Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Vollgas gegen die Fahrtrichtung
Heft 15/2025 Titel: Der Raubritter
Sie sollten Donald Trump kein Titelbild widmen. Ein Narzisst wie er wird das nur als Bestätigung sehen. Das wollen wir doch nicht.
Thomas Erdbrink, Eschweiler (NRW)Welch unpassende Analogie! Ein Raubritter handelt immerhin rational, seine Devise ist nachvollziehbar, wenn auch meist zu seinem eigenen Vorteil. Trump agiert hingegen als Geisterfahrer – fährt mit Lichthupe Vollgas gegen die globale Fahrtrichtung, hält nichts von Regeln für alle, gefährdet sein Land ebenso wie den Rest der Welt und stilisiert seine Respektlosigkeit selbstgefällig zu mutigem Durchsetzungsvermögen.
Winfried Burger, Ebensfeld (Bayern)Wie gewohnt bieten Sie Ihren Lesern eine gründliche Analyse eines sehr aktuellen politischen Themas an. Allerdings vermisse ich das Eingehen auf Trumps Argument, Europa belaste den Import von Autos mit zehn Prozent Zoll, während die USA nur zweieinhalb Prozent für entsprechenden Import erheben; das sei unfair. Weder bei Ihnen noch in zahlreichen Talkshows zu diesem Thema behandeln Journalisten und Politiker ausreichend die Frage, ob Europa diesen hohen Zoll auf US-Autos überhaupt benötigt. Damit bietet Europa unnötig eine durchaus vermeidbare Schwachstelle, die es verdient, diskutiert zu werden.
Günter Jaunig, Swisttal (NRW)Ich frage mich, warum niemand in den USA, aber auch beim SPIEGEL, sich daran erinnert, dass Donald Trump als Unternehmer total versagt und bereits mehrere Insolvenzen verursacht hat – also gescheitert ist. Nur sein Vater hat ihn damals jedes Mal gerettet. Das wird leider vollkommen verschwiegen. Und solch ein wirtschaftlicher Loser will jetzt die Wirtschaft der USA retten und in ungeahnte Höhen bringen? Das kann ja nur scheitern. Er hat keinerlei Ahnung, und seine Berater sind nur Jasager. Ich hoffe, der Rest der Welt überlebt Trumps unberechenbare Wirtschaftspolitik und seine Präsidentenzeit.
Rosemarie Zimbelius, Reichenbach an der Fils (Bad.-Württ.)Die alte Weltordnung zerstören und eine neue mit den Techmilliardären aufbauen. Wer noch Zweifel an Trumps Agenda hat, braucht bloß hinzuschauen.
Dr. Günther Witzany, Bürmoos (Österreich)Ja, die Weltwirtschaft ist stark verflochten. Deshalb greifen auch die Auswirkungen der Zollanhebungen bis in die letzte Ecke der Erde. Allerdings ist die Globalisierung in der jetzigen Ausprägung nicht erst seit Ausbruch der Coronapandemie (mit der Unterbrechung der Lieferketten) zu hinterfragen. Sosehr auch eine internationale Arbeitsteilung als Bereicherung anzusehen ist, so schwer wiegt das Fehlen von Mindeststandards. Das betrifft Arbeitnehmerrechte genauso wie die Ungleichheit ökologischer Rahmenbedingungen. Dass die Systematik der Zuschläge nicht nachvollziehbar ist, ist offensichtlich, jedoch ergäbe sich jetzt die Chance, die Weltwirtschaft anders auszurichten.
Rainer Szymanski, Grünheide (Brandenb.)Der Tag, an dem Trump in einem Rundumschlag gegen die Welt seine Zölle erhob, wird als schwarzer Tag im Monat April 2025 in die amerikanische Geschichte eingehen. Die Amerikaner werden schmerzvoll erfahren, was für einen Hasardeur sie gewählt haben. Die Europäische Union muss sich Trump selbstbewusst entgegenstellen und Partner suchen, die sich immer noch dem freien und fairen Welthandel und Wettbewerb verpflichtet fühlen.
Dietmar Wielgoß, Stimpfach (Bad.-Württ.)Trump macht sich gerade um den Umweltschutz verdient, indem er den Überkonsum durch das einfache Volk in den USA und anderswo beendet. Seinem Naturell entsprechend wird er damit mehr bewirken als alle Weltklimakonferenzen zusammen.
Dr. Andreas Pommert, Buxtehude (Nieders.)
In der Handlungsfalle
Heft 14/2025 So will SPD-Chef Lars Klingbeil Vizekanzler werden
Ist es wirklich angebracht, Lars Klingbeil als »skrupellos« zu bezeichnen? Hat der SPIEGEL nach Habeck jetzt bereits ein neues Bashing-Opfer entdeckt?
Wilfried Merg, LeverkusenNicht Lars Klingbeil, sondern die ganze SPD-Führung hat die Niederlage zu verantworten; sie hauptsächlich Klingbeil ans Revers zu heften, ist absolut unfair. Als skrupellos bezeichne ich Menschen, denen zum Erreichen ihres Ziels jedes Mittel recht ist. In die Klasse solcher Gauner gehört Lars Klingbeil wirklich nicht. Im Grunde muss die SPD froh sein, wenn einer bei solch heterogenen Strebungen in der Partei tatsächlich Führung übernehmen möchte und Handlungsfähigkeit personifiziert. Wie sähen Ihre Kommentare aus, wenn sich die SPD erst mal im Sinne einer Selbsthilfegruppe zurückziehen und der CDU signalisieren würde: »Bevor wir nicht unsere innerparteilichen Kernkonflikte gelöst und Einigkeit in der Linie erzielt haben, sehen wir uns zu einer Beteiligung an einer neuen Regierung noch nicht in der Lage«? Der Tenor der Resonanz wäre: »In einer so schwierigen außen- und innenpolitischen Gesamtsituation entscheidet sich die SPD zur eigenen Nabelschau und drückt sich vor ihrer Verantwortung.« Fazit: Die SPD befindet sich in einer Handlungsfalle. Egal wozu sie sich durchringt, das »Ja, aber«-Echo wird immer kommen.
Gerhard Jung, Biebertal (Hessen)Lars Klingbeil ist in der Tat die letzte Chance der SPD. Nach
den Wahlniederlagen und der Lähmung der Genossen durch den »Scholzomaten« verkörpert Klingbeil wie kein anderer in der SPD ein neues, dynamisches Erscheinungsbild, gepaart mit sehr viel politischem Talent. Und nicht zuletzt steht Klingbeil auch für eine klare Kante der SPD gegen die faschistoide AfD. Klingbeil hat die AfD und Alice Weidel (in ihrem Beisein) als »Nazis« bezeichnet. Und dies später mit dem Satz begründet, »Nazis muss man Nazis nennen«. Klingbeil zeigt mit diesem offensiven Konzept, dass die SPD unter seiner Führung nicht zulassen wird, dass die AfD die SPD als neue »Arbeiterpartei« ersetzt.
John Osmani, Nideggen (NRW)Mit zunehmendem Ärger und Enttäuschung habe ich den Verlauf der Koalitionsgespräche zwischen Union und SPD verfolgt. Angesichts der generellen politischen Lage sollte es für die deutsche Politik nur drei Themen geben: Verteidigung, Wirtschaft und Klima. Es ist unverantwortlich, dass die SPD jetzt versucht, Sonderwünsche aus dem Sonderhaushalt durchzusetzen. Unser Lebensstandard ist ständig gestiegen, nun müssen wir mal anhalten und konsolidieren, was wir haben. Wie sich zeigt, denken Klingbeil und Esken immer noch in erster Linie parteipolitisch und an ihre eigene Karriere und nicht an Deutschland. Für einen Posten in der künftigen Regierung sind sie ungeeignet. Im Übrigen ist es doch völlig egal, ob jemand aus Niedersachsen oder Bayern kommt – solange er oder sie für ein Regierungsamt befähigt ist. Die Besten nehmen, so einfach ist das. Das parteipolitische Pöstchengeschacher stößt mir übel auf.
Dr. Hans Krag, Berlin
Die Lage ist viel ernster
Heft 14/2025 Essay: War der deutsche Pazifismus eine Chimäre?
Mit großer Beklemmung habe ich den Artikel zur sicherheitspolitischen Zeitenwende gelesen. Was mich besonders erschüttert hat, ist das Wort »Vorkriegszeit«, das darin auftaucht. »Vorkriegszeit« suggeriert eine unausweichliche Zukunft, als wäre der Krieg bereits beschlossene Sache. Es verwandelt eine gegenwärtige Krisenlage in ein vermeintlich feststehendes Schicksal. Damit wird nicht nur Angst geschürt, sondern auch der Handlungsspielraum für Diplomatie und politische Verantwortung gefährlich verengt. Wer von einer »Vorkriegszeit« spricht, sollte sich bewusst sein, welche Bilder, Gefühle und Automatismen damit ausgelöst werden. Sprache ist nicht neutral – und in Zeiten wie diesen brauchen wir Worte, die die Hoffnung bewahren und nicht den Krieg vorbereiten.
Thomas Karlas, LeipzigDie mangelnde Ernsthaftigkeit dieses Essays hat mich erschüttert, da helfen alle wohlformulierten Sätze nichts. Es hätte dem Autor ja auffallen können, dass es in der heutigen Zeit nicht um deutsche Befindlichkeiten geht. Die Lage ist viel ernster. Aber »die Carbonara war wirklich fantastisch«. Das ist, was zählt.
Katrin Klei, Bad Salzuflen (NRW)Da kann ich den Journalisten beruhigen; Kindern der Mittel- und Oberschicht wurden von jeher Schlupflöcher zur Umgehung des Kriegseinsatzes geboten. Man stelle sich mal vor, die Söhne unserer Abgeordneten und Wirtschaftsbosse müssten an der Front für Freiheit und Demokratie kämpfen. Würden sich die Rufe nach Kriegsmaschinerie und Truppeneinsätzen dann vielleicht zu Vorschlägen zur Diplomatie und Einigung wandeln? Einen Versuch wäre es wert, die Parole auszugeben: »Zuerst der Nachwuchs der Oberschicht an die Waffen!«
Barbara Böckenhüser, Marl (NRW)Bei Ihrer Nutzung des Begriffs »kriegstüchtig« fehlen mir die Zeichen, die die Absurdität des Wortes deutlich machen würden. Krieg ist eine für alle Seiten tödliche und unintelligente Art, mit Konflikten umzugehen. Das Adjektiv »tüchtig« ist ursprünglich Menschen zugeordnet, die fleißig, klug, umsichtig und kooperativ ihr Leben managen. Man meinte damit früher Menschen, die ihr Leben auf positive Weise bewältigen. Insofern ist die Verbindung der beiden Wörter »Krieg« und »tüchtig« ein Widerspruch in sich. Der Begriff wird seit längerer Zeit unwidersprochen benutzt. Dagegen protestiere ich und hätte von Ihrem Magazin nicht erwartet, dass Sie ihn einfach unwidersprochen übernehmen.
Hilla Halfmeyer, Engelskirchen (NRW)Ein befremdlicher Beitrag: Die Bildungsgewerkschaft GEW wird für ihre Position kritisiert, dass eine Einladung der Bundeswehr in Schulen durch die Einladung zivilgesellschaftlicher Akteure flankiert werden sollte, zwecks ausgeglichener Bildung. Also einer Bildung, die zum mündigen, zum eigenständigen Urteilen fähigen Menschen beiträgt.
Asja Suchy, Henstedt-Ulzburg (Schl.-Holst.)Die Europäer befinden sich in einer tiefen Krise. Der Regimewechsel in Washington hat sie mit harten Wahrheiten konfrontiert. Sie können nicht mehr darauf zählen, dass die Vereinigten Staaten sie im Fall eines Kriegs mit Russland schützen werden. Die Nachkriegszeit des friedlichen Wohlstands ist vorbei. Die Aufrüstung hat jetzt Priorität. Enorme Ausgaben in einer Zeit, in der die europäische Wirtschaft schwach ist. Und wie der Artikel zeigt, werden Waffen und Geld nicht ausreichen. Der kommende Krieg wird etwas erfordern, was bisher fast undenkbar war: viele junge Männer und Frauen in Uniform. Unsere Kinder.
Gary Ianziti, Brisbane (Australien)
Auch mir wurde die vermeintliche »Friedensgarantie« in die Wiege gelegt. Meine Ansichten einst und jetzt zur Lebensführung in jahrzehnte-langer kriegsferner ach-so-heimeliger Wohlfühl-Sicherheits-Atmosphäre decken sich Wort für Wort mit denen Ihres Essayisten Lothar Gorris. Besser kann man die Situation zwischen Wunsch und Wirklichkeit nicht beschreiben.
Elmar Skiba, Ettlingen (Bad.-Württ.)
Keine moralischen Grenzen
Heft 14/2025 Der Fall des Teenagers Sewell Setzer, der sich in einen KI-Chatbot verliebte und sich das Leben nahm
Wo hört Fortschritt auf und fängt Dystopie an, fragt man sich bei der KI-Entwicklung. Da Letztere für viele Juristen noch Neuland ist, steht die Rechtsprechung dazu auf sehr wackligen Beinen. Die hier geschilderte Tragödie ist aber erst der Anfang davon, dass Menschen weitreichende Kontrollfunktionen fast unmerklich an die KI abgeben. Wenn – wie derzeit der Fall – der künstlichen Intelligenz keine (moralischen) Grenzen gesetzt werden, wird es irgendwann zu spät sein, um ihr den Stecker zu ziehen. Der Mensch ist in diesem Kontext auch mehr der Zauberlehrling als der Hexenmeister.
Michael Danders, Bochum
Und plötzlich stand alles still
Heft 14/2025 Die Gesichter der Pandemie fünf Jahre später
Wo ist Christian Drosten in Ihrer Aufzählung? Ich habe mich doch sehr gewundert, dass er in dem Artikel gar nicht auftaucht. Für mich war er das Gesicht der Pandemie und sein Podcast eine wichtige Begleitung in dieser schwierigen Zeit.
Sigrid Eichenbaum, Berlin
Die Gen Z im Kampf gegen Erdoğan
Heft 14/2025 Die junge Generation in der Türkei fordert mit Massenprotesten Präsident Erdoğan heraus
Sie behandeln das Thema »Türkei« gerade einmal auf drei Seiten. Das halte ich angesichts der dramatischen Ereignisse in dem Land für unangemessen. Denn die Türkei hat sich mit der Verhaftung İmamoğlus nun vollends von dem Staatswesen einer Demokratie verabschiedet.
Olaf Janssen, Aachen
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