines Jahresabos wert. Danke, danke, danke!
    Christoph Raabe, Dinslaken (NRW)

  • Das Schicksal von Mohammed Halim Fidai ist traurig. Noch deprimierender ist, dass die hiesige Politik sich vermutlich die Erfahrung eines so kenntnisreichen und engagierten Afghanen entgehen lässt. Ich habe 20 Jahre im Nahen Osten gearbeitet, kenne die dortige Mentalität und weiß auch, dass die Amerikaner viele kompetente Kenner des Nahen und Mittleren Ostens haben, die aber in der planlosen und verfehlten Afghanistanpolitik nicht gehört wurden. Jeder Orientkenner wusste, dass die Doha-Verhandlungen ein totaler Missgriff waren. Die erschütternden professionellen Mängel der deutschen Politik am Ende des Afghanistaneinsatzes hat auch die sehr beeindruckende dreiteilige SPIEGEL-Serie zu den Tagen um die Machtübernahme der Taliban in Kabul aufgezeigt. Während unsere Regierung zu Hause damals ein äußerst schwaches Bild abgab, haben die Einsatzkräfte vor Ort in Kabul Unglaubliches geleistet. Ohne sie bliebe das westliche Versagen in noch viel deprimierender Erinnerung.
    Prof. em. Dr. Hermann Michael Niemann, Rostock

  • Sie zeigen ein Foto der Familie mit dem Vater und drei Söhnen sowie der Ehefrau und Mutter seiner Kinder, verhüllt und nicht erkennbar. Der Artikel enthält nichts zur Rolle der Frau des Protagonisten in Afghanistan und in Deutschland. Die Gleichberechtigung ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres gemeinsamen Lebens. Diese Tatsache hätte es verdient gehabt, erwähnt zu werden.
    Dr. Jürgen Onken, Hude (Nieders.)

  • Der Lebenslauf des Herrn Fidai hat mich sehr berührt. Was ich vermisse, ist eine ausführliche Schilderung, warum die Bemühungen der »Alliierten« in den letzten 20 Jahren so kläglich gescheitert sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich viele SPIEGEL-Leser darüber freuen würden, wenn Sie noch einmal sehr detailliert die ganze Thematik aufgreifen, warum es in so einem langen Zeitraum nicht gelungen ist, Afghanistan zu einer halbwegs funktionierenden Demokratie zu entwickeln.
    Manfred Lipphardt, Werl (NRW)

Ist Gerechtigkeit programmierbar?

Heft 33/2022 Künstliche Intelligenz wird bestimmen, was wir falsch oder richtig finden 

  • Erfrischend! Herr Simanowski hat recht. Die Frage ist nicht, ob künstliche Intelligenz gut oder böse ist, sondern wer sie programmiert hat und mit welchem Ziel. Eine von Faschisten programmierte oder gehackte KI wäre sicher das Ende der Welt.
    Dr. Michael Groß, Nesselröden (Nieders.)

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