Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Bärendienst an der Demokratie
Heft 28/2024 Titel: Die Biden Dämmerung
»Hütet euch vor alten Männern, denn sie haben nichts mehr zu verlieren«, warnte der irische Autor George Bernard Shaw. Die USA führen uns mit der Personalie »Biden oder Trump« auf sehr gefährliche Weise vor, was nicht sein dürfte. Zwei alte, starrköpfige Männer ringen um einen Posten, dem sie beide – der eine so, der andere so – nicht gewachsen sind. Kein gutes Omen für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, und wohl auch für uns alle.
Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)Bedurfte es noch eines TV-Duells, um zu erkennen, dass der »mächtigste Mann der Welt« alt und senil ist? Seine bisherige Politik, seine Auftritte und seine Reden waren doch dafür schon Beleg genug. Das ist kein gutes Vorzeichen für die westliche Demokratie und für die westliche Wertewelt, wenn sich im sogenannten Kern- bzw. Mutterland Leute wie Biden und Trump um deren Repräsentanz streiten. Wahl zwischen senil und korrupt?
Dietmar Sobottka, ChemnitzGrundsätzlich erlebt die demokratische Welt durch eine weltweite Renaissance faschistoider Bewegungen einen Albtraum. Zwei Phänomene verleihen diesem Trauma eine hochgefährliche Brisanz: zum einen ein oftmals überfordertes, unpopuläres und – wie im Fall der USA – geriatrisch-pathologisches Führungspersonal in den westlichen Demokratien, zum anderen eine vielfach destruktive, hochemotionale, die demokratischen Grundlagen zersetzende Wutmentalität vieler Bürger:innen.
Dr. Volker Brand, Bad Oeynhausen (NRW)Es gibt leider auch die Freiheit zur Selbstzerstörung. Was uns als Zivilisationssuizid droht, könnte auch in der Demokratie mit der Freiheit geschehen. Dann würde die Freiheit zu einem sich selbst zerstörenden Ergebnis.
Klaas Ockenga, Hassloch (Rhld.-Pf.)Es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis Joe Biden einsichtig ist und seine Kandidatur zurückzieht (vielleicht ist es schon geschehen, wenn dieser Brief erscheint). Die Frage ist dann nur, ob es eine Empfehlung für seine Nachfolge gibt. Besser wäre es – damit parteiinterne Rangeleien vermieden werden und die designierte Person sofort durchstarten kann. Wohl möglich, dass der Rückzieher sich wegen dieser Auswahlentscheidung in die Länge zieht. Die Wahlkampfmaschinerie kann sich dann viel freier auf den Albtraum Trump stürzen und die Mitte Amerikas vor seinen diktatorischen Tendenzen warnen.
Alan Benson, BerlinVor über 200 Jahren hat man sich in den USA von einer Diktatur befreit. Präsident Biden steht in der Verantwortung für das, was nach ihm kommen könnte. Mit seinem Verhalten könnte er der Demokratie einen Bärendienst erweisen.
Uwe Heinemann, Arnstadt (Thür.)Ihr aufklärender, realistischer, ausgezeichnet geschriebener Artikel erweckt in mir den Eindruck, dass die US-Bürger in ihrer Zustimmung für Donald Trump wie die Lemminge in den Tod in eine Diktatur springen, die das Ende ihrer persönlichen Sicherheit und Freiheit bedeuten kann.
Friedhelm Jansen, Hattingen (NRW)Wer sich alles nach einem erneuten Sieg des größten »Dealmakers« aller Zeiten auf diesem Planeten fürchten sollte, haben Sie recht gut dargestellt. Nur zwei wichtige Säulenheilige hat man bei der ganzen Jammerei schlichtweg vergessen: Die Wall Street und das Silicon Valley dürften sicherlich keinen Trauerflor anlegen. Denn das Kapital arrangierte sich bislang immer mit den jeweils Mächtigen. Und das leider nicht nur in den USA.
Roland Barwinsky, Hirschberg (Thür.)Als US-Wähler muss ich sagen, dass Ihre Titelseite maßlos untertrieben ist. Die sollte lauten: Albtraum Amerika/Europa. Der Supreme Court hat dem Präsidenten mit seinem Immunitätsurteil praktisch eine Carte blanche ausgestellt. Sollte Trump gewählt werden, dann sind das dunkle Jahre für uns alle. Zwei Hoffnungsschimmer haben wir: eine Verfassungsänderung – oder Joe Biden muss die Möglichkeit ausschlachten, den Supreme Court um vier Richter zu erweitern.
William-Michael Costello, BerlinDie konservativen Richter des Supreme Court haben sich zu Komplizen eines verurteilten Verbrechers und notorischen Lügners gemacht. So gehen sie in die Geschichte ein.
Dr. Günther Witzany, Bürmoos (Österreich)Alle demokratischen Staaten haben sich Mühe gegeben, in ihren Verfassungen die Macht ihres obersten Repräsentanten zu begrenzen. Gegen das Machtstreben eines Diktators sind sie weitgehend unwirksam. Es bleibt zu hoffen, dass Kräfte und Gegenkräfte sich neutralisieren, ohne den Staat in seiner Funktion lahmzulegen.
Klaus Fischer, Ditzingen (Bad.-Württ.)Der Supreme Court hat Trump einen entsicherten Colt gereicht. Die Dimension der Selbstentmachtung der obersten Richter gleicht der des Reichstags gegenüber Hitler mit dem Ermächtigungsgesetz 1933. Die Demokraten müssen sich auf den Bürgerkrieg vorbereiten. Danke für den Abdruck des Interviews, das volle Klarheit herstellt.
Dirk Riggers, Heikendorf (Schl.-Holst.)Das Urteil des obersten US-Gerichts gibt nicht nur Donald Trump alle Freiheiten, sondern auch Joe Biden. Damit sollte es doch kein Problem sein, Trump loszuwerden. Und einige Richter ebenfalls.
Rainer Jakobi, ErlangenEs ist erschreckend, aber was für Trump gilt, gilt auch für Joe Biden. Noch hat er Zeit, mit den beschriebenen Mitteln Trumps Kandidatur zu verhindern.
Tjeerd de Neef, Wesenberg (Meckl.-Vorp.)Das Interview mit US-Verfassungsexpertin Wehle enthält epochale Sprengkraft. Mit glasklarer Deutlichkeit wird darin aufgezeigt, wie es um Amerikas Demokratie und Freiheit bestellt sein wird, sollte dieser Inhaber ethischer Leere an die Macht kommen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis ein erneuter Präsident Trump die Rechtslandschaft in den USA unterworfen haben wird. Dieses Interview ist zukunftsweisend. Es entlarvt die pervertierte Rechtsauslegung durch eine höchste Rechtsinstanz, die einem politischen Machthaber einen Freibrief erteilt, sich über das Gesetz zu stellen. Demselben Akteur, dem dieser Court seine Zusammensetzung zu verdanken hat. Rassismus, Faschismus, durch Rachsucht geprägte Politik werden über Nacht sakrosankt sein, sollte Trump die Wahl gewinnen.
Peter Hülcker, Norderstedt (Schl.-Holst.)
Wer steht auf?
Heft 28/2024 Leitartikel: Die schwindende Macht der Parteien -gefährdet die Demokratie
Dirk Kurbjuweit hat treffend die schwarzen Tage der Demokratie beschrieben. Leider vermisse ich einen Hinweis auf die Macht der Medien in einer liberalen Demokratie: Medien neigen dazu, in falsch verstandener Informationspflicht, die jeweils Regierenden in einer Form niederzuschreiben, die einen Großteil der Bürger veranlasst zu glauben, dass nichts richtig läuft. Dass böse Absichten dahintersteckten und dass die Regierenden unfähig seien, Probleme zu lösen. Damit bereiten sie den Boden, auf dem autoritäre Gestalten Einfluss erlangen, indem sie einfache Lösungen selbst für die größten Probleme anbieten. Dann ist das Geschrei in den Medien groß, aber ab einem bestimmten Punkt ist es zu spät, die Entwicklung zu stoppen.
Wilfried Merg, LeverkusenDa will wohl einer besonders originell sein, doch das geht gründlich daneben: Wie nur kann man Macron, Biden und Trump in eine Reihe stellen? An Macron und Biden lässt sich ja manches aussetzen, aber dass beide überzeugte Demokraten sind, bestreitet niemand ernsthaft. Trump dagegen ist bekanntlich keiner. Pro oder kontra Demokratie. Für oder gegen Faschismus. An diesem Kern der aktuellen Auseinandersetzung in den USA und in Frankreich geht der Leitartikel komplett vorbei. Ich finde, dass die Gefahr autokratischer Regierungen damit verharmlost wird. Das Stück aus Paris über Monsieur Bolloré fand ich klasse, da habe ich viel Neues erfahren. Danke dafür.
Ruth Berschens, KölnDie USA, die sich seit nahezu 200 Jahren nicht nur als einzige moralische Instanz dieser Welt gerieren, sondern darüber hinaus stets beteuern, Gerechtigkeit für jedermann sei stets der Impetus ihres Handelns, garantieren ihren zukünftigen Präsidenten Straffreiheit für alle rechtsbrecherischen Handlungen, die sie während ihrer jeweiligen Amtszeiten begehen werden. Das ergibt nur Sinn, wenn das höchste amerikanische Gericht davon ausgeht, dass der nächste Präsident Donald Trump heißen und dass dieser dann alsbald seinen offen geplanten Feldzug gegen Gesetz und Recht starten wird. Gegen Regierungen europäischer Staaten, die ihre eigene Rechtsordnung in Richtung Autokratie misshandelten, wurden sofort Sanktionen verhängt, die USA bleiben unangetastet! Wer steht auf und prangert diese Schizophrenie von Uno und EU vehement an?
Christian Schulze, Thönse (Nieders.)Wie heißt es so schön: »Das muss eine Demokratie verkraften!« Die entscheidende Frage lautet: Verkraftet Europa Herrn Trump?
Uwe Mehl, Hamburg
Hass in die Herzen gesät
Heft 27/2024 Rekonstruktion der israelischen Bombardierung eines Wohnturms in Gaza
Wer immer den Artikel »Die Toten vom Kronenturm« liest – ein schrecklich realistischer und dramatisch recherchierter Bericht –, muss zu dem Ergebnis kommen, dass es hier nicht (nur) um die Auslöschung einer militärischen Infrastruktur geht, sondern vielmehr um eine gewaltige Vergeltungsaktion. Hier morden jüdische Israelis palästinensische Israelis und das Völkerrecht muss zusehen – Kollateralschäden. Es wäre an der Zeit, dass eine unabhängige Kommission (vielleicht der Uno) die Gräueltaten beider Gruppen seit der Gründung von Israel durchleuchtet und einer seriösen Beurteilung der getätigten Ungerechtigkeiten von unberechtigter Landnahme, Siedlungspolitik bis Terror und so weiter zuführt. Danke dem SPIEGEL für diesen Spiegel.
Gerhard Rust, Turnau (Österreich)Vielen Dank dafür, dass Sie den Opfern des israelischen Vernichtungswahns ein Gesicht und eine Stimme gegeben haben. Mir stiegen beim Lesen die Tränen in die Augen. Gibt es überhaupt noch irgendjemanden, der allen Ernstes glaubt, so könne man Terrorismus bekämpfen? Für jede getötete Frau und jedes verstümmelte Kind, dem ohne Narkose Arme und Beine amputiert werden müssen, wird unbändiger Hass in die Herzen der palästinensischen Männer gesät. Sodass auch diejenigen, die vorher keinerlei terroristische Berührungspunkte hatten, für die nächsten Jahrzehnte auf Rache sinnen und sich der Hamas anschließen oder eine eigene, neue Terrororganisation bilden.
Anne Essmann, BerlinDie Vorgehensweise der Israelis könnte dem Handbuch »Wie züchte ich Terroristen« entnommen sein. Andererseits, wann begreifen die Palästinenser, dass es (laut SPIEGEL) in der israelischen Regierung Bestrebungen gibt, sie aus dem Gazastreifen zu vertreiben? Wie »deutlich« muss dies denn noch zum Ausdruck gebracht werden, warum verschwinden diese Menschen denn auch nicht freiwillig?
Lothar Cattarius, Mainz
Neue Biowaffen für Hobbygärtner
Heft 27/2024 Was Hobbygärtner im Kampf gegen Schädlinge von Forschern lernen können
Ich überlasse meinen Garten gerne den Schädlingen und der Natur. Mannshohe Rosmarinstauden, Lavendel, Thymian, ein vier Meter hoher Lorbeerbaum: Alle meine Pflanzen -lachen nur über die Schnecken. Bärlauch und Waldmeister sowieso. Frisches Gemüse kaufe ich auf dem Markt – ist einfacher und günstiger.
Christoph Pfeiffer, Bonn
»Ich habe meiner Mama gesagt, dass ich überall mit ihr hingehe«
Heft 27/2024 SPIEGEL-Gespräch mit Jamal Musiala über die Kunst des Dribblings
Ein sehr bemerkenswertes Interview mit dem Fußballgenie Musiala, der mit seinem Freund Bellingham die Europameisterschaft prägt. Musiala ist ein Beispiel für eine kindliche Prägung durch die Familie und besonders seinen Vater, der den Grundstein für seine Begabung im Fußball legte. Glückwunsch an die Autoren!
Uwe Rakow, Kirn (Rhld.-Pf.)
Flirt World Problems
Heft 27/2024 Die im Off weitergesponnenen Erzählstränge der EM-Kommentatoren Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger
Großes Lob für diesen bestens recherchierten und überaus humorvollen Bericht. Die Flirts zwischen Esther & Bastian? Zum Schießen! Das lustige, von fundiertem Fachwissen begleitete Geplänkel zwischen Mertesacker & Kramer? Großes Kino! Auch wenn wir nicht Europameister werden – ein Gewinn an Lebensfreude ist die fein beobachtete Expertise Ihres Autors allemal.
Michael Bräuer, Kürnbach (Bad.-Württ.)
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