Briefe - DER SPIEGEL
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Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Der Tod von Queen Elizabeth II., Deutschlands Ukraine-Politik und Cancel Culture – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 38/2022

Verdrängte Schattenseiten

Heft 37/2022 Die Dienerin 

  • Ich finde das Titelbild äußerst unglücklich. Eine lebende Queen mit geschlossenen Augen anlässlich Ihres Todes zu zeigen finde ich unwürdig. Ein Schwarz-Weiß-Foto wäre sicher angebrachter gewesen.
    Marianne Offermanns, Bonn

  • Ich bin seit Langem Abonnent und kann zur neuesten Ausgabe nur sagen: welch grandioses Titelbild! Eine bewundernswerte Frau, und das Titelbild wird dem gerecht.
    Bernd-Michael Rabisch, Potsdam

  • »Die letzte Majestät« ist eine journalistische und technische Meisterleistung des SPIEGEL! Am Donnerstagabend wurde ihr Tod verkündet und Samstagfrüh auf dem Titel: Hochachtung.
    Dieter Blum, Düsseldorf

  • »Ghastly!«, hätte Prinz Philip wahrscheinlich zu diesem Titelbild gesagt. Man muss Elizabeth II. nicht in den Himmel heben, der SPIEGEL ist kein Boulevardblatt. Dennoch empfinde ich das Titelbild als geschmacklos. Es lässt jeden Respekt vermissen für eine Monarchin, die durch ihren Staatsbesuch im Jahr 1965 ein starkes Zeichen der Versöhnung mit dem ehemaligen Kriegsgegner Deutschland gesetzt hat. Sie hat auch unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, wie viel ihr an der Europäischen Gemeinschaft lag. Das Titelbild zu ihrem Nachruf gehört wahrscheinlich zu den schlechtesten, die der SPIEGEL je veröffentlicht hat.
    Dr. Eberhard Fritz, Altshausen (Bad.-Württ.)

  • Das Titelblatt mit dem außergewöhnlichen Foto von Königin Elizabeth II. und der absolut passenden Unterschrift hat mich tief berührt – so wie auch der Inhalt. Beeindruckt bin ich auch von der schnellen und sorgfältigen Arbeit, die Herr Jörg Schindler und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geleistet haben. Als Kanadierin und ehemals Studierende in London werde ich das Heft zur Erinnerung aufheben und immer wieder gedankenvoll durchschauen.
    Dr. Jutta Alice Kuehne, Oberursel (Hessen)

  • Das konsequente majestätische Verhalten und das Durchhaltevermögen von Queen Elizabeth II. – dieser Lebensleistung zolle ich großen Respekt. Allerdings ist es für mich im dritten Jahrtausend nach Christus sehr befremdlich, wie man in einer aufgeklärten Gesellschaft noch so mit einer konstitutionellen Monarchie und deren Protagonisten sympathisieren und sie so nostalgisch hochleben lassen kann, wie es eben in England beispielhaft der Fall ist. Da werden mir die geschichtlichen Schattenseiten der königlichen Blutsbande von Gottes Gnaden von ihrer Anhängerschar zu sehr verdrängt.
    Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)

  • Elizabeth gehörte zu einer Generation, die zwar Lebensfreude empfand, die aber leider nicht lernte, Gefühle ungezwungen auszudrücken. Als Thronanwärterin wurde sie ja doppelt streng erzogen. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie nicht nur eine würdevolle und stets tadellos auftretende Königin, sondern auch ein liebenswerter Mensch mit Stärken und Schwächen war.
    Leif Boysen, Harrislee (Schl.-Holst.)

  • Binnen neun Tagen sind nun zwei Jahrhundertpersönlichkeiten von uns gegangen. Ohne die Lebensleistung der Queen schmälern zu wollen: Obwohl Gorbatschow nur sechs Jahre regiert hat, hat er weltgeschichtlich genauso viel bewegt wie Elizabeth II.
    Ekkehard Grube, Dinslaken (NRW)

  • Was für eine Titelbildfolge bei den letzten drei Ausgaben des SPIEGEL! Erst der manische Zerstörer Putin, dann der mutige Reformer Gorbatschow, jetzt die geduldige Bewahrerin Queen Elizabeth II.
    Günter Schumacher, Roetgen (NRW)

  • Zu Ihrem Nachruf auf die Queen gehört auch der Hinweis auf ein winziges Detail, das kaum Beachtung findet: »King« enthält als ausgesprochenes oder hymnisch gesungenes Wort nicht den gleichen Zauber wie das melodische »Queen«. Am treffendsten brachte der begnadete Frontmann der Band »Queen«, Freddie Mercury, dies zum Ausdruck: »I thought up the name Queen early on. It couldn’t have been King, it doesn’t have the same ring or aura as Queen.«
    Petra Kröger, Hamburg

  • Der Tod von Elisabeth II. erinnert mich auch daran, dass die Aristokratie endlich überall auf der Welt abgeschafft werden sollte. Und der in den letzten Jahrhunderten meist inhuman erlangte Reichtum unter den Opfern und deren Nachfahren verteilt werden müsste.
    Jochen Richter, Karlsruhe

  • »Der Anti-­Putin«, »die letzte Majestät« – die Besten gehen von Bord.
    Rudolf Schmitt, Saarbrücken

Liefern, was da ist

Heft 36/2022 Leitartikel: Die Bundesregierung sollte der Ukraine endlich entscheidend helfen 

  • Ich sehe das Risiko, dass eine totale Niederlage Russlands zum Einsatz taktischer Atomwaffen oder »schmutziger Bomben« führt. Putin kann sich im Bunker verstecken, das Schicksal der restlichen Menschheit ist ihm völlig schnuppe. Der Bellizismus des SPIEGEL irritiert mich.
    Rainer Springer, Neumarkt (Bayern)

  • Meine volle Zustimmung zu den Forderungen des Leitartikels nach einer umfassenden militärischen Unterstützung der Ukraine. Die Bundeswehr sollte liefern, was immer sie an Brauchbarem und Funktionierendem hat, denn was würde wohl Frau Lambrecht sagen, wenn ihr eigenes Haus brennt, aber die Nachbarn ihre Feuerlöscher und Wassereimer zurückhalten, damit bei ihnen die Brandschutzvorschriften eingehalten werden?
    Dr. Rudolf Winkel, Bad Kreuznach (Rhld.-Pf.)

Erfahrung von Unsicherheit

Heft 36/2022 Der Ostbeauftragte Carsten Schneider hat den vielleicht härtesten Job der Regierung 

  • Ja, die »Ossis«, wie man im Volksmund zu diesen Menschen sagt, sind im wiedervereinten Deutschland abgehängt und fühlen sich auch so. Die »Wessis«, wie der andere Teil der Bevölkerung im Volksmund genannt wird, haben 1989/90 die Herrschaft über ganz Deutschland übernommen und diese bisher auch nicht in angemessenen Umfang mit den »Ossis« geteilt. Die »Wessis« sitzen auf ihren schönen Posten, oft genug auch im wilden Osten.
    Frank Wunderlich, Nöbdenitz (Thür.)

  • Carsten Schneider spricht viele Punkte an, die ich (Jahrgang 1981, ebenfalls in Erfurt geboren und in einer thüringischen Kleinstadt aufgewachsen) auch während meiner Kindheit und Jugend miterleben musste. Zum einen die Erfahrung von Unsicherheit, Entwertung und Arbeitslosigkeit. Zum anderen die aufkommenden rechtsradikalen Strukturen, welchen im ländlichen Raum zumeist keine oder nur eine kleine linke Gegenströmung entgegenstand. Für den Großteil der Jugend­lichen meiner Generation gab es nur die Wahl, entweder in der Heimat zu bleiben und um die wenigen Lehrstellen oder Ar­beitsplätze zu kämpfen und dafür ein geringes Gehalt zu bekommen – oder die Heimat und Familie zu verlassen, mit der Aussicht auf einen sicheren und besser bezahlten Job im Westen. Die meisten meiner Freunde und Bekannten haben sich, wie ich auch, für die besseren Berufsperspektiven entschieden. Viele von ihnen kämpfen aufgrund ihrer Herkunft mit Vorurteilen. Statt vor jeder Wahl zu versuchen, das »ostdeutsche Wesen« zu erkunden, oder sich nach jeder Wahl zu empören, warum der Osten so gewählt hat, sollte eventuell ergründet werden, warum jemand wie Carsten Schneider immer noch nicht einen Ministerposten besetzt oder andere Führungsposten kaum mit Ostdeutschen besetzt sind.
    Marcus Rosenkranz, Leipzig

Musterbeispiel für Debattenkultur

Heft 36/2022 Gibt es Cancel Culture? Ein Streitgespräch 

  • Die Schauergeschichte von der Bedrohung der Meinungsfreiheit durch Identitätspolitik wird interessanterweise immer zu besten Sendezeiten erzählt. Auch im SPIEGEL gibt es dafür Platz. Die Gegenposition ist dann statt in einem regulären Heft in einer Sonderausgabe für junge Menschen versteckt, wo sie deutlich weniger, aber wohlwollender gelesen werden dürfte. So weit scheinen mir die vermeintlichen Redeverbote noch nicht fortgeschritten zu sein.
    Markus Burke, Berlin

  • Mein Fazit lautet: herrlich! Das ist ein Musterbeispiel für Debattenkultur. So muss eine offene, kontroverse Diskussion statt­finden: Austausch von Standpunkten und Argumenten – und am Ende geht man höflich auseinander.
    Raimund Römer, Zirndorf (Bayern)

  • Vielen Dank an Jonas Schaible für die Dekonstruktion von René Pfisters Schnellschussthesen. Ergänzen möchte ich, dass Pfister die Umfragen, nach denen eine Mehrheit sich nicht mehr traut, die eigene Meinung zu sagen, arg zurechtbiegt: Woher will er wissen, dass die Befragten Angst vor »der neuen linken Ideologie« haben? Ebenso möglich ist es, dass man seine Meinung nicht äußert, weil man Angst vor der Nachstellung rechter Netzwerke hat – wie das Beispiel Lisa-Maria Kellermayr jüngst gezeigt hat. Allein vorletzte Woche hat es zwei Hassverbrechen gegen Transpersonen gegeben. Ich meine, wir sollten uns als Ge­sellschaft lieber geschlossen hinter die Betroffenen stellen, statt uns in Nebelkerzendiskussionen um Umkleidekabinen zu verzetteln.
    Lina Brünig, Essen

  • Hervorragendes Gespräch zweier sehr kompetenter Redakteure. Man erhält einen Querschnitt unserer Zeit, den man in seiner Kompliziertheit kennen muss, will man vernünftig über sie schreiben und entsprechend handeln.
    Hans-Peter Porzner, Würzburg

  • Da haben Ihre Redakteure René Pfister und Jonas Schaible ja ein lebendiges Beispiel geliefert, wie man sich nicht auf die Argumente seines Gesprächspartners einlässt und auf seinem eigenen Standpunkt beharrt. Besonders aus Herrn Schaibles Statements triefte die selbstzufriedene Gewissheit, auf der richtigen Seite zu stehen und zu den Guten zu gehören. Gerade bei diesem Thema hätte ich mir mehr Sensibilität, und nicht für die eigene Seite, erwartet.
    Jürgen Bambor, Gütersloh (NRW)

  • Das Streitgespräch zwischen zwei SPIEGEL-Redakteuren über die Frage, ob Cancel Culture die Meinungsfreiheit bedroht, erinnert sehr an die Relativitätstheorie: Nur wenige verstehen sie, kaum jemand interessiert sich dafür, und im Alltag spielt sie keine Rolle. Es sind vielmehr ganz konkrete finanzielle Probleme, die derzeit viele Menschen umtreiben, nicht so sehr Diskussionen im ideellen Überbau, die an ihrer Lebenswirklichkeit vorbeigehen.
    Hans Schinke, Offenbach

Nichts als Tierquälerei

Heft 36/2022 Wer darf das tiefgefrorene Sperma des Jahrhundertpferdes Totilas vermarkten? 

  • Die Posse um den totilatären Anspruch auf das Restsperma dieses Supergauls schreit nach einem salomonischen Urteil: alle Restdosen versteigern und den Erlös dem Tierschutz spenden.
    Christian Jungbluth, Freiburg (Bayern)

  • Wenn ich mir das Foto von Totilas ansehe, schaue ich in das Gesicht eines tief traurigen Geschöpfes, welches leider in die Hände von sogenannten Pferdesportlern geraten ist. Wie man weiß, hat Sport eine Menge mit Fairness zu tun, die gerade ein Herr Schockemöhle in der Vergangenheit vermissen ließ. Dieser »Sport« mit Pferden ist nichts als Tierquälerei, bei der ein Gutteil der Freunde des Reitsports zu dieser auch noch applaudieren.
    Volker May, München

Raumfahrt zum Mars

Heft 36/2022 Elon Musk und andere Unternehmer träumen von autarken Kolonien auf dem Mars 

  • Es werden Milliarden für künftige Missionen zum Mond und Mars ausgegeben – Orte mit lebensfeindlicher Umgebung. Wäre es nicht sinnvoller, das Geld etwa für Klimaschutz, regenerative Energien und Speichertechnologien auf unserer Erde auszugeben?
    Thomas Rieger, München

»Nur noch ein bisschen, dann darfst du nach Hause gehen«

Heft 36/2022 Regisseur Ulrich Seidl soll rumänische Kinder bei einem Filmdreh ausgenutzt haben 

  • Warum hat Ulrich Seidl den Film in einem kleinen rumänischen Dorf gedreht, wenn nicht, um von vornherein Grenzüberschreitungen begehen zu können? Dieser Film dürfte nicht gezeigt werden. Da sind die Förderer auch in Verantwortung.
    Dietlind Thiessen, Hamburg

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