Briefe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 97 / 100

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Mütter und Söhne, die Ampelkoalition, Jürgen Trittin und das Dosenpfand und das Bürgergeld – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 1/2024

Tief sitzende Muster

Heft 52/2023 Titel: Für immer Sohn. Wie Mütter das Leben von Männern prägen 

  • Die Beziehungen zwischen Müttern und Söhnen dürften so vielfältig sein, wie die Menschen unterschiedlich sind. Insofern halte ich diese Titelgeschichte allenfalls für ein unterhaltsames Konstrukt und frage mich, wieso in unseren Legenden und Märchen immer nur von bösen Stiefmüttern die Rede ist.
    Klaus Müller, Essen

  • Als 68er-Jahrgang kenne ich diese tief sitzenden Muster des Kämpfen- und Befreienmüssens. Jedoch sollte man sich vergegenwärtigen, dass unsere Elterngeneration die Traumata des Weltkriegs in sich trägt. Wer die prägenden Kindheitsjahre in den Bombenkellern verbringt, kann – ähnlich wie die heutigen Flüchtlinge – kein Urvertrauen entwickeln und dieses auf seine Kinder übertragen. Wirkliche Lösung und Heilung bringen nur Akzeptanz, Liebe und Vergebung – und zwar in beide Richtungen.
    Carsten Bowien, Hamburg

  • Die Jesuiten pflegen eine besondere Beziehung zu Maria. Die Mutter des Gründers der Jesuiten, Inigo de Loyola, starb kurz nach seiner Geburt. Er wurde von einer Amme versorgt. Die fehlende Mutterbeziehung wurde dann auf die Mutter Jesu übertragen. Auch der später berühmte Chinamissionar Matteo Ricci SJ fand bei den Jesuiten in Maria den Ersatz. Auf Bildern von ihm ist im Hintergrund oft Maria mit dem Kind auf dem Arm dargestellt.
    Peter Duell, Göttingen

  • Vielen Dank für diesen herausragenden, ehrlichen und berührenden Essay »Fast hätte ich meine Mutter umgebracht«.
    Yvonne Debold-Graf, Abstatt (Bad.-Württ.)

  • Ich empfehle zu diesem Thema den Film »Ödipussi« von und mit dem wunderbaren Loriot. Ein Film, der in 90 Minuten auf den Punkt bringt, worüber sich Therapeuten und Analytiker jahrhundertelang Gedanken gemacht haben.
    Hans-Dieter Heithausen, Krefeld

Land in Geiselhaft

Heft 51/2023 Leitartikel: Die Ampelkoalition zeigt, dass sie den Ernst der Lage erkannt hat 

  • Es bedarf wohl eines besonderen Drahtes zu dieser Regierung, um aus deren Haushaltseinigung, wenn es denn überhaupt eine Einigung war, Hoffnung und Vertrauen zu generieren. Als Normalbürger fragt man sich, was will denn diese Regierung nun eigentlich? E-Autos und eine ökologische Landwirtschaft können es wohl nicht mehr sein, denn beides wird nach diesen Sparmaßnahmen kaum noch finanzierbar. Maßnahmen, insbesondere die CO₂-Bepreisung, treffen direkt oder indirekt besonders die finanziell schwächere Hälfte der Bevölkerung und verstärken die soziale Schieflage. Selbst das versprochene Klimageld steht in den Sternen.
    Dietmar Sobottka, Chemnitz

  • Martin Knobbe schreibt: »Herausgekommen ist Kleinteiliges, Schmerzhaftes für jeden der drei, für den einen etwas weniger als für die anderen.« Im Ernst? Hier geht es nicht um Aua für drei Männer, sondern um Sparmaßnahmen, die viele Menschen in Deutschland betreffen. Und das alles, weil eine Unter-fünf-Prozent-Partei das Land in Geiselhaft nimmt, weil sie partout am Fetisch Schuldenbremse festhält.
    Dr. Angela Graf, Hamburg

  • Die Ampel hat in ihrer zweijährigen Amtszeit, trotz der vielen unvorhersehbaren Zwischenfälle, sehr gute Arbeit geleistet und abgeliefert. Alles andere ist dummes Geschwätz.
    Lothar Wirth, Berlin

  • Gut, dass die Ampelkoalition den »Ernst der Lage« erkannt hat, insbesondere wohl eine der Parteien. Man hat ja nun gesehen, welche Auswirkungen es bereits hat, wenn Kürzungen in Bereichen vorgenommen werden, die eher die unteren Einkommen betreffen. Der Protest der Bauern, die Menge an Traktoren in Berlin und anderen Orten, führten schon zu deutlichen Behinderungen und Signalen an die Parteien. Was wäre wohl passiert, wenn
    die Einsparungen auch noch die Privilegierten und Superreichen getroffen hätte? Das Chaos in Berlins Regierungsviertel wäre perfekt gewesen. Endlose Schlangen Porsches, Dienstwagen der gehobenen Klasse und hoch motorisierte bezuschusste E-Autos hätten die Straßen Berlins verstopft. Die Spree wäre von großen Motor- und Segeljachten blockiert worden. Vielleicht hätte sogar der Berliner Flughafen für den gesamten Luftverkehr wegen der vielen Privatjets auf den Landebahnen geschlossen werden müssen. Das Chaos wäre unerträglich geworden. Gut also, dass die Ampelkoalition es nicht so weit hat kommen lassen. Wenigstens eine Partei konnte das wohl verhindern.
    Hellmut Schneider, Kerpen (NRW)

  • Sie schreiben von klimaschädlichen Subventionen für die Landwirtschaft, die im Rahmen der Einigung der Ampelregierung gestrichen werden sollen. Unklar bleibt dabei, warum diese bisherigen Subventionen klimaschädlich sein sollen. Im Gegensatz zum Dienstwagenprivileg, das tatsächlich dazu führt, dass mehr Auto gefahren wird, als unter Umständen notwendig ist, beinhaltet die Streichung der Subventionen für Diesel keinerlei Lenkungswirkung. Die Landwirte werden ihre Traktoren nicht in der Scheune stehen lassen können, nur weil der Sprit teurer wird. Wenn die Wiesen gemäht und das Getreide geerntet werden müssen, werden die Traktoren fahren. Außerdem gibt es keine wirkliche praxistaugliche elektrische Alternative. Was bleibt, ist also keine Reduktion des Spritverbrauchs in der Landwirtschaft, sondern einzig eine weitere Belastung dieser Branche. Teurere Preise von in Deutschland produzierten Lebensmitteln führen vermutlich zu einem Nachfragehoch ausländischer Produkte. Wo bleibt der Gewinn fürs Klima?
    Dr. Lisa Fischer, Waltenhofen (Bayern)

Job ernst genommen

Heft 51/2023 Kolumne: Die Gegendarstellung – Lang lebe DJ Dosenpfand! 

  • Dem selbst ernannten Recycling- und Energieexperten Neubacher hat sein Kommentar zum Trittin-Rücktritt sichtlich Spaß gemacht. Man hat den Eindruck, dass er freudig die Gelegenheit beim Schopf ergriff, seinen Frust über einen Politiker auszuschütten, über den er sich schon immer geärgert haben muss. Trittin hat schließlich all die überkommenen Gewissheiten der Kohl- und Merkel-Jahre immer wieder mit Worten und Taten ad absurdum geführt. Das hat die Ruhe in der Republik gestört, zum Aufschwung der Grünen geführt und den Menschen gezeigt, dass es auch noch ein Klimaproblem gibt. Letzteres hat Neubacher ausgespart, und das wird ihm in der wieder rechteren Republik viel Beifall bringen. Atomkraft hat aber Merkel abgeschafft.
    Helmut Kapferer, Freiburg im Breisgau

  • Trittin als einen besonders viel Unfug treibenden Politiker zu bezeichnen ist sehr polemisch und beruht offensichtlich auf lückenhaften Kenntnissen. Erstens: Das EEG wurde von vier SPD- und Grünenpolitikern geschrieben und stammte nicht allein von Herrn Trittin. Darüber hinaus wurde es von vielen anderen Staaten übernommen. Welche Länder haben denn den Ausbau der Erneuerbaren billiger hinbekommen? China wäre kein gutes Beispiel, da es dort viel höhere Subventionen gab. Zweitens: Den rechtssicheren Atomausstieg von Rot-Grün bis 2022 hat Kanzlerin Merkel ohne Not 2010 rückgängig gemacht. 2011, nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima, folgte die Rolle rückwärts: erneuter Atomausstieg, Kosten 2,5 Milliarden Euro zusätzlich für uns Steuerzahler. Auch wenn Herr Neubacher den Atomausstieg immer wieder betrauert: Die vier Prozent Strom, die uns durch die Abschaltung der letzten drei AKW »durch die Lappen gehen«, stehen in keinem Verhältnis zu den Risiken des Weiterbetriebs. Drittens, Dosenpfand: Der Mehrweganteil bei Flaschen ist damals immer weiter zurückgegangen, der von Einweg nahm ständig zu.
    Andreas Schattka, Braunschweig

  • Herrn Neubachers Kolumne lese ich jede Woche gern – manchmal mit Vergnügen, immer mit Interesse, gelegentlich nur, um mich darüber zu ärgern. Einiges davon ist aber schlicht Unsinn. Ein Beispiel ist die aktuelle Würdigung von Jürgen Trittin. In meinen Augen ist Trittin ein Politiker, der seinen Job (und seinen Amtseid) ernst genommen hat. Zwar war die EEG-Umlage gut gemeint, aber wirkungslos, doch der Atomausstieg war definitiv eine richtige Entscheidung. Trittins Namen wird aber zuallererst immer im Zusammenhang mit dem Dosenpfand genannt. Warum auch nicht? Vor dessen Einführung waren Flächen neben Straßen mit Dosen und Plastikflaschen zugemüllt, danach war es dort schlagartig viel sauberer. Selbst wenn dies als einziges Verdienst Trittins gelten soll, ist es doch schon mehr, als die meisten Politiker hinterlassen.
    Wolfgang Schmidt, Lage / Lippe (NRW)

Aufs Gesamtsystem schauen

Heft 51/2023 Hält das Bürgergeld Menschen wirklich vom Arbeiten ab? Ein Report aus den Wirrnissen des Sozialstaats 

  • Ihr Artikel bringt den seit vielen Jahrzehnten andauernden Wahnsinn des bundesdeutschen Sozialsystems auf den Punkt. Für Menschen mit Einkommen unter dem statistischen Durchschnitt stellen eigene Kinder ein unkalkulierbares Armutsrisiko dar. Im Gegenzug haben Kinder aus solchen Familien deutlich geringere Bildungs- und Aufstiegschancen. Wird die Gefahr für unsere Gesellschaft nicht erkannt? Welche Mechanismen verhindern eine Auflösung dieses Dilemmas?
    Matthias Meineke, Tostedt (Nieders.)

  • Im Gegensatz zu Leuten wie Friedrich Merz und Carsten Linnemann, die in ihrer politischen Agitation etwas beurteilen, das ihnen völlig fremd sein wird, habe ich trotz vorzeigbarer beruflicher Qualifikationen Langzeitarbeitslosigkeit nicht nur einmal durchlebt. Ich kann daher sicher besser nachvollziehen, was es heute noch heißt, gegenüber unserem Sozialstaat seine Bedürftigkeit darlegen und rechtliche Ansprüche auf Unterstützung mit allen damit verbundenen Konsequenzen geltend machen zu müssen. Es wäre angemessen, den die Menschenwürde verletzenden Gebrauch der Metapher »soziale Hängematte« strafrechtlich zu untersagen. Dass hierzulande Unternehmensführungen ihre Lohnkosten mit allen erdenklichen und nicht selten auch -illegalen Tricks – auch auf Kosten unseres Sozialstaats – drücken und damit nicht nur ihren Mangel an Wertschätzung gegenüber ihren Beschäftigten untermauern, sondern ihrer sozialer Verantwortung nicht nachkommen, lässt man bei der ganzen Thematik leider allzu gern unter den Tisch fallen.
    Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)

  • Wer im Dickicht des Sozialstaats arbeitet oder Leistungen bezieht, hat den Überblick verloren. Für die Mitarbeiter in diesem undurchdringlichen Gewirr von Vorschriften und Zuständigkeiten ist es frustrierend, für die anderen reizvoll: Wer (mehr) arbeitet, ist der Dumme. Zwecklos, in diesem Dickicht einzelne Äste zu bearbeiten; man muss zur Säge
    greifen, wenn man wieder auf
    das Gesamtsystem schauen will. »Hilfe zur Selbsthilfe« war vor vielen Jahren das Maß, um Menschen in Notlagen zu helfen. Der fürsorgende Sozialstaat hat da-raus ein System der belohnenden Bevormundung seiner Bürger gemacht und erwartet dafür Wohlverhalten. Entstanden ist ein komplexer Sozialstaat, »den nicht einmal die verstehen, die für ihn arbeiten«.
    Klaus Gryschka, Söhlde (Nieders.)

  • Reformvorschläge wie die im
    Artikel beschriebenen sind aus zwei Gründen zum Scheitern verdammt. Zum einen: Sie stammen von Fachleuten und Forschenden, die sich mit Hintergründen befassen. Nicht aus der Beamtenschaft. Und zum anderen: Bei Erfolg von Reformen würde die Letztere von Aufgaben entlastet, verlöre gar Zuständigkeiten. Und das geht ja nun gar nicht, in einem Land, in dem zum Abbau von Bürokratie zuallererst Behörden geschaffen werden.
    Michael Seitz, München

Bedenklicher Tiefstand

Heft 51/2023 Eine Beamtin aus dem Finanzministerium beim Superreichen-Event 

  • Die Politikverdrossenheit und das Misstrauen in unsere Politiker hat doch schon einen bedenklichen Tiefstand erreicht. Frau Hofmann hat mit ihrem Verhalten ganz sicher dazu beigetragen, dass es damit noch ein Stück weiter bergab geht.
    Werner Ocken, Geestland (Nieders.)

Wohliges Gefühl

Heft 51/2023 Homestory – Warum ich mich nicht zur Verkehrswende zwingen lasse 

  • Danke für diesen Text! Beim Lesen stellte sich ein wohliges Gefühl ein, wie ich es nicht mehr so oft habe in diesen Zeiten. Beiläufig kenntnisreich kommt er daher, warmherzig, witzig und mit einer großen sprachlichen Qualität.
    Lutz-D. Weiß, Cuxhaven

Jeder wurschtelt vor sich hin

Heft 51/2023 In 22 Tagen einen Altbau sanieren? Das geht! 

  • Ich habe eine solche Handwerkerkooperation als Geschäftsführerin geleitet, und die Vorteile für Bauherren und die betroffenen Handwerksunternehmen waren enorm. Ich verstehe nicht, wieso das System nicht mehr umgesetzt wurde. Stattdessen wurschtelt jeder weiter vor sich hin.
    Dagmar Kreider-Kockel, Bad Pyrmont (Nieders.)

Leserbriefe bitte an leserbriefe@spiegel.de . Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt sowie digital zu veröffentlichen und unter SPIEGEL.de zu archivieren.

Zur Ausgabe
Artikel 97 / 100