Briefe - DER SPIEGEL
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Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Das 9-Euro-Ticket, Friedrich Merz im Gespräch und das Porträt über Klaus-Michael Kühne – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 24/2022

Umstieg in die Bahn

Heft 23/2022 Titel: Ticket ins Chaos 

  • Das Titelblatt illustriert ein deutsches Dilemma. Mit dem Titel »Ticket ins Chaos« und in der Illustration wird schon drei Tage nach der Einführung des 9-Euro-Tickets ein negatives Urteil gefällt. Ein Fragezeichen wäre hier angebracht gewesen. Alles Neue wird in Deutschland schon vor der Durchführung als unpraktikabel hingestellt. Es wird nichts mit notwendigen Reformen, wenn die Medien diese Einstellung mit Glaskugel-Journalismus befeuern.
    Herbert Zauhar, Tittling (Bayern)

  • Wie wäre es mit einem bundesweiten Ideenwettbewerb nach dem Auslaufen des 9-Euro-­Tickets? Als Preise für die besten Vorschläge empfehle ich Gratis-jahresfahrscheine, was der Bahn keine Kosten verursachen würde. Die jetzigen Bahnkunden und diejenigen, die zukünftig vom Auto auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) umsteigen könnten, könnten sich kreativ einbringen.
    Hannes Rentz, Waging am See (Bayern)

  • Die Deutsche Bahn hat mich völlig umgepolt, vom Anspruchsdenken auf Pünktlichkeit zu stillem Hoffen: Komme ich heute wohl ans Ziel – und wenn ja, wann?
    Gerhard Menzel, Altenberge (NRW)

  • Zugausfälle und -verspätungen als GAU? Da sind einigen Leuten in Deutschland wohl die Relationen verrutscht. Sie beschreiben eher lästige als existenzielle Unbequemlichkeiten in einem Land, dessen Infrastruktur doch alles in allem immer noch vergleichsweise gut funktioniert.
    Holger Senzel, Singapur

  • Wurde dieser Artikel von einem passionierten Daimler-Fahrer geschrieben? Aha, noch einmal umgeblättert, da darf sogar der ADAC-Lobbyist seine vermeintlich kompromissbereite Meinung kundtun. Dieser Text ist Alman-Tum auf bestem Boulevardniveau: Ein paar Einzelbeispiele über horrende Verspätungen und Strecken, auf denen die Bahn doppelt so lang braucht wie das Auto, fertig ist der Aufreger. Dass das 9-Euro-Ticket ein guter Weg ist, um Bürger zum Umstieg in die Bahn zu bewegen und, viel entscheidender, dass derzeit langwierig und teuer ausgebügelt werden muss, was seinen Anfang unter Kohl und der CDU in den 90er-Jahren nahm und durch 16 Jahre grotesker Inkompetenz von CSU-Verkehrsministern vor die Wand gefahren wurde, wird nur in Nebensätzen erwähnt.
    Julian Huss, Hannover

  • Das Experiment 9-Euro-Ticket ist schon gelungen: Es zeigt uns, was passiert, wenn wir die Autos stehen lassen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Es funktioniert einfach nicht. In den Ballungsgebieten ist der ÖPNV überlastet und auf dem Land braucht man kein 9-Euro-Ticket, weil da ohnehin nichts fährt. Es profitieren nur diejenigen, die schon eine Monatskarte haben. Die ist jetzt drei Monate lang billiger.
    Margot Rybka, Köln

  • Bereits im Vorfeld hatten mobilitätsbeeinträchtigte Menschen eindringlich darauf hingewiesen, dass eine weitere Überfüllung von Bussen und Zügen ihnen nicht nur die Mitnahme erschwert oder gar unmöglich macht, sondern schlicht Gefahren bedeuten würde. Dies hat sich nun am Pfingstwochenende so mancherorts bewahrheitet. Für Seh- und Gehbeeinträchtigte sowie Rollatoren- und Rollstuhlnutzende (und deren Angehörige oder Begleitpersonen) war der ÖPNV schlicht ein Albtraum. Mögen die Verkehrspolitik, die verantwortlichen Aufgabenträger des ÖPNV sowie betroffene Verkehrsunternehmen diesbezüglich unverzüglich konstruktiv Abhilfe schaffen. Denn: Der ÖPNV ist für alle da; und das, mit Sicherheit, auch für Menschen mit Beeinträchtigungen!
    Eileen Lensch, Kiel

  • Ein schwerer Fehler der Bahnreform 1994 war, Netz und Betrieb nur formal zu trennen. Infrastruktur ist eine staatliche Aufgabe und gehört direkt in Staatshand. Eine Infrastruktur-AG unter dem Konzerndach des Ex-Monopolisten ist ein ordnungspolitischer Albtraum.
    Felix Schnellbacher, Berlin

  • In den letzten vier Wochen sind meine Frau und ich mit dem Zug durch Süditalien gereist. Die Züge immer pünktlich. Tipptopp sauber, immer WLAN. Bahnhöfe in Schuss. All das zu sehr moderaten Preisen. Möglich macht das offenbar der Wettbewerb, denn es gibt mehrere Bahngesellschaften. Vielleicht sollte der Verkehrsausschuss des Bundestags mal auf Bildungsreise geschickt werden. Das wäre gut investiertes Steuergeld.
    Gunter Freund, Jugenheim in Rheinhessen (Rhld.-Pf.)

Was dem Ami seine Knarre

Heft 22/2022 Der gesunde Menschenverstand

  • Diese Kolumnen gehören zu den Beiträgen, auf die ich mich als langjähriger SPIEGEL-Abonnent wöchentlich am meisten freue. Auch dieses Mal habe ich die Lektüre sehr genossen – bis auf den letzten Absatz, der so gar nicht hineinpasst. Man kann ja zum Tempolimit auf deutschen Autobahnen stehen, wie man möchte, aber dieses Thema sozusagen im gleichen Atemzug zu nennen wie die Waffenfreiheit in den USA ist doch sehr weit hergeholt und mit grenzenloser Übertreibung noch unzureichend umschrieben. Waffen werden vorrangig gekauft, um andere zu töten. Mit erhöhter Geschwindigkeit auf Autobahnen gefährdet man hauptsächlich sich selbst.
    Raimund Römer, Zirndorf (Bayern)

  • Ich gebe Markus Feldenkirchen vorbehaltlos recht mit seiner Kritik am Waffenfetischismus der US-Amerikaner. Zum »pervertierten Freiheitsbegriff« fällt mir allerdings ein, dass Deutschland mit seiner »freien Fahrt für freie Bürger« eins der wenigen Länder auf der Welt ist, in denen es kein Tempolimit auf Autobahnen gibt. Wir frönen dem Tempowahn und fördern den Verkauf von SUVs durch Steuerbefreiung. Was dem Ami seine Knarre, ist dem Deutschen seine Karre!
    Holger Kintscher, Langen (Hessen)

Die Sonne der Kompetenz

Heft 22/2022 Union: SPIEGEL-Gespräch mit CDU-Chef Friedrich Merz über die Schwächen des Kanzlers 

  • Wie gut, dass der SPIEGEL uns durch Interviews immer wieder an die wirklich wichtigen Dinge in Politik und Gesellschaft erinnert. Der neue Haarschnitt von Herrn Lauterbach lässt ebenso Raum für Interpretationen wie die neue Brille von Herrn Merz, dessen Gesicht den RedakteurInnen für eine Modernisierung der CDU offenbar nicht frisch genug ist. Und mit über 70 Jahren gegebenenfalls noch das Amt des Kanzlers anzustreben, wo es doch so viele junge Menschen gäbe, die das alles viel besser könnten auf Grundlage ihrer reichen Lebenserfahrung. Angesichts solch subtiler Altersdiskriminierung frage ich mich, was wohl als Nächstes kommt: vielleicht ein Facelift für den Papst, um Modernisierungsbestrebungen in der katholischen Kirche besser durchsetzen zu können?
    Xenia Tutaß, Itzehoe (Schl.-Holst.)

  • Wenn der SPIEGEL bezweifelt, dass Herr Merz 2025 im Rentenalter als Kanzlerkandidat antreten könnte, möchte ich daran erinnern, dass Konrad Adenauer 1949 im zarten Alter von 73 Jahren Bundeskanzler wurde und dieses Amt 14 Jahre lang ausübte. Und das in Zeiten, in denen die Welt mehrere Male genauso in den Abgrund schaute wie heute. Es geht also.
    Hans-Dieter Heithausen, Krefeld (NRW)

  • Obwohl es im Inhaltsverzeichnis als Gespräch mit CDU-Chef Friedrich Merz über die Schwächen des Kanzlers angekündigt wurde, stoße ich beim Lesen lediglich auf ein Sammelsurium von Fragen, angefangen mit feministischer Außenpolitik, Alter, negativem Bild in der Öffentlichkeit, was der Kanzler besser könne, und so weiter. Im Grunde geht es in dem Konvolut an vorgefassten Meinungen allein darum, Schwächen des Oppositionsführers Merz herauszustellen, und das in herablassendem Gestus. Der Kanzler wird’s wohlwollend zur Kenntnis genommen haben.
    Karl-Heinz Groth, Goosefeld (Schl.-Holst.)

  • Man muss kein Anhänger von Friedrich Merz sein, um den Ton der Fragestellungen einfach nur als flegelhaft zu empfinden. Ein kritisches Interview im SPIEGEL stelle ich mir immer noch auf einem gewissen Niveau der Interviewer gegenüber dem Gast vor. Hiervon sind Frau Garbe sowie die Herren Gathmann und Hickmann weit entfernt. Die Krönung stellen die Fragen zu Herrn Merz neuer Brille dar. Gott sei Dank findet der so voller Vorurteile und Antipathie Befragte dazu eine sachliche Antwort.
    Klaus-Dieter Lubbe, Köln

  • Aus jeder Antwort von Herrn Merz tropft die Selbstüberzeugung: »Ich bin der bessere Kanzler. Und auch wenn ich noch keine Wahl gewonnen habe, bin ich der beste Kandidat meiner Partei.« Befremdlich, dieses Selbstbewusstsein. Wodurch wird es genährt? Merz hatte sich rund 15 Jahre lang aus der Politik verabschiedet. Und kaum, dass er vor Jahren andeutete, dass er wieder für die CDU tätig sein wolle, scharte sich eine große Gefolgschaft um ihn. Einzige Erklärung, in Anlehnung an ein bekanntes Zitat: Wenn die Sonne der Kompetenz niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.
    Reiner Gorning, Hamburg

  • Herr Merz kritisiert, dass Bundeskanzler Olaf Scholz seine »Flughöhe« nicht einhält. Ich finde diese Kritik schon allein deshalb unberechtigt, weil es überaus wohltuend ist, dass es noch Politiker gibt, die nur so hoch fliegen, dass sie jederzeit wieder Bodenhaftung erreichen können. Es sind schon genügend einschlägige Fälle bekannt, die ihre Flughöhe völlig falsch berechnet haben, im politischen Orbit verschwunden sind und Unerledigtes hinterlassen haben. Wir können froh sein, in diesen extrem schwierigen Zeiten eine mit Baerbock, Habeck und Lindner besetzte Regierung unter der Führung eines besonnenen und auf Bodenhaftung fixierten Piloten Scholz zu haben.
    Wolfgang Greiner, Bischofswiesen (Bayern)

Ein Loblied für den Milliardär

Heft 22/2022 Milliardäre: Unternehmer Klaus-Michael Kühne arbeitet mit fast 85 wie besessen – warum? 

  • Das Porträt über Klaus-Michael Kühne spannt einen zu kurzen Bogen. Schließlich könnte der Unternehmer sich selbst das größte Denkmal damit setzen, indem er endlich dafür sorgt, dass Kühne+Nagel seine schwierige Vergangenheit während der NS-Zeit zwischen 1933 und 1945 von unabhängigen Historikern schonungslos aufarbeiten lässt, wo die Firma nicht zuletzt durch die Veräußerung von früherem jüdischen Eigentum zu einem nicht unerheblichen Reichtum gekommen ist. Deshalb bedarf es hier in jedem Fall eines weitsichtigen Umdenkens, wobei man niemanden, selbst wenn er beruflich ungemein viel in seinem Leben erreicht hat, was einen hohen Respekt verdient, aus seiner Verantwortung entlassen darf.
    Rasmus Helt, Hamburg

  • Ja, so sind sie, die machtgeilen Superreichen dieser Welt. Nach dem Motto »Was geht mich eine Tradition an.« Die Hamburger Oper ist für Herrn Kühne nicht gut genug, hat angeblich keine Strahlkraft, und das künstlerische Niveau sei nur Durchschnitt. Auf die Idee, zum Beispiel den Opernchor aufzustocken, der seit Jahren »auf dem Zahnfleisch« singt, kommt er nicht. Diesem Mann kann man nur eine kräftige Prise Demut wünschen.
    Andreas Willscher, Sainte-Radegonde (Frankreich)

  • Steuerflüchtlinge wie ihn, die ihren Beitrag zum Gemeinwesen nicht leisten und dann noch glauben, sie könnten eine neue Oper für ohnehin bereits Privilegierte fordern, braucht niemand.
    Dr. Helmut Eschweiler, Berlin

  • Es erschließt sich mir nicht, warum und wieso Sie ausgerechnet in einer Zeit, da in Europa ein furchtbarer Krieg tobt und die Kinder- und die Rentnerarmut in Deutschland extreme Steigerungsraten aufweisen, diesem Milliardär ein Loblied singen müssen. Wäre es nicht angebrachter gewesen, darüber zu schreiben, wie sich unter der jetzigen sogenannten Ampelregierung der ehemalige Wohlstand Deutschlands in Schall und Rauch verflüchtigt? Was interessiert uns da ein im Geld schwimmender Steuerflüchtling in der Schweiz?
    Dr. Ulrich Bergk, Dresden

  • Fünf Seiten Hofberichterstat­­­­tung – SPIEGEL, wie hast Du Dich verändert!
    Friedrich Tentrop, Münster

  • Dieser Artikel über den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, einen der reichsten Deutschen, lässt einen wichtigen Aspekt der Unternehmensgeschichte aus. Sein Vater Alfred Kühne, der die Speditionsfirma Kühne + Nagel bis 1966 führte, war im »Dritten Reich« williger Helfer des NS-Regimes und machte durch den Abtransport von arisiertem jüdischen Eigentum im großen Stil das Unternehmen groß.
    Dr. Eva Herrmann-Dresel, Schriesheim (Bad.-Württ.)

Geld für die Bundeswehr

Heft 22/2022 Warum die Truppe trotz Sondervermögen unterfinanziert bleibt 

  • Wann hören alle Medien, Talkmaster und Journalisten endlich auf, dieses verdummende Wort zu benutzen, wenn es die Politiker schon nicht tun: Es sind Sonder-Schulden und nichts anderes!
    Lutz Zimmermann, Braunschweig

Richtige Gartenpflege

Heft 22/2022 Agrarbiologe Martin Bocksch über die Fehler der Rasenbesitzer 

  • Der größte und schlimmste Fehler der Rasenbesitzer ist der, dass sie noch einen Rasen haben!
    Petra Stripp-Scheuring, Großostheim (Bayern)

Grammatik, Vokabeln, Cicero

Heft 23/2022 Leserbrief zu »Wozu brauchen wir noch Latein?« aus Heft 21/2022 

  • Wer Substantive konjugiert oder Verben dekliniert, wird mit zusätzlichem Lateinunterricht nicht unter zwei Jahren bestraft.
    Wolfgang Mayer, Winnweiler (Rhld.-Pf.)

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