Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Klare Regelverstöße
Heft 18/2024 Titel: Die Landesverräter
Besser kann man ein Titelblatt nicht gestalten. Woher hat der Büromitarbeiter von Herrn Krah Informationen für China, wenn nicht von ihm selbst?
Franz Sigl, Landshut (Bayern)Das Titelbild mag mit der Überschrift »Die Landesverräter« ein redlicher Versuch sein, auch dem simpelsten Gemüt zu vermitteln, in wessen Abhängigkeit sich die selbst ernannten Wahrer der deutschen Interessen begeben. Allein – dass diese Zielgruppe in Allianzen mit China und Russland ein Schreckgespenst sieht, darf bezweifelt werden.
Marko Schmidt, Nidda (Hessen)An Niedertracht und Verlogenheit nicht zu überbieten. Leider scheinen aber die Wähler immun zu sein gegen solche klaren Regelverstöße. Hier müssen wir ansetzen, um die Demokratie zu bewahren. Es darf uns nicht egal sein, was die Politiker tun.
Tilman Kloppe, Gräfelfing (Bayern)Die Visionen von Hitler & Co. waren bekanntlich so irreal, dass sie nur als gigantische Deutschland-Zerstörungsprogramme -einen »Sinn« ergeben konnten. Millionen Deutsche sind darauf hereingefallen. Heute müssen Demokraten scharf darauf achten und Journalisten und Publizisten hart daran arbeiten, dass nicht wieder zu viele vom deutschen Wahlvolk auf ein zweites Deutschland-Zerstörungsprogramm hereinfallen, diesmal schlecht getarnt als patriotisch, bio-deutsch, Faschismus- und Dexit-verliebt, russophil und so weiter. Bevor sich Geschichte doch einmal wiederholen sollte.
Eckhart Boelger, BerlinSie können – richtigerweise – die AfD noch so oft angreifen, bloßstellen, vorführen, sie wird im-mer wieder Stimmen bekommen. Es ist wie mit Donald Trump. Je mehr man ihn »verfolgt«, anklagt oder sogar verurteilt, desto mehr gewinnt er. Das liegt daran, dass die Wähler und Wählerinnen,
die Sie ansprechen wollen, den SPIEGEL oder Vergleichbares nicht lesen und dass die, die Ihre Meinung teilen, nicht überzeugt werden müssen. Und es gibt immer genügend davon!
Dr. Wolf Günther, BerlinOffensichtlich ist es einer großen Anzahl von AfD-Wählern nicht zu vermitteln, was passiert, wenn man diese Partei wählt. Bisher hat die AfD in den zehn Jahren, die diese Partei besteht, nur eines geschafft: unsere Gesellschaft zu spalten. Ich hätte viel mehr Vertrauen in den Rest der Parteien, wenn sie alle juristischen Mittel ausschöpfen würden, um sie endgültig zu verbieten. Notfalls muss man dafür das Grundgesetz ändern, sonst hätte man in einigen Jahren eine Nachfolgepartei der AfD im Deutschen Bundestag.
Peter Ruthsch, Grafschaft (Rhld.-Pf.)Die aktuellen Enthüllungen geben Anlass zur Sorge, verwundern aber wenig. Die seit Jahren unverhohlen vorgetragenen Sympathiebekunden der AfD für historische und heutige Autokraten zeigen überdeutlich, wie sehr die Rechtspopulisten die Werte der BRD verachten. Angesichts des aktuellen Umfragehochs der AfD für die Landtagswahlen im Herbst darf die Tatsache nicht marginalisiert werden, dass die politischen Vorbilder der Partei Putin, Trump und Orbán heißen und dass für die AfD Grundüberzeugungen wie Toleranz und Weltoffenheit offenbar unerträglich sind. Dazu kommt noch der bizarre Umstand, dass jede andere Partei unter dem Vorwurf zweifelhafter Kontakte ins Ausland in eine innere Krise stürzen würde. Die AfD und ihre Anhänger hingegen werden die Angelegenheit als Medien- oder Hetzkampagne kleinreden und sich in tatsachenverdrehender Selbstgerechtigkeit ergießen.
Jens Sonntag, Eibenstock (Sachsen)Diese Titelgeschichte ist wieder einmal ein schlagender Beweis, dass es das SPIEGEL-Magazin in Deutschland und der gesamten Weltgesellschaft unbedingt geben muss: In keinem anderen Medium lese ich so fundierte Recherchen, und ich weiß es zu schätzen und zu würdigen, dass es vieler Rechercheur:innen, eines weitverzweigten Netzwerks und mächtigen Archivs bedarf, um das leisten zu können.
Hartmut Krauß, Bielefeld
In welcher Welt?
Heft 17/2024 SPIEGEL-Gespräch mit Oskar Lafontaine über sein kompliziertes Verhältnis zu Gerhard Schröder
Ein sehr gutes Interview, vor allem, weil Oskar Lafontaine Klartext spricht und die Doppelmoral und Scheinheiligkeit des Westens entlarvt. Wieso dürfen die USA Kriegsverbrechen begehen – weil sie eine Demokratie sind? Im Haushaltsausschuss der USA wurde verkündet, dass die Vorbereitung des Maidan vier Milliarden Dollar gekostet hat. Wieso wird Lafontaine der Falschaussage bezichtigt? Und warum betreiben unsere Politiker Kriegstreiberei? Der Zustand der Welt ist katastrophal, auch wegen der Politik des Westens.
Ingelore Kiss, Torgau (Sachsen)Wie ist dieser ehemalige SPD-Vorsitzende, Ministerpräsident und führende Politiker Deutschlands in zwei Parteien bloß so abgedriftet? Da ist mir die sture Geradlinigkeit Gerhard Schröders zehnmal lieber. Er hat deutlich mehr Rückgrat. Lafontaine dagegen lügt sich die Welt mit rosa Brille schön, Sozialromantik und Putin-Lyrik inklusive.
Ingrid Fahrendorf, Rodenbach (Hessen)Oskar Lafontaine möchte, dass sich die Ukrainer sozial vertei-digen, nicht militärisch. Diese Einstellung ist unglaublich naiv. In Russland gibt es natürlich keine Straflager mehr, keine Einschüchterung, keine Todesstrafe, keine Morde. In welcher Welt lebt Lafontaine? Die reale kann es nicht sein.
Edith Wichert, ErlangenSchade, dass Herr Lafontaine bei seinen Überlegungen zur »sozialen Verteidigung« nicht auf den Widerstand des belarussischen Volkes eingeht. Hier findet er doch alle Elemente seiner für die Ukraine favorisierten Strategie vor. Was ist sein Ratschlag an die 1500 inhaftierten politischen Gefangenen dieses Volkes?
Eugen März, Freiburg im BreisgauDonnerschlag! Was für ein Interview! Bravo, Lafontaine! Es ist eine Erlösung – endlich sagt einer, was Sache ist: jedes Wort eine klare Aussage. Dieses ständige Herumdrucksen von Frau Baerbock und Herrn Scholz, man hält es nicht mehr aus. Auch das mit dem Iran-Experten Vali Nasr -geführte Interview: super! Haut
in dieselbe Kerbe wie Lafontaine, unterstreicht dessen Aussagen noch – hervorragend. Danke, dass endlich mal zwei Klartext gesprochen haben. Endlich ist
der SPIEGEL mal wieder der -SPIEGEL. Gilt fürs ganze Heft.
Peter Haese, HamburgIch kann verstehen, dass der SPIEGEL das gesamte politische Spektrum abbilden möchte. Das ist richtig und auch gut so. Al-lerdings wünsche ich mir, dass nach den unbelegbaren Thesen eines Oskar Lafontaine nicht nur vor der nächsten Frage eine
Klarstellung erfolgt, sondern ein solch haarsträubendes Interview schlicht und einfach abgebrochen wird. Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, so absurd sie auch sein möge. Im SPIEGEL, der sich selbst »Sagen, was ist« auf die Fahnen schreibt, möchte ich jedoch kein »Sagen, was ohne jeglichen Beleg theoretisch, vielleicht, ziemlich unwahrscheinlich auch sein könnte« lesen, sondern einen Diskurs, der auf Fakten basiert. Dass Oskar Lafontaine sich als Freund Russlands entlarvt, ist die Quintessenz eines mehrere Seiten füllenden Interviews. Zu dieser Erkenntnis kann man auch mit deutlich weniger Zeilen gelangen.
Christian von Campe, Altenmedingen (Nieders.)Auf welcher Journalistenschule wird gelehrt, dass man dem Gesprächspartner so über den Mund fährt? »Sie wissen, dass das Unsinn ist und maßlos überzogen« – und weitere Zurechtweisungen. Wir sind keine SPIEGEL-Leser mehr.
Dieter und Monika Wucherpfennig, Berlin
Bärendienst am Naturschutz
Heft 17/2024 Wie schädlich ist die Lorbeerkirsche?
Ich muss zugeben, dass mir als Gärtner lange nicht bekannt war, dass die beliebte Heckenpflanze Lorbeerkirsche als invasiv einzustufen ist. Schließlich pflanzte ich sie auch selbst schon öfter an. Gewarnt werden sollte allerdings auch massiv vor dem Götterbaum (Ailanthus altissima), der sich vor allem im urbanen Raum sehr stark ausbreitet. Wo er steht, sollte er möglichst schnell entfernt werden, da sein Wurzelwerk große Schäden anrichtet und er sich vor allem über selbiges stark ausbreitet.
Ullrich Herzau, BerlinVielen Dank für den erhellenden Artikel. Eine Fortsetzung über den Japanischen Staudenknöterich wäre spannend. Sie erwähnen ja bereits, dass dieser neben weiteren invasiven Arten noch stärker verbreitet ist und größere Probleme verursacht als die Lorbeerkirsche. Nicht nur am Straßenrand, sondern auch in Naherholungsgebieten, auf Wiesen und in Wäldern wachsen bereits jetzt große Felder des Staudenknöterichs. Bloßes Zurückschneiden oder Ausreißen von einzelnen Pflanzen hat kaum eine Wirkung, da sie sich durch kleinste Wurzelstücke weiterverbreitet. Ich frage mich, ob Kommunen oder Naturschutzverbände hier bereits ebenso aktiv sind wie im Kampf gegen die verteufelte Lorbeerkirsche.
Melanie Asche, HannoverMit dem Fazit »Wir werden uns an die Lorbeerkirsche gewöhnen müssen« haben Sie dem Naturschutz einen Bärendienst erwiesen. Natürlich nisten Vögel notgedrungen auch in den Lorbeerkirschen – irgendwo müssen sie ja nisten – und in Ermangelung von anderen dichten Büschen, Hecken und Bäumen bleibt ihnen keine andere Wahl. Das ist also mitnichten ein Argument für den invasiven Neophyten. Genau so verhält es sich mit dem Futterangebot für Insekten. Im Artikel werden die Bienen als Profiteure genannt. Dabei handelt es sich aber um Arbeitsbienen – Nektarlieferanten für den Honighersteller. Diese Bienen waren noch nie gefährdet. (Notfalls werden sie auch mal mit Zucker gefüttert). Wir haben jedoch viele Wildbienenarten und andere Insekten – Stichwort Biodiversität –, die niemals an einer Lorbeerkirsche zu sehen sind.
Christiane Pichler, Lahr (Bad.-Württ.)
Ein schöner Moment
Heft 17/2024 Leitkultur: Alexander Osang über den Kolumnisten in der Krise
Welch herrliche, rührende Geschichte! So einen Freund hätte ich auch gern im Leben getroffen.
Georg Jahn, Velbert (NRW)In einer Zeit ohne den österreichischen Schriftsteller Alfred Polgar, den Meister der kleinen Form im Leben, und ohne überbordende Künste des Zuhörens sind die Beiträge von Alexander Osang in einem Nachrichten(!)-Magazin ein Wunder an Erweiterung unserer Wahrnehmung der Welt.
Bernd Leopolder, Bad Wimpfen (Bad.-Württ.)Oh, wie schön geschrieben. Danke. Am Ende des Lesens merkte ich erst, dass ich sowohl lächelte als auch feuchte Augen hatte. Ein schöner Moment. Danke noch mal.
Lisa Frohn, Brühl (NRW)Schon lange wollte ich mich bei Alexander Osang für seine unglaublich pointierten, mitunter witzigen und humorvollen Kolumnen bedanken. Nach seinem letzten, sehr berührenden Text mache ich es hiermit: Lieber Herr Osang, was Sie schreiben, ist very sympathisch. Bleiben Sie so.
Sylvia Dürr, Innsbruck (Österreich)Herzlichen Dank für Ihren berührenden Nachruf zum Tode Ihres besten Freundes, Herr Osang. Möge er in Frieden ruhen. Und mögen Sie – bei all Ihrer Trauer – Freude über das Gute verspüren, das Sie gemeinsam über viele Jahre hatten. Und darüber hinaus: »Ich spürte plötzlich all die Trauer und Verzweiflung der Welt, gegen die ich in meinen Kolumnen anschreibe.« Ob gerade dies Ihren Kolumnen die Tiefe gibt?
Regine Posé, Reichshof (NRW)Was für ein großartiger Text – ein einfühlsames Requiem für einen Freund. Mal wieder eine Perle, fast zu lyrisch für den SPIEGEL. Danke dafür!
Christoph Fischer-Luhnen, Solingen
Ein echter Herzenswärmer
Heft 17/2024 Hanna Schygulla über ihre Kindheit und die lebenslange Sehnsucht nach einer glücklichen Familie
Vielen Dank für diese wunderbare Lebensgeschichte in oberflächlichen, trostlosen Zeiten! Ein echter Herzenswärmer, darum lese ich Euch!
Petra Dreger, Roth (Bayern)
Hang zur Verkomplizierung
Heft 17/2024 Leitartikel: Warum die Kindergrundsicherung im Desaster enden musste
Das Paus-Ministerium verdeutlicht unmissverständlich den Hang zur Verkomplizierung der politischen Einfachheit, mit dem das gesamte politische Konstrukt unseres Landes infiziert ist.
Klaus Jurgasch, Düsseldorf
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