Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 76 / 78

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Kamala Harris, Kolumne Feldenkirchen über Grüne, Lauterbach verärgert die Fachwelt, SPD und das Bürgergeld – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 32/2024

Das absolute Kontrastprogramm

Heft 31/2024 Titel: Madam President? 

  • In Heft 30 dominierte Donald Trump das Titelblatt, in Heft 31 ist es Kamala Harris. Findet der US-Wahlkampf in Deutschland statt?
    Peter Lattmann, Hamburg

  • Ohne Frage ist Kamala Harris das absolute Kontrastprogramm zu dem frustrierten alten Mann Donald Trump, der seine Niederlage bei der letzten Wahl nie verwinden konnte und nicht eingestehen mochte. Wie es inzwischen aussieht, könnte die deutlich jüngere Harris mit einem geeigneten Vizepräsidentschaftskandidaten die Wahl klar für sich entscheiden.
    Dr. Hans Christian Hummel, Hannover

  • Eine Präsidentin mit indischen und jamaikanischen Wurzeln,
    das zeugt von den Vereinigten Staaten als einem Vielvölkerstaat. Die Verächtlichmachungen der Trump-Seite werden verpuffen. Gott segne Amerika.
    Hans Kiechle, Saarwellingen-Reisbach (Saarl.)

  • Das in zwei Lager gespaltene Amerika erfordert eine Präsidentin oder einen Präsidenten, der dieses riesige und geopolitisch bedeutsame Land äußerst bedacht und besonnen in die Zukunft führt. Kamala Harris ist ebenso dynamisch wie eloquent, hat ausreichend politische Erfahrung und konnte über mehrere Jahre als Senatorin im größten Bundesstaat Kalifornien ihre Fähigkeiten nachweisen. Sie wäre für Amerika, Europa und die Welt die eindeutig bessere Wahl als der engstirnige und ruppige Polterer Trump.
    Horst Winkler, Herne (NRW)

  • In den USA ist es üblich, dass sich der/die Vize im Hintergrund hält. Deswegen ist die Berichterstattung wegen Kamala Harris Unauffälligkeit eher europäisch. Neben Tanzen hat sie sicherlich noch etliche weitere Kompetenzen, die uns ruhiger schlafen lassen können. Man darf gespannt sein, wie eine ehemalige Staatsanwältin sich mit einem Straftäter im Wahlkampf auseinandersetzt. Das ist wohl einzigartig und nur in den USA möglich.
    Darja Keller, Fellbach (Bad.-Württ.)

  • Solange Kamala Harris sich nicht dazu hinreißen lässt, sich in Tonalität, intellektuellem Niveau und Performance dem rüpelhaften Donald Trump und seinem Vize anzupassen, wird ihre Beliebtheit bei den Wählern weiter steigen. Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass das amerikanische Volk Typen mit einem Benehmen wie eine offene Hose das Geschick ihrer Nation anvertrauen wollen.
    Bernd Spiecker, Schorndorf (Bayern)

  • Ich bin erleichtert und wünsche den US-Bürgern eine gute Wahl und die richtige Entscheidung.
    Helmut Balser, Michelstadt (Hessen)

Angst vor uns Wählern

Heft 30/2024 Kolumne: Der gesunde Menschenverstand

  • Mit großem Vergnügen habe ich den Artikel gelesen. Hier werden in wunderbar satirischer Weise unsere etablierten Parteien da­rauf hingewiesen, dass diese den Kontakt zu ihren (potenziellen) Wählern immer mehr verlieren. Möglicherweise reichte der Platz nicht – aber vielleicht sollte man auch erwähnen, dass es viele der Mandatsträger offenbar für überflüssig halten, jemals ein Studium abzuschließen oder einer Ausbildung mit Berufstätigkeit nachzugehen. Keine Ahnung von der Arbeitswelt, aber Gesetze für ein 80-Millionen-Volk machen. Vielleicht sollte man den Nachweis von Berufserfahrung als Kriterium für die Kandidatur zum Abgeordneten einführen. Überall sonst im Arbeitsleben gibt es solche Anforderungen.
    Klaus Bodmann, Hannover

  • Ihre Idee mit der Zwangskonfrontation der Abgeordneten mit Bürgerinnen und Bürgern finde ich super, sie würde aber daran scheitern, dass die Abgeordneten Angst vor uns Wählern haben. Die tatsächlichen Probleme der Menschen in unserem Land (Bildung, Rente, Investitionen in die Infrastruktur und so weiter) interessierten die Politiker in den letzten Jahrzehnten nicht, und ein Umdenken sehe ich leider auch jetzt nicht.
    Josef Breit, Regensburg

Er weiß es wirklich besser

Heft 30/2024 Gesundheitsminister Lauterbach stößt die Fachwelt vor den Kopf 

  • Von Ihrem Verriss – Porträt kann man es ja eher nicht nennen – bleibt nicht viel übrig: Mir ist ein hoch qualifizierter Wissenschaftler, der seinen Gestaltungsspielraum als Teil der Exekutive nutzen möchte, allemal lieber als fachfremde Vorgänger (erinnert sich jemand an Hermann Gröhe?), deren Inaktivität empörend ist. Das Gesundheitssystem war schon immer veränderungsträge, und fast keine Reform funktioniert ab Start. Und ja, man geht mit Maximalforderungen in Verhandlungen – das ist nicht dreist, sondern üblich.
    Matthias Heindorf, Allschwill (Schweiz)

  • Als Assistenzärztin in der Chi­rurgie bereitet mir die Weiterbildung große Sorgen. Wenn mehrere Kliniken geschlossen werden und chirurgische Eingriffe nur an Spezialkliniken durchgeführt werden sollen, wie soll ein Arzt in Weiterbildung seinen OP-Katalog vervollständigen? Wenn ein Patient sich zur Knie- oder Hüftimplantation mit entsprechender Wartezeit in einer Spezialklinik vorstellt, geht er wahrscheinlich davon aus, nicht von einem »Anfänger« operiert zu werden. Können sich Kliniken dann überhaupt noch eine Aus- und Weiterbildung ihrer Assistenten erlauben? Und wenn eine Klinik 100 Halsschlagaderoperationen im Jahr abrechnen darf, was passiert am Ende des Jahres mit dem 101. Patienten? Muss er bis zum 1.  Januar mit seiner Operation warten und das erhöhte Schlaganfallrisiko in Kauf nehmen? Herr Lauterbach ist uns noch auf viele Fragen einige Antworten schuldig.
    Dr. Linda Rojin, Gelsenkirchen

  • Diesmal weiß er es wirklich besser. Beispiel: Das vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen heftig kritisierte sogenannte Gesundes-Herz-Gesetz
    ist ein pragmatischer und evidenzbasierter Ansatz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie den Herz­infarkt oder Schlaganfall
    zu verhindern. Es geht um Vorsorge dieser häufigsten und vermeidbaren Erkrankungen. Es geht um Menschenschutz. Ein bedeutender Risikofaktor sind Fettstoffwechselstörungen. Wird die Verbesserung der Prävention wirksam umgesetzt, können 80 Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 50 Prozent der Krebserkrankungen und 30 Prozent der Demenzerkrankungen verhindert werden.
    Prof. Dr. med. Hans Joachim von Büdingen, Berlin

  • Vielen Dank für den tollen Artikel. Nur schade, dass das Thema »Finanzierung der Weiterbildung zu Fachpsychotherapeuten« keine Erwähnung fand. Die aktuelle Weiterbildungsreform für Psychotherapie liegt nämlich auch gerade bei ihm auf dem Tisch. Aktuell fehlt die Finanzierung. Das heißt, es ist unklar, wer für die Ausbildung von Psychotherapeuten zahlen soll. Es geht also um die Frage, ob in Zukunft Psychotherapeuten ausgebildet werden können oder nicht.
    Jan Spreemann, München

  • Ich hätte mir gewünscht, die Autorin hätte mal in etwa die immense Summe aufaddiert, die durch die fehlende Digitalisierung entsteht: Wenn diese nämlich einheitlich in ganz Deutschland schnell umgesetzt und die Datenschutzgrundverordnung in notwendige Schranken gewiesen würde, wäre das eine riesige Einsparung innerhalb des Systems. Und Gespräche mit dem Finanzgenie Lindner wären Schnee von gestern.
    Roland Knoll, Sulzburg (Bad.-Württ.)

  • In meiner Arztpraxis erlebe ich täglich, wie Bundesgesundheitsminister Lauterbach unser Gesundheitssystem systematisch destabilisiert und wie seine vermeintlichen »Lösungen« eine kontinuierliche Verschlechterung der Patientenversorgung zur Folge haben. Wer wie er die Entbudgetierung für Hausärzte und Hausärztinnen als Erfolg verbucht, braucht sich über die zunehmenden Probleme bei der hausärztlichen Versorgung nicht zu wundern. Entbudgetierung bedeutet, dass Ärzte und Ärztinnen bis zur Erschöpfung arbeiten sollen, um politisches Versagen in der Gesundheitsversorgung auszugleichen. Wenn unsere Leistungen endlich angemessen honoriert und die Bürokratie auf ein normales Maß zurechtgestutzt wird, wenn wir Medikamente wieder verordnen können, ohne ständig das Damoklesschwert »Regress« über uns zu spüren und wir in unserer Therapiefreiheit weniger gegängelt werden, dann wird auch der ärztliche Nachwuchs wieder Interesse an einer Niederlassung haben.

  • Dr. med. Mathias Frank, Facharzt für Allgemeinmedizin, Karlsruhe

  • Deutschland ist eine der ungerechtesten Gesellschaften in Europa geworden, nicht nur, was die Vermögensverteilung angeht. Schon die Wiedervereinigung wurde hauptsächlich über die Sozialsysteme abgewickelt. Privatversicherte blieben außen vor. Die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge steigen und steigen. Der Zuschuss, den die Regierung für diese Beiträge der Bürgergeldempfänger zahlt, ist viel zu niedrig. Die Kassen schlagen Alarm, Folge: Die Beiträge werden steigen. Wieder sind Privatversicherte nicht betroffen. Die lauterbachsche »Krankenhausreform« wird wieder nur die gesetzlich Versicherten betreffen. Ich habe nichts dagegen, wenn gut situierte Leute sich bessere Leistungen einkaufen können. Aber hier wird von Staats wegen immer die gleiche Bevölkerungsgruppe zur Kasse gebeten, während Millionen von allen Steuerzahlenden subventioniert werden.
    Dorothea Fehsenfeld, Göttingen

  • Herr Lauterbach macht Tempo! Genau das braucht Deutschland. Natürlich sind damit einige der bisherigen Profiteure nicht einverstanden! Na und? Wollt Ihr
    nur BER-Tempo?
    Jens-Peter Kettel, Carthage (USA)

Stimmungsmache

Heft 30/2024 Wie die SPD auf die fatale Idee des Bürgergelds kam 

  • Was mich ärgert: Von SPD bis FDP, von »Focus« bis SPIEGEL, von »Welt« bis »Zeit« geht es in dieser Debatte grundsätzlich darum, die Situation für Bezieher staatlicher Leistungen zu verschlechtern, der Gerechtigkeit wegen. Das führt die komplette Idee ad absurdum. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einen Artikel gelesen zu haben, in dem es darum gegangen wäre, die Situation für arbeitende
    Menschen zu verbessern, Korrekturen also – im Sinne sozialer Gerechtigkeit statt im Sinne des Kapitals – nach oben durchzuführen statt nach unten. Geht es nicht darum, die Gesellschaft als Ganzes zu entwickeln? Gerade vom SPIEGEL erwarte ich kritische Fragen in dieser Hinsicht.
    Dennis Schwalb, Sinn (Hessen)

  • Sie machen im »Bild«-Stil Stimmung gegen Empfänger von Bürgergeld. Die Höhe des Bürger­geldes richtet sich nach einem Warenkorb, ist also nicht von Sozialromantikern definiert. Das Verfassungsgericht hat schon vor eineinhalb Jahrzehnten eine veränderte Berechnungsmethode eingefordert, Frau Merkel hat das nie interessiert, erst die Ampel kümmerte sich darum. Daher stiegen die Sätze einmalig überproportional stark an. Löhne richten sich nicht nach Preisen. Das Lohnabstandsgebot wird übrigens durch den steuerfreien Grundfreibetrag sichergestellt, er wird jährlich erhöht. Wenn der SPIEGEL meint, Arbeit lohnt sich nicht mehr, weil es 560 Euro Bürgergeld gibt, sollte er vielleicht mal über die Arbeitgeber berichten, die Beschäftigte derart ausbeuten, dass sie für geleistete Arbeit mit dem Existenzminimum abgespeist werden.
    Christian Müller, Wuppertal

  • 260.000 Arbeitsverweigerer im Verhältnis zu 40 Millionen Arbeitenden sind nur 0,65 Prozent. Das als großes Problem aufzubauschen ist problematisch. Und die Viel-zu-schlecht-Verdiener gegen die fünf Millionen Bedürftigen aufzuhetzen, mit dem Argument von 0,65 Prozent Verweigerern, befeuert die Spaltung unserer Gesellschaft. Ich fände es gut, wenn neben deren Zitaten auch gleich die Prozentzahl stünden, um ihre Aussage zu entschärfen. Milliardäre, die keine Steuern zahlen, kosten den Staat mehr als die paar Arbeitsverweigerer.
    Elke Schürer, Simmerberg (Bayern)

  • Die Politik muss bei den Kosten der Unterkunft ansetzen. Deutschland braucht bezahlbaren Wohnraum und eine Herausführung der Menschen – die deshalb hilfebedürftig sind, weil sie den Mietzins nicht schultern können – aus dem »Stütze-Stigma«. Dass das anrechenbare Einkommen nicht ausreicht, liegt nur allzu oft an den Kosten der Unterkunft. Aufklärung tut Not. Werden Sie Ihrem verfassungsrechtlichen Auftrag gerecht, statt Bedürftigen-Bashing zu betreiben.
    Stefan Fluri, Freiburg im Breisgau

Aperol Prost!

Heft 30/2024 Warum die mittleren Jahre die besten sind, erklärt Philosophin Barbara Bleisch im SPIEGEL-Gespräch 

  • Frau Bleisch scheint berufliche Abhängigkeiten der beschriebenen mittleren Altersgruppe bezüglich freier Lebensgestaltung im Artikel nicht zu bedenken. Wirklich frei könnten Frauen und Männer dann sein, wenn die Kinder unabhängig und erwachsen, die Eltern gestorben sind und es genug Geld für die Gestaltung des täglichen Lebens gibt. Dann kann begonnen werden, das eigene Ich zu leben. Auch das sind Vermutungen, Beurteilungen und Verallgemeinerungen und daher mit Vorsicht zu genießen. Ich wünsche Frau Bleisch ein gutes Altern, um vielleicht zu bemerken, wie sich wirkliche Freiheit anfühlt. Aperol Prost!
    Elsa Königshofer, Wien

  • Vielen herzlichen Dank, dass Sie die Philosophin Bleisch interviewt haben. Dieser klugen und belesenen Frau zuzuhören ist ein intellektueller Genuss.
    Anne Chavez, Frankfurt am Main

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